Wie Shops und Medien zusammenwachsen - auch bei Facebook

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 27. April 2012 |

ELLE shop
Al Bundy, der verschnarchte Schuhverkäufer aus der Kult-Sitcom "Eine schrecklich nette Familie" wäre heute vermutlich Journalist. Auch. Zusätzlich.

Denn wer heute seine Waren verkaufen will, der setzt gerade als Online-Anbieter auf lesenswerte Inhalte auf der Website, die dann möglichst noch Richtung Print und Tablet verlängert werden.  Den Umkehrschluss lernen gerade die Verlage und pimpen ihre redaktionellen Angeboten zunehmend mit digitalen Ladenzeilen auf. 

Es ist noch nicht allzu lange her, da hat hierzulande Zalando ein gedrucktes Kundenmagazin aufgelegt und bald darauf Online nachgelegt.  Das Magazin, im März auf eine Auflage auf 1,5 Millione Exemplare erhöht, macht die Breite des Sortiments erlebbar.  

zalando magazin
Online stehen "News & Styles"  im Fokus. Inhalte, die auch in Sachen SEO das Angebot aufhübschen können. Inzwischen ist das Magazin auch als App erhältlich.  Zalando  folgt damit schlicht der notwendigen Maxime, für den Kunden an jeder Stelle der Customer Journey einen Anküpfungspunkt zu bieten.  

Kein Einzelfall: Mirapodo.de druckte schon 2010 den Titel "All about shoes" und betreibt immer noch ein optisch liebloses Blog.

Online-Modehändler  Conley's startete sein Magazin Mitte 2011 mit einer Druckauflage von 400.000 Exemplaren. Empfänger waren die Nutzer der Kataloge. Inzwischen gibt es das Magazin auch am Kiosk und wird von einem visuell ansprechenden Blog begleitet. 

Conley’s Magazin

Mit etablierten Modetiteln sollen solche Titel nicht konkurrieren - obwohl sie angesichts der ehrgeizigen Auflagenhöhe und der professionellen Aufmachung genau das tun. Mit ihnen, erst recht als aufwändig gestaltete Magazin-App, könnte sogar der verwunschen Katalog wieder eine Renaissance erleben. Als Lifestyle-Magazin mit Bestelloptionen.  

Die Verlage begnügen sich unterdessen immer seltener damit, mit ihren hauseigenen Corporate-Pubishng-Abteilungen Verkaufshilfe in Form von Content für die Händler zu produzieren. Sie drehen den Spieß um.

Vorsichtig noch, denn Redaktion und Shopping sollen nicht zu stark vermischt werden. "Wir schreiben nicht für den Shop, sondern der Shop liefert den passenden Style zu unseren Inhalten", erklärte  jüngst Manfred Hart, Chefredakteur Stylebook dem Branchendienst Meedia. Bild-Digital lancierte das Fashion- und People-Portal Stylebook im Sommer 2011. Der Traffic ist inzwischen mehr als ordentlich.

Fashion STYLEBOOK.de
Achtung Händler:  Mit der Rubrik "Get the Look  zeigt man den Leserinnen gleich, wie sie ein ausgewähltes Promi-Outfit nachkaufen können. 

choice STYLEBOOK.de
Obendrein ist unter "Editors choice", also quasi mit redaktioneller Empfehlung, ein breit sortierter Shop installiert.  Die entsprechende Angebote von Stylebook  führen dann in die Webshops beteiligter Händler.  

Noch weniger Berührungsängste hat "Season". Dort heißt es gleich ganz unumwunden "Der Shop zum Heft".

Da geht noch mehr. Elle, Shop-Einbindung ist auf der US-Website schon lange Standard und in Deutschland mit dem Stylefinder von edelight seit Jahren geübte Praxis,  bietet seit wenigen Tagen via Facebook einen Link zu Online-Händlern mit ausgewählten Produkten. Über die App  “Trend Report”  landet der Nutzer  bei den Produkten und wird dann in externe Shops weitergeleitet. Die Techik kommt von 8thBridge.

Wer nicht einkaufen will, der kann auch einen der modifizierten Like-Buttons der neuen Open-Graph-Generation von Facebook klicken, die mit  Textoptionen wie "Love", "Want" , " Own" im Corporate Design zusätzliche Interaktivität ermöglichen.

ELLE facebook

4 Aspekte werden aus meiner Sicht die weitere Verschränkung von Medien und Vertrieb erheblich beeinflussen:

A) Marken mit gutem Content werden im Vorteil sein, weil das Informationsbedürfnis der Kunden wächst.  

B) Wer, wie die Verlagen schon guten Content hat, muss sich vor der Verkaufe nicht zieren. Der Kunde erwartet einen bequemen Zugang zu den Produkten. Er will Nutzwert. Überall. 

C) Der Kunde denkt nicht in Kanälen. Er erwartet Kaufoptionen an allen Stellen, an denen er mit einem Produkt in Berührung kommt. 

D) Die Verbreitung von Produkten per Weiterempfehlung in sozialen Medien fällt im Kontext und garniert mit zusätzlichen Informationen leichter.   

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