Ungooglebar? Wie Google die Abhängigkeit ausbaut

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 27. März 2013 |

Es klingt wie ein verfrühter Aprilscherz. In Schweden möchte Google nicht, dass das Wort „ogooglebar“ (ungooglebar) in der schwedische Variante des Duden aufgenommen wird. Ein Kuriosität. Ein Detail am Rande? Ein Nischen-Erreger, so wie die die Einstellung des RSS-Readers der Suchmaschine? Weit gefehlt. Die jüngsten Umtriebe der Suchmaschine – und nicht nur der- sollten auch alle E-Commerce-Anbieter mit Argwohn verfolgen.

Da wäre zum Biespiel aich der Magenta-Riese: Die Pläne der deutsche Telekom um eine anstehende Drosselung von DSL-Anschlüssen werden den Onlinehandel nicht dramatisch gefährden. Aber wenn ein Nutzer bei der Geschwindigkeit im Web nach exzessivem Video-Konsum ausgebremst wird und dann nur noch im Schneckentempo die Produktvideos im Shop zu sehen bekommt, dann bremst das auch den Handel aus. Das in den Tarifen enthaltene Datenvolumen zu begrenzen, ist bei vielen Mobilverträgen heute schon üblich. Mobil lässt sich also leicht nachvollziehen, wie spaßbefreit es sich gerade in Webshops nach der Tempodrosselung surft. Wer dann Schnelligkeit braucht, muss nachlöhnen. Das Web und damit der Einkauf im Web verlieren damit ein Stück Convenience.

Zukunftsmusik nennt die Telekom ihre Gedankenspiele. Also zurück zu Google. 

Die Ankündigung von Google seinen RSS-Reader, mit dem man Überschriften und Nachrichten bequem abonnieren kann, im Sommer zu beerdigen, trifft Online-Händler weniger. Dahinter aber steckt eine Strategie. Google will mehr Nutzer dazu bewegen, das eher reizlose Netzwerk Google+ zu nutzen. Dessen Inhalte wurden gar zeitweilig in der Google-Suche bevorzugt. Das Ziel: die Stärkung des eigenen Ökosystems. Immerhin schritt die EU-Kommisson dagegen ein.

Einen trickreicheren Kurs fährt Google dagegen offenbar in Sachen Shopping-Sites bei der Universal Search. Focus berichtet heute über eine Untersuchung von Searchmetrcis, dernach Fremdangebote wie Amazon oder Ebay dort verloren haben, während der Anteil der Google-Shoppingseiten relativ steil ansteigt.

Ursache für den Effekt ist nach Vermutung der Forscher die Umstellung der Google Shopping Produktangebote auf ein kostenpflichtiges Modell. „Aus dem starken Anstieg von Google-Shopping im Vergleich zum krassen Abwärtstrend der Mitbewerber ist ableitbar, dass Google seit Mitte/Ende 2012 bereits die Einführung der kostenpflichtigen Google-Shopping-Integration in Deutschland vorbereitet zu haben scheint“, zitiert Focus Searchmetrics. Anders gesagt: Keine Product Listing Ads - Traffic weg.

Obendrein spielt Google mit dem Gedanken, mit einem neuen Algorithmus-Update jene Webshops im Ranking abzuwerten, die bei den Kunden durchfallen und kein brauchbares Einkaufserlebnis bieten.

 Je mehr aber Anbieter wie Google ihr eigenes Ökosystem pushen, desto mehr geraten Online-Händler in Zugzwang und in Abhängigkeit. Im Sinne des Marktes kann das nicht sein. „Druck und Zwang ersetzen die bisher gefühlte Freiheit, und die unbeschwerte Leichtigkeit ist dahin. Am Ende bleibt nur die Hoffnung auf Kartellverfahren und die europäischen Wettbewerbsbehörden“, schreibt Michael Spehr in der FAZ.

 Bis die reagieren – und das kann lange dauern - sollten sich Onlinehändler vielleicht ein Stück weit von der Fixierung auf Google lösen und eine Marketing-Strategie verfolgen, die auch dann noch punktet, wenn man gerade "ungooglebar" geworden ist.


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Thema: Marketing

Schlagworte: Google+

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