Facebook Graph Search: Das Leben der Anderen

Von Frank Puscher | 4. Juli 2013 |

Facebook Graph Search: Das Leben der Anderen
Auf den ersten Blick wirkt die neue Facebook-Suche harmlos
„Menschen, die den Film "The Fast and The Furious" gemocht haben, fanden auch gefallen an "Transformers"“. So steht es seit Jahren bei Amazon zu lesen und die Daten entstammen der Bestellhistorie des Versandriesen. Das Gleiche kann bald auch Facebook. Und zwar nicht nur mit Bestelldaten, sondern mit praktisch jeder Online-Willensäußerung seiner Nutzerschaft. Jeder Like wird zum durchsuchbaren Statement. Jede zufällige Verbindung zweier Interessen zur potentiellen Korrelation. In wenigen Wochen endet in den USA die Betaphase für Facebook Graph Search. Was bringt die neue Facebook-Suche für E-Commerce und Marketing?

10 Thesen zum Potential von Facebook Graph Search (FGS)

 1.      Lokale Geschäfte profitieren zuerst

Die naheliegenden Suchen für die User sind Restaurants, Kinofilme oder touristische Sehenswürdigkeiten, die sie gemocht haben. Und statt alle Nutzer zu befragen, befragt man eben nur die, die mit einem anderen „Like“ bewiesen haben, dass ihr Geschmack relevant ist.

2.      Facebook Profile Optimization (FPO) wird das neue SEO

Unternehmen sollten schleunigst ihre FB-Profile prüfen. Die Basisdaten müssen stimmen, aber auch jedes Bild und jeder Post wollen getagt werden. Für bestimmte Themen könnten man eigene Profile einrichten, die vor allem aussagekärftige Titel enthalten, damit sie gut gefunden werden.

3.      Bing wird enormen Aufschwung nehmen

Suchen, die in Facebook kein Ergebnis bringen werden an Bing übergeben. Dort erscheint in den Suchergebnissen die Anzahl der Likes. Bing-SEO wird sich an den Suchanfragen und Keywords orientieren, die von Facebook nicht beantwortet werden.

4.      Die Like- und Fan-Zahlen erhalten Aufschwung

FGS stellt auch Kontakt zu so genannten Schläfern her, die eine Seite einmal geliked, dann aber nie mehr damit interagiert haben. Aus deren Stream sind die Potings des Unternehmens ja längst verschwunden.

5.      FGS findet Influencer

„Menschen, die meine Seite geliked haben, haben auch …“ lautet die Kernfrage auf der Suche nach Menschen mit sozialer Reichweite. Durch gutes Monitoring lassen sich wunderbar Testimonials für die eigenen Produkte finden.

6.      FGS ermöglicht Kommunikation zur ganz kleinen Zielgruppen

Die Granularität in der Kommunikation steigt und zwar nicht nur nach demographischen Merkmalen sondern nach spezifischen Interessen. Über die Facebook-ID wird sogar der Individualdialog (z.B. persönliche Ansprache in der Anzeige) möglich, wenn es sich lohnt.

Facebook Graph Search: Das Leben der Anderen
Durch die Ausdifferenzierung des Suchergebnisses über die recht Spalte, lassen sich sehr genaue Zielgruppensegmente adressieren


7.      Search Ads werden ein starkes Tool

Man muss kein Prophet sein, um die ökonomische Kraft für die Werbebranche zu erkennen. Interessant: Durch TypeAhead wird es sogar möglich auf unvollständige Suchsätze zu bieten und so noch schneller dem Nutzer zu begegnen.

8.       Die Unternehmen werden noch mehr Social Signals einfordern

Nicht nur für Bing, natürlich auch für Google sind die Social Signals inzwischen die wichtigsten Ranking-Parameter. Für die FGS sind kleinste Interaktionen mit einer Marke bereits spannend

9.      FGS verstärkt den vom Authorrank gestarteten Expertenkult

Wer der Idee des Content-Marketing folgt, könnte neben dem Firmen- und dem Markenprofil auch mehrere persönliche Expertenprofile pflegen und echte Mitarbeiter dahinter platzieren. Aber Vorsicht: Wenn die den Arbeitgeber wechseln ist die Prominenz futsch.

10.   Der deutsche Datenschutz wird Sturm laufen

Wer sich auch nur fünf Minuten in die Vorlieben der eigenen Freunde gewühlt hat, der erkennt sofort: Stalking war gestern, Graph Search ist heute. Besser heute schon mal das private Profil aufräumen und die Privatsphären-Einstellungen optimieren. Graph Search findet nur als „öffentlich“ gekennzeichnete Likes und Shares.

Lesen Sie dazu in Kürze auch: Das Interview mit Heiko Eckert, Head of Online Marketing bei mytheresa.com, über die Macht der Graph Search.

Über den Autor:

puscher
Frank Puscher schreibt künftig regelmäßig für etailment. Er arbeitet seit über 20 Jahren als Journalist in der Online-Branche. Seine Lieblingsthemen sind Usability, E-Commerce und Online-Marketing. Seit 12 Jahren arbeitet Puscher zudem als Moderator auf Online-Veranstaltungen. Außerdem berät er Unternehmen und öffentliche Institutionen im Umgang mit Online-Markeitng und Social Media. Puscher ist diplomierter Volkswirt, herzblütiger Schwabe und Spezialist für Gutschein-Themen. Er gibt mit seinem Verlag Spielfigur ein Golf-Gutscheinbuch für die Metropolregion Hamburg heraus. Frank Puscher im Web: www.puscher.de, www.spielfigur.de


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Thema: Marketing

Schlagworte: Facebook, Graph Search

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