Cookies: Und ewig grüßt das Murmeltier

Von Gastautor | 15. November 2012 |

bennet
Im Web kursiert ein Cartoon. Es zeigt das Krümelmonster aus der Sesamstraße vor einem PC. "Delete Cookies?"  ruft es erschrocken aus. Doch ein Spaß sind Cookies und das Thema Datenschutz nicht für jeden. 

Conrad Bennett, Vice President für den Bereich Technical Services, EMEA, bei Webtrends, fühlt sich bei der Debatte zuweilen an die Krisenszenarien des Jahr-2000-Problems erinnert.

 Anfang des Jahres hatten einige von uns das unheimliche Gefühl, ein Déjà-vu zu erleben – zumindest diejenigen, die alt genug sind, um sich an das Jahr-2000-Problem zu erinnern. Und ich hoffe doch sehr, dass der eine oder andere von Ihnen dieses gesegnete Alter hat! Wie dem auch sei – all das Getue um Cookies und Datenschutz, das Heraufbeschwören einer verheerenden Katastrophe (wobei ich die nicht ganz ausschließen möchte) und dann ... nichts! Oder jedenfalls fast nichts. Schnell nachgereichte Expertisen, nach denen das Ganze vielleicht doch nicht so schwerwiegend sei.

All das hat mich doch sehr an den 01. Januar des Jahres 2000 erinnert. Abgesehen von einem grandiosen Millenniums-Kater gab es weder Stromausfälle, noch stürzten Flugzeuge ab; überhaupt war kein Anzeichen der vorhergesagten Apokalypse zu entdecken - nicht einmal ein kleines bisschen Chaos.

Nur ein paar eher marginale Änderungen?

Ein Außenstehender musste da zwangsläufig zu dem Schluss kommen, dass der ganze Y2K-Hype reine Zeitverschwendung war, denn er konnte ja nicht wissen, welch enormer Aufwand betrieben worden war, um den Jahrtausendwechsel derart reibungslos über die Bühne zu bekommen. Ganz ähnlich verlief es dieses Mal: Nach Jahren und Monaten der Vorbereitung ist das so genannte Cookie Law nun in Kraft und zumindest oberflächlich betrachtet hat sich kaum etwas geändert. Das Internet funktioniert wie eh und je, und wenn überhaupt, stellen wir nur ein paar eher marginale Änderungen fest.

Einen Unterschied zur Jahr-2000-Problematik gibt es jedoch: Dieses Mal haben wir es nicht mit einem einmaligen Ereignis zu tun, sondern in mehr als einer Hinsicht mit dem Beginn einer langfristigen Entwicklung. Datenschutzbedenken werden nicht wieder von der Bildfläche verschwinden, und angesichts einer immer kleiner werdenden Welt mit immer enger verflochtenen Interaktionen werden die Verbraucher den Wert ihrer Daten immer mehr zu schätzen wissen. Dies gilt besonders für die jüngere Generation. Obwohl sie heute ihr Leben noch ungeniert im Licht der Online-Öffentlichkeit ausbreitet und kaum Gedanken an den Datenschutz verschwendet, dürfte sich dies mit zunehmendem Alter ändern.

Nicht alle Betreiber erfüllen die Anfoderungen

Bei der EU-Cookie-Richtlinie kamen viele Webseiten-Betreiber erst einmal nicht aus der Deckung. Keiner wollte den ersten Schritt machen, und viele warteten gespannt ab, wie sich ihre Wettbewerber verhalten würden. An dieser Situation hat sich nur teilweise etwas geändert: Obwohl mittlerweile beim Besuch von Websites häufiger Cookie-Warnmeldungen angezeigt werden, erfüllen bei weitem nicht alle Betreiber die Anforderungen der Richtlinie.

