Bundesliga und Co: Darum ist der Shop von Bild.de eine Bedrohung für Online-Retailer

Von Karsten Werner Karsten Werner | 29. Oktober 2012 | 2 Kommentare Kommentieren

Bild-Shop Startseite
Da sich einige Bundesliga-Vereine im E-Commerce immer noch formschwach zeigen, haben wir uns nach weiteren Alternativen umgesehen. Der Bild.de-Shop bietet sich als "Vollsortimenter" für Fan-Artikel nationaler und internationaler Clubs an. Wir haben Angebot und Shop-System unter die Lupe genommen. Das Fazit vorweg: Der Springer-Verlag präsentiert sich hier über seine Digital-Sparte als vollwertiger Online-Retailer. Eine Bedrohung für klassische Händler.

 

Über den Webshop präsentiert sich Bild.de Fans als vollwertiger Online-Retailer für "Merchandise" und "Sportswear"

Der Bild-Shop versucht sich zweifelsohne als erste Anlaufstelle für Fußballfans zu positionieren: Auf der Startseite werden Realtime-Angebote geschaltet, die sich am fußballerischen Tagesgeschehen orientieren. Neben den Fan-Artikeln der Clubs der 1. und 2. Bundesliga, werden Merchandise-Artikel der größten Mannschaften des europäischen Vereinsfußballs ebenso angeboten, wie die der populärsten Nationalteams. Des Weiteren stehen unter "Handy-Produkte" Smartphones und Tablets und unter "Bild-Produkte" die eigene Digitalpresse zum Kauf (und Letztere wenn möglich als Bundles offeriert). 

Bild.de-Shop
Über den Webshop präsentiert sich Bild.de Fans als vollwertiger Online-Retailer für "Merchandise" und "Sportswear"

Der Webshop präsentiert sich dabei trotz seiner umfangreichen Angebotspalette, dank Filter-Funktionen und semantischer Suche, aufgeräumt und übersichtlich und kann bei fast allen unserer Bewertungs-Kriterien punkten:

  • Kein Registrierungszwang. Optional gibt es Möglichkeiten, sich via bereits vorhandenen Bild.de-Account oder via Social Login per Facebook anzumelden(dies wird jedoch auf der Startseite nicht deutlich kenntlich gemacht)
  • Transparenz: Angaben zu Lieferzeiten, Bezahlmöglichkeiten und Versandkosten sind direkt über die Startseite ersichtlich
  • Eindeutige Produktbeschreibungen (Materialangaben, Größentabellen sowie direkter Verweis zu Kundenbewertungen)
  • Angemessene Versandkosten (4,95€, die bei Fan-Artikeln ab 60€ Bestellwert im Fashion-Segment entfallen)
  • Sehr gut kommunizierte Service-Hotline: Auf der Startseite sowie entlang jedes einzelnen Schrittes während des Bestellprozesses
  • Anbindung an die eigene Fanpage, auf Sharing-Optionen im Warenkatalog wurde jedoch verzichtet
  • Kein "untergeschobener" Newsletter, dieser wird erst via Opt-In abonniert.
  • native App (iPad)

Für Fans eine echte Alternative, für Online-Händler ein ernstzunehmender Wettbewerber

Für Fußballfreunde, die sich nicht durch einen mitunter zähen Webshop ihres Lieblingsvereins klicken wollen, bietet sich der Bild-Shop als Alternative an. Die Vorteile, die hier geboten werden, stellen jedoch gleichermaßen auch eine Bedrohung für andere Online-Händler in den Bereichen "Sportswear" und "Merchandise" dar.

Auch wenn der Shop sich auf den ersten Blick nüchtern präsentiert, so wird schnell deutlich, dass der Springer-Verlag es ernst meint. Lange Ladezeiten? Fehlanzeige. Man merkt, dass am technischen Backend nicht gespart wurde.

Erreichbarkeit? Vorbildlich. Die Hotline ist an 6 Wochentagen jeweils von 08:00-22:00 Uhr erreichbar. Übersicht? Trotz der Fülle des Angebots, finden auch wenig web-affine Nutzer schnell die gesuchten Produkte, da die semantische Suche hervorragend funktioniert. Auswahl an Bezahlmöglichkeiten? Umfangreich und dennoch übersichtlich.

Wenn Verlage zu Händlern werden

Bei der Umsetzung dieses professionellen Webshops wurde an keiner Stelle gespart. Hier handelt es sich nicht mehr um den "Verlags-Commerce" vergangener Zeiten, über den man einfach Buchtitel und Ratgeber unter Einsatz seiner Dachmarke "nebenbei" verkaufen möchte:

Der klare Fokus des Auftritts auf Merchandise-Artikel und Fashion und der hohe technische Aufwand im Hintergrund, zeichnen vielmehr ein anderes Bild: Der Springer-Verlag präsentiert sich hier über seine Digital-Sparte als vollwertiger Online-Retailer, der sich unter Einsatz seiner Medienmarken zukünftig in den genannten Segmenten weitere Marktanteile wird sichern wollen.

Das wird klappen. Erst recht, wenn der Shop seine Realtime-Angebote nicht allein am  Fußball orientiert, sondern auch in anderen Segmenten die Produktangebote an den bunten Meldungen des Boulevard orientiert und zur News über Brad Pitt zeitnah auch das passende Parfum prominent anbietet. Eine Chance, die sich Webshops in der Regel noch entgegen lassen. 

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. eCommerceCowboy
    Erstellt 30. Oktober 2012 13:41 | Permanent-Link

    Ich erinnere mich wage an Jürgen Hörner bei ProSieben der im Spiegel sagte er würde ProSieben Sat.1 im Bereich Selling weiterhin ausbauen wollen und langfristig versuchen dort Geld zu verdienen...Ob Verlage oder Fernsehen, alle übergehen ihre eigentlichen Aufgaben und greifen in Geschäftsfelder ein, in denen Sie unglaubliche Marketingvorteile haben. Aber alles im Sinne des Erfinders oder?

  2. Erstellt 30. Oktober 2012 14:25 | Permanent-Link

    Yep.Das Joint Venture Covus soll Onlinemarken im E-Commerce aufbauen. http://etailment.de/2012/pro-sieben-sat-1-attacke-auf-den-e-commerce/

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