Der Tag, an dem ich mich in die Telekom verliebte

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 4. August 2015 |

Liebe ist vielleicht ein etwas hochgegriffenes Wort. Aber die Telekom hat mich berührt. Und das via Social Media. Jetzt werde ich mit Internet und Sack und Pack von UnityMedia zur Telekom wechseln. Wie das kam und warum das ein Lehrbeispiel für Vertrieb und Kundenservice via Twitter ist? Noch dazu eines fürs Herz? Ich erkläre es Ihnen gerne. Den Beamten von UnityMedia sogar kostenlos.  

Der Tag, an dem ich mich in die Telekom verliebte
Ich und UnityMedia - Symbolbild

 

Es war ein Donnerstagabend. Das Freizeitprogramm lautete Internet und irgendwann so ab 20 Uhr machte das Internet wieder das, was es gut kann – es machte Zicken. Natürlich nicht zum ersten Mal in diesem Monat. Die Leitungen, die Hitze, der Sommer, man kennt das ja von der Bahn.  Und natürlich geht immer dann nichts, wenn der Film bei Amazon, Netflix, iTunes  gerade an  der spannendsten Stelle ist. Das ist so ähnlich wie bei der Bahn mit den Verspätungen und den  Anschlusszügen.  

Aber immerhin hat ich kurz vorher noch eine Achtsamkeits-App heruntergeladen und war trotz des Ärgers ziemlich tiefenentspannt – jedenfalls für meine Verhältnisse.  Kein Grund also, allzu sauer zu sein – auf das Web, auf die Welt oder den Provider UnityMedia.

Aber ein bisschen Stänkern, es war inzwischen 20.53 Uhr und selbst SpOn tröpfelte nur ins Laptop , das musste schon sein.

Kenner werden an dem Tweet erkennen, dass ich gleich zwei Hebel zur direkten Ansprache von UnityMedia gewäht habe.

  1. Das @Unitymedia
  2. Der Hashtag #unitymedia

Schließlich denkt man mit und will es dem gnädigen Unternehmen gerne ein wenig leichter machen, seinen Kunden zuzuhören. 

Es meldete sich dann aber noch am gleichen Abend, knapp eine Stunde später (21:58 Uhr) – die Telekom. Dabei hatte ich gar nicht das Gespräch mit denen gesucht (Siehe: kein @, kein Hashtag) und das Unternehmen nur erwähnt, um eine Prise Zynismus in den Beitrag zu streuen – so von wegen Skylla und Charybdis.

Trotzdem schaltete sich "Telekom hilft"  mit einem überaus höflichen Tweet ein.  Ganz ohne Anranzen, geschickt den ironischen Tonfall  meines Tweet  aufgreifend, in dem die Telekom die eigene Aussage redundant  überhöht: „bei uns ist das voll schön - also richtig schön.“

Der Tag, an dem ich mich in die Telekom verliebte

Das hat beinahe schon literarische Qualität, erinnert von Ferne an das „Zu und zu schön“ in Tadellöser & Wolff" von Walter Kempowski.

Sehr schön dann dazu das Smiley, dieses „Peace“-Zeichen der digitalen Welt, das dem Satz „Nur zur Info“ galant und elegant einen Subtext (hier: Kauf mich) hinzufügt. Die finale Grußformel bindet den kurzen Zwischenruf höflich ab.

Ich fand diese knapp 140 Zeichen sehr herzig. Seitdem habe ich die Telekom in mein Herz geschlossen und ich weiß , wandere ich auch in der finstersten Warteschleife, "Telekom hilft" ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Natürlich hat sich auch UnityMedia gemeldet. Nein, nicht am nächsten Tag. Erst am Vormittag des 1. August. Zwei Tage brauchte es für den Satz aus der Handbuch-Hölle, der den Service auch gleich erstmal an eine andere Twitter-Baustelle wegverwaltet:

Der Tag, an dem ich mich in die Telekom verliebte

Und so ein Tweet sagt eigentlich alles über den Apparat UnityMedia.

Jetzt habe ich die Telekom sogar noch ein bisschen mehr lieb.


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