Zalando: "Solide finanziert" Richtung Umsatzmilliarde

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 13. Juni 2012 |

zalando virus

Nicht nachhaltig, nicht wirtschaftlich, nur am Exit orientiert, das sind die gerne kolportierten Klischees zu Zalando. Seit einiger Zeit stört sich das Zalando-Management zunehmend an der schlechten Presse und geht in Sachen PR in die Offensive.

Speziell in der Wirtschaftspresse erlauben die Samwer-Brüder und das Zalando-Management  zunehmend eine Blick in die Blackbox Zalando - mit ermutigenden Zahlen im Gepäck.  

In der Wirtschaftswoche haben die  Zalando-Geschäftsführer Robert Gentz, David Schneider und Rubin Ritter nun einmal mehr das Ziel der Umsatzmilliarde bekräftigt.  Die 400-Millionen-Umsatz-Marke sei jedenfalls geknackt, schreibt das Blatt. 

Das ist nicht weiter überraschend. Im ersten Halbjahr 2011 hat Zalando, so die offiziellen Zahlen, einen Netto-Umsatz von 200 Millionen Euro erreicht. 

Für weitere Umsatzzuwächse sorgt allein schon die weitere Expansion, wenn nach Belgien und Schweden demnächst der polnische Markt angepackt wird. 

Im Interview mit WirtschaftsWoche Online  peilen die drei Geschäftsführer, Robert Gentz, David Schneider und Rubin Ritter die Umsatzmilliarde an, schränken aber auch ein: "Wir arbeiten daran, aber man muss sehen, wo wir am Ende des Jahres herauskommen."   
Wichtig ist es dem Management, endlich einmal mit dem Vorwurf des Vodoo-Wachstums aufzuräumen. Ritter: "Wir sind auf jeden Fall solide finanziert und wir haben Gesellschafter, die unsere Investitionen in weiteres Wachstum stemmen können und dazu auch bereit sind." Das ist auch nötig. Für das weitere Wachstum braucht es schließlich ständig neue Kapitalspritzen.   

Auch den Vorwurf, der Erfolg sein vor allem ein Ergebnis massiver TV-Werbung, wollen sie nicht auf sich sitzen lassen. "Fakt ist, dass der deutlich überwiegende Teil der Marketingausgaben im Bereich Online liegt und das TV-Marketing in jedem unserer Märkte nur einen kleinen Teil des Marketing-Mixes darstellt", sagt Gentz. 

Fakt ist aber auch, dass Zalando laut Nielsen 2011 rund 90 Millionen Euro in TV-Werbung steckte. Brutto. Ein Wert der sich aber durch den Media-for-Equity-Deal mit der ProSiebenSat.1 Group weiter relativiert.

Was das Unternehmen real zahlt, ist schwer zu kalkulieren. Denn die Vermarktungstochter Seven Ventures lässt sich die Werbezeiten der Sendergruppe gleich auf drei Arten entlohnen: Die Partnerunternehmen zahlen in jedem Fall eine Minimum-Garantiesumme. Dazu kommt eine Equity-Komponente, die nur im Fall eines Börsengangs fällig wird, und eine Umsatzbeteiligung am Unternehmenserfolg, die langfristig angelegt ist.

Seven Ventures beziffert derzeit mit insgesamt 20 Werbekunden seinen Jahresumsatz auf 40 Millionen Euro.  Zalandos kurzfristiger Einspareffekt im Vergleich zum regulären Listenpreis des Vermarkters liegt daher wahrscheinlich deutlich über 75 Prozent.

zalando magazin
Einen wichtige Hilfe ist TV-Werbung und das Programmsponsoring indes dennoch - zumindest in Sachen Markenbekanntheit.  

In der Tat hat Zalando auch die Online-Werbung deutlich ausgebaut. Den Media-Etat im Web beziffert Nielsen für 2011 mit 42 Millionen Euro. (2010: 15 Millionen) Zalando ist auch mit eigenen Medien immer präsenter. Das„Zalando-Magazin“ hat eine Auflage von 1,5 Millionen Exemplaren.

Gewinn, denn muss man jedoch noch nicht zwingend erwarten.  Gewinnziele fixiere man nicht, heißt es in dem Interview. Stattdessen investiere Zalando, siehe auch die millionenschwere Erweiterung des Logistikzentrum in Erfurt, in Wachstum. 

Ein späterer Börsengang sei aber nicht ausgeschlossen, Aber nicht jetzt, nicht demnächst. Derartige Entscheidungen werden man vielleicht in 2-3 Jahren treffen. Aber vielleicht macht Amazon ja vorher noch ein gutes Angebot.


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Thema: E-Commerce

Schlagworte: Zalando

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