Zalando häuft 20 Millionen Euro Verlust an / Umsatz explodiert

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 16. Februar 2012 | 7 Kommentare Kommentieren

zalando tv
Zalando: Viel verpulvert, viel erreicht

Mit einem satten dreistelligen Millionenbetrag ist die schwedische Beteiligungsgesellschaft Kinnevik inzwischen bei Rocket Internet beteiligt. In ihrem Investment-Report bildet neben Groupon das Samwer-Portfolio denn auch einen Schwerpunkt und liefert auch zu Zalando valide Zahlen(pdf).

Im ersten Halbjahr 2011 hat Zalando demnach einen Netto-Umsatz von 200 Millionen Euro erreicht, gegenüber einem Gesamtjahresumsatz in 2010 von 159 Millionen Euro ist er damit regelrecht explodiert. Operativ schreibt Zalando aber weiter Verluste. Grund, schreibt Kinnevik, seien das starke Wachstum und die Expansion. Das klingt nicht gut. Der soeben veröffentlichte Jahresabschluss von Zalando zum Geschäftsjahr 2010 im E-Bundesanzeiger lässt nichts Gutes ahnen. Denn auch die Verluste explodieren.

Dort gibt Zalando einen Jahresfehlbetrag von 20,3 Millionen Euro an. Für 2009 standen da noch 1,6 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten gibt Zalando nun für 2010 mit 51 Millionen Euro an. 2009: 1,9 Millionen Euro. Das Umlaufvermögen stieg von 24 Millionen Euro in 2009 auf rund 101 Millionen Euro in 2010.

Zalando selbst hatte zuletzt die Zahl von 100 Millionen Euro Umsatz kolportiert. Dabei dürfte es sich demnach um Brutto-Umsätze handeln.

Hohe Retourenkosten

Ein gutes Signal für einen Börsengang, über den nach einem Einstieg des Investors DST Global spekuliert wurde, sind die Zahlen jedenfalls nicht. Außer vielleicht für Gesellschafter wie Holtzbrinck Ventures und Tengelmann Ventures. Womöglich neigt man gerade bei Holtzbrinck Ventures nach dem Debakel mit den VZ-Netzwerken inzwischen eher zu einem Kassensturz.

Man sollte aber nicht unterschätzen, dass gerade im E-Commerce oftmals erst dann langfristig das Geld LKW-weise ins Haus kommt, wenn man es vorher säckeweise aus dem Fenster geworfen hat. Und da hat Zalando mit einer Retourenquote, die Schätzungen zufolge durchaus 70 Prozent erreichen könnte, einen unangenehmen Brocken in der Bilanz. Der zweite Teil des Slogans „Schrei vor Glück … oder schick’s zurück“ wird ja inzwischen nicht mehr erwähnt.

Zalando dampft Werbeausgaben ein 

Ein weiterer dicker Posten: das gewaltige Marketingbudget:  Die monatlichen Bruttowerbespendings lagen 2011 monatlich regelmäßig im zweistelligen Millionenbereich. Die tatsächlichen Kosten insbesondere für TV-Werbung dürften angesichts des Media-for-Revenue-Share-Programms, im Zusammenspiel mit ProSiebenSat.1, niedriger liegen, knabbern aber dennoch an der Bilanz. Auffällig: Wie schon Groupon hat aktuell auch Zalando seine Marketinginvestitionen gerade massiv zurückgeschraubt. Minus: 50 Prozent im Januar. Gerade einmal 5 Millionen waren es laut Nielsen. 

Entscheidende Fragen: Rechnen sich diese Kosten der Kundengewinnung mit Blick auf den Customer Lifetime Value oder vielleicht doch eher mit Blick auf den Exit?

 

kolbrueck-krimi

Die Marke hat noch Wachstumsideen

Was gegen den Exit spricht: Zalando ist schon jetzt die Marke für Online-Mode. Sie kann noch größer werden. Ein Börsengang zu einem späteren Zeitpunkt könnte als weitaus lukrativer sein. Die internationale Expansion rollt gerade erst richtig an. Da geht noch was. Obendrein entwickelt sich die Marke prächtig weiter: Beispielsweise mit Pop-up-Store-Aktionen in der Weinmeister Straße in Berlin-Mitte und der eigenen Zalando Collection. Warum also sollten die Samwers jetzt den Exit Richtung Börse wagen, wenn sie noch Zeit genug haben, Zalando noch viel, viel größer zu machen.

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. hans
    Erstellt 16. Februar 2012 14:48 | Permanent-Link

    „Schrei vor Glück … oder schick’s zurück“

    War damals der USP - seitdem sind haben alle großen Player nachgezogen und bieten das gleiche an. Wenn der Slogan nichts besonderes aussagt, dann braucht man ihn auch nicht mehr!

  2. astrid
    Erstellt 16. Februar 2012 15:19 | Permanent-Link

    51 Mio. Verbindlichkeiten? Kein Wunder, dass die mehr als 4 Wochen brauchen um überhaupt mal meine Kontodaten für eine Rückerstattung anzufordern. Nachricht, wenn die Rücksendung eingetroffen ist? Fehlanzeige. Antwort auf Anfrage wie der Status ist und wo das Geld bleibt von service@zalando.de? Fehlanzeige.

