Adobe Marketing Cloud: Für wen lohnt sich das große Orchester?

Von Stephan Lamprecht | 10. August 2015 |

Ein Softwarehersteller, der heute etwa auf sich hält, bietet seinen Kunden "integrierte" Lösungen für das Online-Marketing. Aber wie integriert sind die Programm-Pakete tatsächlich? In einer Serie stellen wir Ihnen die wichtigsten Online-Marketing-Suiten im Kurzporträt vor. Zum Start stellen wir die Adobe Marketing Cloud vor.
Grundsätzlich scheint es heute als Verkaufsargument eine gute Idee zu sein, seinem Produktnamen das Wörtchen Cloud hinzuzufügen. In diesem Punkt sind sich die großen Hersteller alle einig. Im Zusammenhang mit den Marketing-Clouds wird auch gern der Begriff Marketing-Suite verwendet. Er knüpft bewusst an Office-Suiten an. Das assoziiert leichten Datenaustausch und einfachste Bedienung (zumindest bei allen, die mit Word & Co nicht auf Kriegsfuß stehen). Bietet Adobe eine Suite in diesem Sinn?

In Adobe steckt noch viel Omniture drin

Den Grundstein für die Marketing Cloud legte Adobe im Jahr 2009, als das Unternehmen ankündigte, die Firma Omniture für die stolze Summe von fast 2 Mrd. Dollar übernehmen zu wollen. Zentrales Produkt von Omniture war das Analyseprogramm Site Catalyst, das bereits durch Zukäufe um einige Möglichkeiten (z.B. Behavioral Targeting) erweitert worden war.

Und die Webanalyse ist auch nach wie vor einer der zentralen Bestandteile der Adobe Marketing Cloud. Rund um diesen Baustein wurden durch Zukäufe und Übernahmen immer weitere Produkte gruppiert und durch eigene Entwicklung die Integration der verschiedenen Module zu einer Gesamtlösung vorangetrieben.

Diese Module gehören zur Adobe Marketing Cloud

Die Adobe Marketing-Cloud besteht aus diesen Elementen:

  • Analytics: Das Analysemodul, das ehemaligen Omniture-Nutzern rasch vertraut ist.
  • Campaign: Hier werden Kampagnen über alle Kanäle hinweg geplant und verwaltet. Alle relevanten Informationen (Kundendaten, Customer Journey, Transaktionsdaten, Bestellwerte, usw.) laufen in Campaign zusammen.
  • Media Optimizer: Dieses Modul verwaltet die Paid-Media- Aktionen. Display-Ads, Werbung in sozialen Netzwerken und SEM werden hier geplant und umgesetzt.
  • Experience Manager: Zu einer umfassenden Marketing-Lösung gehört auch die Möglichkeit, individualisierte Landing-Pages, E-Mail-Content und Webseiten bereitstellen zu können. Dies erledigt der Nutzer im Experience Manager, der durch den Zukauf eines CMS (Day Software) entstanden ist. Er verfügt über Schnittstellen zur Creative Cloud von Adobe. So können Agenturen oder Inhouse-Designer Inhalte direkt an das System übergeben.
  • Target: Das Ausprobieren ist immer noch eine der besten Optionen, um sich zwischen verschiedenen Varianten zu entscheiden. Target lautet der Name des Moduls, in dem sich A/B-Tests oder Multivariantentest anlegen und auswerten lassen.
  • Social: Mit Social werden alle Social Media Kanäle im Team bespielt und beobachtet. Damit bietet die Suite auch eine Antwort auf Dienste wie Hootsuite.
  • Primetime: Ist das Modul für die Personalisierung von Bewegtbildern. Die Nutzer bekommen den auf ihr Device optimierten Stream.
  • Audience Manager: Behavorial Targeting lautet das Stichwort hinter der Entwicklung vom Audience Manager. Hier segmentieren und analysieren die Anwender neue Zielgruppen. An dieser Stelle laufen zentral die Daten aus verschiedenen Quellen zusammen. 2011 übernahm Adobe den Hersteller Demdex, der für die grundlegende Architektur des Moduls verantwortlich war.


Integriert und vielseitig - die Adobe Marketing Cloud
Die Module der Marketing Cloud von Adobe.

Großes und vollständiges Orchester

Als Basis seiner Lösung bietet Adobe Schnittstellen zu unterschiedlichsten Systemen wie ERP und CRM (Salesforce, SAP, Microsoft Dynamics etc). Die Aufbereitung und Zusammenfassung der Daten erfolgt außerhalb der unmittelbaren Cloud-Lösung.

Die Zusammenstellung dieses Datentopfes inklusive der Integration der Systeme ist Bestandteil der Beratungsleistung im Rahmen der Einführung der Marketing-Cloud.

Mit seinen Modulen deckt Adobe alle anfallenden Aufgaben im modernen Online-Marketing ab:

  • Datenmanagement und Datenanalyse: Campaign und Analytics. Ergänzt um den Media-Optimizr bilden alle drei Module auch die heute notwendige Business Intelligence, um erfolgreich Rückschlüsse zu ziehen und Maßnahmen zu planen.
  • Kampagnensteuerung: Um wirklich vollständig zu sein, muss eine Suite auch das Mailmanagement übernehmen bzw. steuern können (Newsletter!) oder Ad-Server bedienen. Das ist von Adobe mit Campaign, dem Experience Manager und dem Media Optimizer umgesetzt.
  • Personalisierung: Auf den Kunden optimierte Newsletter und Werbemittel, aber auch individualisierte Shop- und Webseiten gehören heute zur Personalisierung. Im besten Fall kann das System auch gleichzeitig noch das Werbeinventar verwalten (Asset Management). Das alles bietet Adobe mit dem Experience Manager und Target.

Integriert und vielseitig - die Adobe Marketing Cloud
Adobe hat es geschafft, die Module unter einer eingängigen Oberfläche zusammenzufassen

Hoher Grad an Integration - das hat seinen Preis

Eine etwas abweichende URL hier, eine leicht andere Oberfläche dort. Nutzer, die bei der Adobe Marketing Cloud noch die Herkunft des einen oder anderen Moduls erkennen, stecken tief in der Materie oder haben die Einzellösung zuvor bereits genutzt. Denn insgesamt haben die Entwickler einen hohen Grad an Integration erreicht und eine verständliche Oberfläche gebaut (die auch optisch gefällt). Die Verknüpfung der Module ist sehr umfassend. Den Namen Suite hätte das Produkt von Adobe ohne Zweifel verdient.

So viele Möglichkeiten haben natürlich auch ihren Preis. Aber diesen einen Preis gibt es nicht. So existieren innerhalb der Cloud verschiedene Lizenz- und Abrechnungsmodelle. Und natürlich gilt auch hier, dass wer viel kauft, sich auch einen Nachlass erhoffen darf.

Gemeinsam mit Adobe überlegen potentielle Kunden, welche Module der Cloud sinnvoll sind und in welcher Reihenfolge sich die Einführung anbietet. Wer sich zu diesen potentiellen Kunden der Marketing Cloud zählen mag, sollte sich vom Anforderungsprofil und der Shopgröße eher im gehobenen Mittelstand befinden.


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