Als Folge kündigte die britische Datenschutzaufsichtsbehörde ICO kürzlich an, für einige Unternehmen Umsetzungsfristen festlegen zu wollen. Obwohl noch nicht klar ist, welchen Effekt dies haben wird, sind viele Kommentatoren davon überzeugt, dass Umsetzungssünder von der ICO letztlich keine Strafmaßnahmen zu erwarten hätten. Mit dieser Einschätzung dürften sie allerdings zu optimistisch sein. Anstelle also erleichtert aufzuatmen und so zu tun, als wäre nie etwas passiert, sollten wir das Thema Datenschutz und Cookies stets konsequent vor Augen haben.

Sanktionen drohen

Unternehmen, die den Vorgaben der Richtlinie noch nicht entsprechen, sollten dies schleunigst nachholen, da sie ansonsten Gefahr laufen, von den Behörden sanktioniert zu werden. Dafür müssen sie zunächst entscheiden, wie sie die Einwilligung ihrer Site-Besucher einholen wollen, wobei das Verfahren und womöglich sogar die Definition dessen, was eine solche Einwilligung beinhaltet, von Unternehmen zu Unternehmen variieren.

Die gängigste Lösung besteht in einem Warnhinweis, der beim ersten Besuch einer Website angezeigt wird, Zweck und Verwendung von Cookies erläutert und (mitunter) eine Möglichkeit vorsieht, der Cookie-Verwendung zu widersprechen (Opt-Out). Dabei darf nie vergessen werden, dass die Besucher letztlich dazu gebracht werden sollen, Cookies zu akzeptieren und eine möglichst umfassende Einwilligung zu geben. Das Ganze muss also möglichst komfortabel und klar verständlich vonstattengehen.

Cookies? Bitte was?

Tatsache ist aber auch, dass die allermeisten Site-Besucher die Funktion von Cookies entweder nicht kennen oder dass ihnen das Thema ganz einfach gleichgültig ist. Es ist somit Aufgabe der Unternehmen, ihre Nutzer darüber zu informieren, wofür die Cookies verwendet werden. Gleichzeitig sehen viele Internetnutzer die Menge an Daten, die bei einem Website-Besuch erhoben werden, durchaus kritisch. Datenschutz wird zu einem immer wichtigeren Element des persönlichen Online-Verhaltens.

Die Betreiber von Websites müssen daher sicherstellen, dass ihre Richtlinien zur Cookie-Nutzung so klar und detailliert wie nur irgend möglich sind, damit die Nutzer umfassend informiert werden und nicht von vornherein sämtliche Cookies ausschließen. Schließlich können Cookies für den Site-Besucher durchaus von Nutzen sein, indem sie Präferenzen abspeichern und wertvolle Content-Empfehlungen und Kaufvorschläge ermöglichen. Eine klar formulierte Cookie-Richtlinie wird von den Site-Besuchern positiv aufgenommen und gibt ihnen das Gefühl, ihre Online-Erfahrung selbst bestimmen zu können.

Bleibt abzuwarten, welche Maßnahmen die Datenschutzbehörde gegen Unternehmen einleitet, für die sie Fristen gesetzt hat, und ob Webseiten, die nicht der EU-Richtlinie entsprechen, vermehrt erfasst und abgemahnt werden. Ein guter Rat zum Abschluss: Lassen Sie es nicht darauf ankommen!

Über den Autor

bennet
Conrad Bennett ist Vice President für den Bereich Technical Services, EMEA, bei Webtrends. Mit über zehn Jahren Erfahrung im Web Analytics-Sektor könnte man versucht sein, ihn als Branchen-Guru zu bezeichnen, aber da er bei Twitter unter @toomanygurus postet, wäre das nicht recht angebracht. Bennetts Team ist für den Presales- und Profi-Support in den Regionen EMEA und Australien verantwortlich.

Vor seinem Einstieg bei Webtrends arbeitete Conrad Bennett für BI-Spezialisten wie Cognos und Hyperion; dabei verbrachte er den Großteil seiner Zeit damit, Unternehmen bei der Umwandlung von Daten in Informationen zu unterstützen. Dass er seine berufliche Laufbahn bei United Biscuits begann, erklärt vielleicht seine heutige Vorliebe für Cookies.


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Thema: Marketing

Schlagworte: Datenschutz, Cookies

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