Jetzt abkupfern: Konzepte für den Handel von Heute und Trends von Morgen

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 21. Juli 2014 |

Kooperationen? Vielleicht keine schlechte Idee? Mehr Service? Doch womit? Wie machen es die Mitbewerber? Wo setzen sie neue Schwerpunkte?

etailment nennt vielversprechende Beispiele und zeigt auf, wo es sonst noch Lösungen gibt, von denen man sich inspirieren lassen sollte.

 

Kooperation

Als Lebensmittehändler einst entdeckten, dass es kein Fehler sein musste, einen Aldi als Frequenzbringer in der Nachbarschaft zu haben, mussten bei manch einem Manager erst liebgewonnen Ressentiment mit Powerpoit-Orgien beseitigt werden. Heute verlaufen die Fronten eher zwischen Online und Offline oder auch zwischen Online und Online. Auch das muss nicht sein. Argos in UK steigt mit eBay als Frequenzbringer ins Boot und dient sich als „Click & Collect“ –Station für eBay-Käufe an. Clever.  Man sollte durchaus damit rechnen, dass sich eBay auch hierzulande einen passenden Partner sucht. eBay-Chef John Donahoe hat gerade erst nochmals klar gemacht, dass er in Click & Collect eher ein Massengeschäft sieht, denn in Same-Day-Delivery.

ebay, argos
eBay kooperiert mit Argos


Onlineshop-Integration bei eBay

Für Mittelständler, aber auch große Anbieter ist eBay angesichts der Reichweite vielfach ein Muss. Seine Magnetwirkung unterstützt eBay, indem es eine optisch gelungene Shop-Integration ermöglicht. Die Folge: Man ist als Kunde bei eBay, fühlt sich aber wie im Shop des Händlers. Außer einem kleinen Logo in der Ecke, wirkt der Auftritt nahezu wie das Original. Vergleichen Sie einmal NeueTischkultur bei eBay und den klassischen Shop.

Ein Großteil der Integration funktioniert dabei automatisiert.

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Gemeinsamer Warenkorb

Wer hat, dem wird gegeben: Auf der myToys-Plattform können Kunden in den Shops der drei Otto-Töchter munter digital flanieren und Artikel aus myToys (Spielwaren), Mirapodo (Schuhe) und Ambellis (Damenmode) in einen gemeinsamen Warenkorb legen. Da ließe sich auch noch der Shopping-Club Limango andocken oder ein Kosmetik-Sortiment, das unter der Lapurisa erwartet wird. Die Kunden, heißt es bei Mytoys, nehmen den gemeinsamen Warenkorb besser an, als gedacht. Aus Sicht der Customer Journey macht der Mix auch Sinn.

Lassen wir das Problem der Daten-Harmonisierung mal für einen Moment außen vor: Warum soll so ein Modell nur bei Konzern-Töchtern funktionieren und nicht auch zwischen Partnern, die nicht miteinander verwandt sind? Ein Anfang ist gemacht, wenn klassische Händler sich für Drittanbieter öffnen: Bei Hess Natur können beispielsweise Drittanbieter via Tradebyte ihr Sortiment integrieren. Kahla (Porzellan) tut das beispielsweise. Auch wenn das dort noch etwas stiefmütterlich gelöst ist. Es geht in die richtige Richtung.

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Sharing

Beliebter Wachrütteler bei Konferenzen. Fragen Sie mal die Teilnehmer per Handzeichen, wer seine Bohrmaschine öfter als einmal, zweimal im Jahr braucht. Das sind sehr wenige. Sehr, sehr wenige. Trotzdem haben die meisten eine Bohrmaschine daheim. Nur: Sie wollten ja letztlich keine Bohrmaschine, sie wollten nur ein Loch in der Wand.
Nicht Besitz war also gefragt, sondern eine Lösung. Und  dafür genügt oft der Zugang zu den Dingen.
Das wird immer wichtiger: Siehe die immer beliebtere Musik-Flatrate beim Musikstreamingdienst Spotify, siehe die Pläne von Amazon für eine Flatrate für E-Books.

Das geht auch mit anderen Produkten: Pädagogisch gutes Spielzeug ausleihen beispielsweise bei Tollabox oder Lego ausleihen per Flatrate bei Bauduu, oder auch Designermode und Designerkleider leihen statt kaufen bei Pret-a-Louer oder die Dinge, die man so braucht, direkt über eine P2P-Leihplattform ins Haus holen.

Warum etablierte Onlinehändler solche Sharing-Konzepte derzeit noch Nischenanbietern überlassen – unklar. Warum sich der stationäre Handel da nicht mit Click&Collect Lösungen einbringt – unverständlich. Zu teuer, skaliert nicht, kannibalisiert nur? Hinter solchem Denken steckt der Glaube, man können einem Kunden künftig noch etwas verkaufen, das der gar nicht besitzen will.

