Trends im E-Commerce von A-Z (IX): Shopping-Clubs

Von Klaus Janke | 6. Juli 2012 | 2 Kommentare Kommentieren

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Doch, doch, auch Shopping-Clubs sind immer noch ein Trend, wenn auch kein ganz neuer. Das Prinzip, über eine Club-Zugehörigkeit in den Genuss von zeitlich befristeten Ersparnissen von 40 bis 50 Prozent zu kommen, erreicht mittlerweile nicht mehr nur exklusive Cliquen, sondern die breite Masse. Damit wird das Geschäft jedoch nicht leichter.

Die meisten Anbieter verspüren nach wie vor Rückenwind, zumal sie 2011 deutliche Umsatzsteigerungen verbuchen konnten: Der Pionier und nach wie vor größte Anbieter Vente Privée verzeichnete ein Plus von 11 Prozent auf nun über 1 Milliarde Euro. Die Mitgliederzahl in Deutschland kletterte um 180.000 auf 930.000 - sogar Punk-Godfather Iggy Pop stellte hier kürzlich sein neues Album exklusiv vor. Die Konkurrenten Brands4friends (Ebay, über vier Millionen Mitglieder in Deutschland) und Amazon BuyVIP (gerade ausgebaut) geben zwar keine Zahlen bekannt, erklären jedoch ebenfalls, zugelegt zu haben. Die Otto-Tochter Limango meldete eine Umsatzsteigerung um 66 Prozent und 2 Millionen Mitglieder. Das sieht sehr gut aus.

Vente Privée Shop
Qualität ist durchwachsen

Die Hauptrolle im Shopping-Club-Markt spielt nach wie vor Mode, doch auch Technik, Sportartikel und Schmuck sind mittlerweile etabliert. Die Qualität der Angebote ist durchwachsen. Im März 2012 führte das Deutsche Institut für Service-Qualität einen Test unter sieben Anbietern (Limango, Mysportsbrands, Zalando Lounge, BuyVIP, Brands4friends, Vente Privée und Paul Direkt) durch. Dabei wurden neben Versandqualität und Internetauftritt auch der telefonische Kundenservice, die E-Mail-Bearbeitung und die Einkaufsbedingungen gecheckt. Während Qualität und Webauftritt in Ordnung gingen, haperte es bei den Lieferzeiten (zwei bis vier Wochen) und beim Kundenkontakt. Testsieger wurde Limango vor Mysportsbrands und der Zalando Lounge. Schlusslicht war Paul Direkt.

Kritischer zeigt sich die Stiftung Warentest, die im aktuellen Juli-Heft sechs Shopping-Clubs getestet hat – keine davon erhielt ein „gut“. Paul Direkt (Note: 3,1) platziert sich vor Zalando Lounge (3,3), Brands4friends (3,4), BuyVIP (3,5), Limango (3,5) und Vente Privée (4,2). Letzterer bekommt angekreidet, dass er bei Rücksendungen mit einem Warenwert von unter 40 Euro eine Kostenpauschale von 5 Euro kassiert, plus weitere 5 Euro für Bearbeitung und Versand. Auch bei den Zahlungsmöglichkeiten (nur PayPal und Kreditkarte) überzeugt Vente Privée nicht.

Die Anforderungen steigen

Der Reiz des Neuen ist verflogen, mit dem Preis allein kann sich im harten Wettbewerb kein Neuling mehr etablieren. Dennoch drängen nach wie vor neue Startups auf den Markt. Sie setzen auf individuellere Nischenangebote, schönes Design und Curated Shopping, um die Resterampenatmosphäre, die vielen Clubs mittlerweile zu schaffen macht, zu vermeiden. Es gibt aber auch noch viele Produktkategorien, die ausbaubar sind: „Reisen ist ein wachsender Markt, Tickets ebenso“, sagt Vente-Privée-Gründer Jacques-Antoine Granjon.

Fab.de Design
Viele neue Akzente setzt Fab. Die Plattform für Design-Artikel startete im Juli 2011 in den USA und brachte es innerhalb von nur sechs Monaten auf über 2 Millionen Mitglieder. Im Februar 2012 übernahm Fab den deutschen Club Casacanda („der schnellste Exit eines Startups in den letzten Jahren“), der seitdem unter Fab.de firmiert.

Der Erfolg ruft natürlich Kopisten auf den Plan. So wollte Westwing mit Hilfe von Rocket Internet unter der Marke Bamarang ein Konkurrenzprojekt starten. Bamarang scheiterte jedoch. Nun soll der Möbel-Shoppingclub Westwing weiter gepusht werden. 

Experten gehen davon aus, dass sich das Wachstum der Shopping-Clubs abschwächen wird – zumindest im Bereich Mode. Dies zeigt die Studie „Online Retail 2012“ der „Textilwirtschaft“. Danach geben zwar 21 Prozent der Modefirmen an, ihre Zusammenarbeit mit Shopping-Clubs ausbauen zu wollen, 15 Prozent wollen sie aber auch zurückfahren. Insgesamt stehen die Zeichen aber noch positiv. 38 Prozent der Hersteller arbeiten mit Shopping-Clubs, die Zahl soll sich in den nächsten zwei Jahren auf 56 Prozent erhöhen.

Das mobile Geschäft wird wichtiger

Wer im künftigen Markt bestehen will, muss auch die mobile Präsenz optimieren. Fab hat ermittelt, dass bereits 40 Prozent der Nutzer von mobilen Geräten auf das Angebot zugreifen. Die mobilen Nutzer sind zudem die Interessanteren, weil sie schneller zugreifen und mehr Geld ausgeben. Ventee Privée bestätigt den Trend: In Deutschland laufen schon 18 Prozent des Umsatzes über mobile Applikationen - erstaunlich, dass so viele Leute Lust haben, auf einem kleinen Display Kaufentscheidungen zu treffen (aber ach ja, das iPad gehört ja auch dazu).


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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Erstellt 9. Juli 2012 16:51 | Permanent-Link

    Richtig erkannt.. wenn man in Zukunft noch etwas reißen will, muss man mehr bieten als "Schnäppchen billig".. ich hatte das ganze vor kurzem erst thematisiert: http://mode-und-schuhe.blogspot.de/2012/06/quo-vadis-shoppingclubs.html

  2. Erstellt 26. Juli 2012 15:47 | Permanent-Link

    Wenn man mal in einem Shopping-Club eingekauft hat, merkt man, dass Mobile hier am nützlichsten ist, im Vergleich zu allen andere E-Commerce-Konzepten. Naja, Live-Shopping vielleicht auch noch. Denn hier geht es um zeitlich begrenzte Aktionen, und wer zu spät kommt, der hat die besten Angebote verpasst. Man muss also im Shop sein, wenn die Aktion startet ... und das geht am ehesten mit dem Handy.

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