    Bei so einem Kundenservice verzichte ich gern auf eine zweite Bestellung. Zalando sollte mehr Augenmerk darauf lenken, dass teuer eingekaufte Kunden nicht nur einmal bestellen. Man kann nicht vorne Marketingbudget à gogo investieren und hinten die gerade gewonnenen Kunden wieder so vertreiben.

  3. Olaf Kolbrück
    Erstellt 16. Februar 2012 15:24 | Permanent-Link

    Ja,der Service. gerade über Fab.com gelesen. Das Service vom Feinsten für die eines der wichtigsten Kriterien ist. Kennen wir das nicht von Zappos? Übrigens: "Marketingbudget à gogo" schöner Begriff. Den leih ich mir bei Gelegenheit mal aus. :-)

  4. holyowly
    Erstellt 28. Februar 2012 08:33 | Permanent-Link

    War ja von Anfang an klar.
    Zalando ist wie MediaMarkt, eine Firma die niemals Gewinne erwirtschaftet, aber dafür alle kleinen Händler, die nicht die gleichen Konditionen bieten können, kaputt macht.
    Ich gönne Ihnen ihre Rücksendequote von Herzen. Kann mich jeden Tag daran erfreuen, dass sich in unserer Postfiliale die Rücksendepakete von Zalando stapeln. Jetzt, da ich die genauen Zahlen kenne, freu ich mich sogar noch ein wenig mehr.

  5. Erstellt 28. Februar 2012 10:45 | Permanent-Link

    Zalando ist wie Media Markt ausgerichtet alle kleinen Händler zu zerstören und gehört in das selbe Boot wie Amazon. Nur sehe ich in den nächsten Jahren schwarz für die kleinen stationären Händler. Die wird es wie damals die Tante Emma Läden nicht mehr geben. Der Kunde ist durch Zalando einfach nur unverschämt geworden. Hin und Rückversand umsonst. 365Tage Rückgabe und das Geld soll schon auf dem Konto sein wenn das Paket zur Retoure angemeldet wird. Service kostet Geld genau wie Musik die ja auch von vielen umsonst konsumiert wird. Kleinstädte bis 200.000 Einwohner werden nur noch von Ketten, Monolabel Stores und Handyläden und Discount Bäckern bevölkert.

  6. choo-choo-lade
    Erstellt 8. Mai 2012 10:16 | Permanent-Link

    Mich wundert eines... welshalb wundert sich ein Unternehmen, welches mit : "oder... schick es zurück" wirbt, dass die Retourenquoten zu hoch sind? Was mich aber noch mehr wundert ist, weshalb wundert man sich über Retourenquoten, wenn man so oft mangelbehaftete Ware verschickt?
    Und ist es nicht so, dass jeder seinen Preis auch bei kostenlosen Versand so kalkuliert, dass die Versandkosten im Preis schon inbegriffen sind?
    Mal ganz ehrlich, der Einzelhändler um die Ecke ist kein Stück teuerer, sondern oft noch günstiger...
    Ein gutes hats, die Katze beisst sich auf Dauer selbst in den Schwanz, und der Kunde lernt den Einzelhandel hoffentlich wieder mehr zu schätzen, und die, die eigentlich die Leidtragenden sind (Einzelhändler) können auf Dauer, wenn sie den durchhalten, hoffentlich aufatmen....

    Ich habe unendlich gerne bei dem Onlineversand bestellt. Aber wenn ich mich daran erinnere wie der Service vor 2 Jahren war, und wie er sich gewandelt hat, dann investiere ich lieber 10 Euro Sprit und Parkgeld und fahre in die nächste Großstadt...

    Meinen Postboten freut´s auch, der schleppt sich nicht mit Paketen ab, muss sich nicht ausziehen ;) und mich freuts um so mehr, ich spare mir 30 min auf der Post bei der Retoure, und bekomme weder Strom noch neues Bankkonto angepriesen.

    Als Kunde sollte einem schon das Recht eingeräumt werden können eine Auswahlbestellung tätigen zu können. Ein Recht auf Service hat man auch... Schließlich geht man nicht in einen Jeansladen und probiert eine Hose in einer Größe an. Man müsste hellsehen können, um zu wissen, ob sie passt und wie sie sitzt.
    Bei Internetbestellungen heisst das eben zwangsläufig Retoure. Im Geschäft zurückhängen, andere Jeans anprobieren, und gegenüber dem Internet auch noch Geld sparen!
    Wer behauptet, das Internet wäre günstiger, der schaut nicht richtig, und ist zu bequem zum Suchen.

    Die Rennerrei mit Paketen kostet dauerhaft mehr Geld und Zeit wie ein gut sortiertes Einkaufszentrum.
    Den Spaßfaktor mit dem Paketboten, der sich nicht ausziehen will, und bei der Rückgabe des Paketes stelle ich mal ganz in Frage... ;o)

  7. Erstellt 10. Juni 2012 16:32 | Permanent-Link

    Es bleibt im Webshop Business das Problem Nr. 1; Retouren, Retouren, Retouren sind die große Herausforderung und der Genickbrecher aller Textilhändler im Web. Guter Rat ist hier mehr als nur teuer, im wahrsten Sinne des Wortes.

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