 

Individualisierung

Was denkt der klassische Händler, wenn er von der Individualisierung der Produkte, von Customization hört? Puh. Kompliziert! Da wird das T-Shirt ja so teuer wie die individuell geplante Küche! Wer will das bezahlen?!

Antwort: Der Kunde, der sich aus dem Mainstream etwas abheben möchte – und dem der kleine Unterschied etwas wert ist.

So kann man bei Burberry schon eine Allerwelts-Klamotte wie den Trenchcoat individualisieren: Stil, Länge, Material, Farbe, Applikationen – sogar ein Monogramm ist machbar. 

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Individualisierung bei Burberry, wie man es sonst nur vom Küchenkauf kennt

Da geht mehr, auch jenseits vierstelliger Preise: Bei About you aus dem Hause Collins kann der Kunde beispielsweise Schuhe, Taschen und Röcke individuell gestalten.

Klar, Auswahlmöglichkeiten und Preise gilt es durchzukalkulieren. Aber auch den Marketingeffekt sollte man mit einpreisen. Schließlich suchen alle Händler nach dem USP - nach dem Produkt mit Jodel-Diplom („Dann hab ich auch was eigenes“). In der Customization könnte künftig Musik drin sein.

Erst recht, wenn Sie die dabei gewonnenen Daten nutzen und aus ihnen lernen, ein eigenes Produkt zu entwickeln.

 

Content Marketing

Sie haben schon drei Whitepaper und 6 Infografiken zum Content-Marketing auf dem Schreibtisch – suchen aber immer noch nach der zündenden Idee?

Dann schauen sie doch mal bei Westwing herein, das sich als “shoppable magazine” versteht und vor allem auf Anregungen setzt. Großformatige Fotos, netter Text, der sich leicht wegliest. 2013 hat Westwing mit 447.000 Kundinnen einen Umsatz von 110 Millionen Euro erzielt. Der Lesestoff kann also ganz so falsch nicht sein.

Andere schreiben lassen: Otto ist im März mit einem neuen Wohn- und Lifestyle-Blog gestartet. Unter www.roombeez.de bloggen fünf etablierte Interior-Blogger sowie weitere Gastblogger und bieten Inspirationen für neue Wohnideen. Auch hier gilt: den Leser nicht mit zu viel Text überfordern.  Die Texte und Bilder sind zudem nur zaghaft auf Otto ausgerichtet. Will heißen: Links auf Produkte bei Otto gibt es gesondert.

Und nachem Sie da und dort herumgeklickt haben, vergleichen Sie mal dazu einen eher klassischen Store wie cnouch.de, wo Otto seit Ende Januar Sofas und Couches, passende Heimtextilien und Wohnaccessoires verkauft. Wo gibts mehr Inspiration, wo sitzt das Geld lockerer?

Ihre Produkte sind aber viel langweiliger? So langweilig wie Stifte und Kugelschreiber beispielsweise? Manchmal ist Content Marketing nur eine Frage des „Gewusst wie“. Das zeigt der Instagram-Auftritt von Stabilo, der den eigenen Webshop flankiert.

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Bewegtbild

Bewegtbild – das nächste große Ding. Hat man Ihnen gesagt. Haben Sie ausprobiert. Hat nicht funktioniert. Vielleicht lag es an der Umsetzung? Schauen Sie einmal wie der Outdoor-Anbieter Simply Hike seine Produkte vorführt (fast wie bei einem Home-Shopping-Sender) und auch die zentralen Produktinfos noch einmal per Icons einbindet.

Wichtiges Learning: Es sollte lebendig wirken. Bei Asos darf das Model sogar ein bisschen tanzen.

 

Artikel direkt in den Warenkorb legen

Wer sich inspirieren und berieseln lässt, der will nicht unnötige Klicks damit vergeuden, ein Produkt in den Warenkorb zu zwingen, beziehungsweise dauernd Kontrollklicks machen oder nach einem Augenkrebs verursachenden mitzählenden Icon suchen. Praktischen sind Lösungen, die direkt beim Klick Vollzug melden. Auffällig aber auch so elegant wie ein ein Rauchmelder-Signal ist die Lösung bei design-3000.de. Gefallen kann hier die Lösung von Asos.  

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Live-Chat

Gefühlt seit den ersten AOL-CDs gelten Live-Chats mit dem Kunden per Browser als guter Weg, um desorientierte Kunden beim Einkauf zu begleiten und erklärungsbedürftige Produkte zu erläutern. Das ist spürbarer Sofortservice ohne Medienbruch. Der Möbelshop Ruumz.de hat das beispielsweise unaufdringlich und ansprechend mit personifiziertem Gesprächspartner gelöst.

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