8 Tipps für bessere Texte: Wie Apple im Web Kunden umgarnt

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 11. Juli 2013 |

apple tipps
Apple. Das ist schönes Design, gute Bedienbarkeit - aber online auch eine nahezu perfekte Art der Kundensprache, die sich in barer Münze auszahlt.

Technik wird nämlich auf der Website in flauschige Sprache übersetzt. Leicht verständlich. Aber zugleich sind es optimale Werbetexte.

Davon können sich alle Online-Händler etwas abgucken.

8 Tipps, wie Sie mit Content ala Apple den Kunden umgarnen:

1. Denken Sie in Schlagzeilen

Verdichten, verdichten, verdichten und die schönsten Sätze drechseln, um mit klaren Worten den eigenen Vorteil zum Nonplusultra zu machen.  Das kann Apple.  Wie? Worte schaffen Welten. Die Schlagzeile muss punkten. Sofort. "Das Größte, was dem iPhone passieren konnte." Das macht gleich den Anspruch klar und fokussiert sich auf einen Punkt. Mehr nicht. Aber der muss sitzen. Das gute an Schlagzeilen ist auch: Sie schaffen Übersicht.

Apple – iPhone 5

2. Texten Sie sparsam

In der  "Bild" dürfte kaum ein Satz länger als 12 Worte sein. 9 Worte sind laut Presseagentur dpa die Obergrenze der optimalen Verständlichkeit. Machen Sie es also kurz. Gerade am Anfang.

Sparen Sie sich Sätze mit Kommas für spätere Erklär-Texte auf, die Kunden lesen wollen, wenn diese ihre letzten Reste an kognitiver Dissonanz beseitigen wollen. Und hören sie nicht auf ihren Deutschlehrer, der immer Sätze mit Subjekt, Prädikat, Objekt forderte. Das klingt bei Apple dann so:  "LED-Display mit Hintergrundbeleuchtung. Und perfekter Größe." Kein Satz für den Deutschaufsatz. Kein Verb. Da würde das Punktzeichen rot angestrichen. Aber es ist ein Satz für eine gute und schnelle Argumentation. 

3. Kümmern Sie sich nicht um Interpunktion

Den Verzicht auf das Komma liebt Apple. Der Verzicht auf Hauptsatz, Nebensatz signalisiert: Hier ist jeder Satz bedeutend."Wir sind an die Grenzen gegangen. Um sie zu erweitern". Ihre Hausaufgabe: Finde den Fehler. Diskutiere das Prinzip.  Geh Studienräten aus dem Weg. Künftig.

4. Schaffen Sie Aktivität

Beschreiben Sie nicht was ihr Produkt, oder der Service alles kann. Geben  Sie dem Kunden das Gefühl, er könne es bereits tun. Formulieren Sie also aktiv und auffordernd. Beim Ipad-Mini klingt das dann so: "Sag, winke und lächle hallo mit FaceTime Videotelefonaten." oder "Nimm HD Videos in Full 1080p auf."

5. Zeigen Sie was

Bilder, je größer desto besser, verlangt heute der Kunde. Bei Apple sind sie riesig. Das hat einen weiteren Vorteil: Mehr Übersicht. Aber vergessen Sie für eine stimmungsvolle Kommunikation die Videos nicht. Sie befriedigen die Neugier, die ihre kurzen Sätze erzeugt haben. Und lassen Sie dort auch Menschen sprechen. Das schafft Glaubwürdigkeit.

Apple – iPad

6. Beeindrucken Sie

Das weiß jede Marke, manche Selbstverständlichkeit ist auch ein Verkaufsargument: "100 Prozent aus Sowieso", wenn sowieso alle Produkte aus "sowieso" sind. "Ohne Fett" - wenn das eigentlich bei dem Artikel völlig normal ist, oder "Fantastilliarden Terraflops", die sowieso nur Insider verstehen. Macht alles nichts, klingt aber gut. Klingt nach Mehrwert - und macht Kunden glücklicher. Das hilft Apple den eigentlichen Mehrwert zu transportieren, denn man da mit kauft: Das Gefühl ein glücklicherer, coolerer Mensch zu sein. Oder befriedigt Sie die "Plasma-Deposition" beim iMac etwa nicht, bei der das Glas "mit Siliziumdioxid und Niobiumpentoxid beschichtet" ist?

7. Erzählen Sie Geschichten

Zugegeben: Nicht jeden Kunden fangen Sie im Telegramm-Stil ein. Daher erzählen Sie zur Abwechslung auch mal gute Geschichten zu Produkten, Techniken oder Inhaltstoffen. Wenn Apple erzählt, dass das Gehäuse beim iMac mit "Rührreibschweißen" entsteht, das "gewöhnlich bei Flugzeugtragflächen, Raketentreibstofftanks und anderen Teilen verwendet" wird, hat der Kunden schnell ein Bild vor Augen. Geschichten mit deutlichen Bildern bleiben zudem besser im Gedächtnis haften. Das ist gut für die Mundpropaganda.  Als Abwandlung dazu können Sie auch Analogien benutzen, um Qualität zu verdeutlichen: "Das iPhone5 ist mit einer Präzision gemacht, die man von einer Schweizer Uhr erwarten würde".

8. Schauen Sie sich noch mehr ab

Natürlich arbietet Apple auch noch mit jede Menge anderer Kniffe: Die Marke nutzt Vergleiche zu Vorgängermodellen, macht sich in Formulierungen die Probleme der Nutzer zu eigen, zeigt so Verständnis und arbeitet bis an die Schmerzgrenze mit Superlativen und Adjektiven. Und mit Wiederholungen. Das Gedächtnis des Kunden ist kurz. Und wenn etwas neu ist, dann sagt Apple das. Oft. 


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Thema: Marketing

Schlagworte: Tipps

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