Von E-Mail bis Facebook: Der digitale Tag der Deutschen

Von Gastautor | 2. November 2012 |

koenen
Auch in Zeiten von Facebook und Twitter informieren sich die deutschen Internet-Nutzer hauptsächlich per E-Mail – ob für den ersten Check am frühen Morgen oder den letzten am späten Abend. Die Wichtigkeit der elektronischen Post lässt zwar im Laufe des Tages nach, sie genießt aber immer höchste Priorität.

Das hat die aktuelle Studie „Die digitale Republik“ von ExactTarget ermittelt. Doch woran liegt das? Warum nutzen Anwender welches digitale Medium? Und was können Marketing-Experten daraus lernen?

Thomas Koenen, Sales Director D/A/CH, beim Marketing-Dienstleister ExactTarget hat den digitalen Tag der Deutschen nachverfolgt und sucht nach einer Antwort.

Am Morgen klingelt nicht mehr der Wecker, sondern das Smartphone – ob mit Popmusik, Hahnenschrei oder einem mechanischen „Guten Morgen“. Die Augen noch kaum geöffnet, schaltet der Nutzer als erstes schon mal seinen PC zum Warmlaufen an. Nach der Dusche dann gleich die Mails gecheckt: Welcher der Freunde hat über Nacht etwas geschrieben und was ist heute in der Arbeit zu tun?

Der digitale Morgen: Wenn das Smartphone dreimal klingelt

So fängt heute der typische Tag der Deutschen an, gemäß der ExactTarget-Studie „Die digitale Republik“. Demnach lesen 71 Prozent der Internet-Nutzer morgens zuerst ihre E-Mails. Weit abgeschlagen sind Facebook und Nachrichten-Seiten. Der erste Online-Zugang erfolgt bei mehr als 70 Prozent über den privaten PC, deutlich dahinter folgen Privat-Handy sowie der Zugriff auf Systeme in Arbeit oder Schule.

Je jünger die Nutzer, desto eher tendieren sie zu sozialen oder Unterhaltungs-Kanälen wie Facebook, Twitter, Sport- oder Nachrichten-Seiten. Doch selbst bei den 18- bis 24-Jährigen bleibt die Mailbox für 43 Prozent die erste Anlaufstelle des Tages, für 40 Prozent ist es Facebook. Außerdem greift in dieser Altersgruppe mehr als jeder Vierte morgens zuerst nach seinem Handy. So wird in Zukunft am morgen nicht mehr der PC in Deutschland eingeschaltet, sondern das nach dem Wecksignal sowieso schon aktive Smartphone genutzt.

DigitalAM_German

Der digitale Tag: Facebook und Twitter legen zu

Während der morgendliche Check zumeist der ersten Information und Planung des Tages dient, verlagern sich die Interessen anschließend vom offiziellen zum inoffiziellen Teil des Lebens. Daher werden im Laufe des Tages zunehmend weitere Medien wie Twitter oder Suchportale angeklickt, aber mit weniger Dringlichkeit und Aufmerksamkeit. Die Prüfung der E-Mail bleibt vormittags, mittags und nachmittags weiterhin Prio 1, wenn auch mit nachlassender Wichtigkeit.

Doch warum ausgerechnet E-Mail? Hauptsächlich, um mit persönlichen Kontakten zu kommunizieren oder den Kontakt zu alten Freunden wieder aufleben zu lassen. Erst an dritter Stelle folgt der Beruf. So prüfen Verbraucher ihre E-Mails regelmäßig über den Tag verteilt aus geschäftlichen und privaten Gründen. Entsprechend haben fast alle Online-Konsumenten in Deutschland mindestens einen täglichen kommerziellen Mail-Newsletter abonniert, vorwiegend um Rabatte oder Sonderangebote zu erhalten sowie zur Information über neue Produkte, Dienste oder Angebote. Sie möchten aber auch von künftigen Angeboten erfahren sowie Zugang zu exklusiven Inhalten bekommen.

Knapp die Hälfte hat bereits aufgrund einer darin enthaltenen Marketing-Botschaft etwas gekauft. Jedoch hängt die Erfolgsrate vom Alter ab. Während sie bei 18- bis 24-Jährigen am niedrigsten ist, steigt sie bei den 25- bis 34-Jährigen auf den höchsten Wert. Dies liegt an der höheren Kaufkraft und der Nutzung von E-Mail als notwendigen Teil des (Berufs-)Lebens. So ist bei den meist nicht arbeitenden Jüngeren und Älteren die Wahrscheinlichkeit am niedrigsten, dass sie ihre E-Mails täglich abrufen, bei den 45- bis 54-Jährigen am höchsten. Offen sind die Nutzer dabei für neue Geräte: Schon mehr als jeder vierte deutsche Online-Nutzer prüft mindestens einmal täglich seine E-Mails per Smartphone.

Die deutschen Konsumenten sind aber von Natur aus vorsichtig. 43 Prozent wurden im letzten Jahr wählerischer bei der Weitergabe ihrer E-Mail-Adresse an Unternehmen. Denn sie möchten genau wissen, was sie im Gegenzug dafür erhalten. So müssen Marketing-Experten den konkreten Mehrwert des Mail-Newsletters im Vorfeld deutlich darstellen, um eine beiderseits vorteilhafte, langfristige Beziehung zu ermöglichen.

DigPM_German

Der digitale Abend: Letzter Mail-Check – und ab ins Bett

Da sich der Fokus im Laufe des Tages zum Privaten wendet, wählen nur noch 34 Prozent der Deutschen die E-Mail als letzte Online-Aktivität. Trotzdem bleibt sie damit auf Platz eins, gefolgt von Online-Nachrichten oder -Entertainment-Angeboten, Facebook, Twitter und Google+. Doch selbst wenn die Nutzung der sozialen und Entertainment-Kanäle im Laufe des Tages zunimmt, zeigt die hohe Zahl der E-Mail-Abrufe am Abend deren prominente Stellung im Leben der Konsumenten. So geht auch der letzte Griff des Tages an den PC: schnell nochmal die Mails gecheckt – und ab ins Bett.

Die Bedeutung von Facebook als Informations- und Kaufkanal ist deutlich geringer als die der E-Mail, da hier meist das Markenimage im Vordergrund steht. Trotzdem haben bereits 15 Prozent aller deutschen Online-Nutzer aufgrund einer Facebook-Mitteilung einen Kauf getätigt, bei den jungen Verbrauchern sogar jeder Vierte. Wie bei der E-Mail liegt der Beweggrund für das „Liken“ einer Marke nicht ausschließlich im Geld sparen, sondern in Informationen über neue Produkte, Dienste oder Angebote, gefolgt von Rabatten oder Sparmöglichkeiten, Benachrichtigungen über neue oder künftige Produkte sowie Zugang zu exklusiven Inhalten.

Jeder vierte Konsument wird zum Fan, weil er bereits regelmäßig eine Marke kauft, während fast jeder fünfte damit Freunden und Verwandten seine Lieblingsmarke zeigt. Doch auch bei Facebook sind immerhin 38 Prozent der Verbraucher beim „Liken“ von Unternehmen im vergangenen Jahr wählerischer geworden, da sie Inhalte häufig als uninteressant oder irrelevant empfinden.

Twitter-Follower als wichtige Werbebotschafter

Nur 7 Prozent der deutschen Online-Nutzer sind Twitter-Follower – jedoch haben 9 Prozent aller Anwender als direkte Folge einer Marketingnachricht auf Twitter etwas gekauft. So lassen sich viele Verbraucher über diesen Kanal zu einem Einkauf verleiten, ohne dass sie der Marke folgen. Hauptgründe für die Verwendung von Twitter sind dabei, „Insiderinformationen“ zu erhalten, mit persönlichen Kontakten in Verbindung zu sein, nicht den Überblick über das tägliches Sozialleben zu verlieren sowie mit alten Freunden oder entfernt wohnenden Personen wieder Kontakt aufzunehmen.

Von Unternehmen wünschen Twitter-Nutzer vor allem Nachrichten zu Entwicklungen innerhalb des Unternehmens, Informationen bezüglich persönlicher Interessen und Hobbys, Ankündigungen von neuen Produkten sowie Rabatte und Sonderangebote. Damit unterscheiden sich die Beweggründe deutlich von E-Mail und Facebook, da bei Twitter nicht die Angebote, sondern Hintergrundinformationen im Vordergrund stehen. Wer aber zum Follower wird, kauft eher etwas oder empfiehlt das Unternehmen. Zudem sollte nicht unterschätzt werden, dass die aktivsten Twitter-Nutzer zu einer hohen Wahrscheinlichkeit auch außerhalb von Twitter Einfluss haben – als Blogger oder Online-Experte. Wenn sie sich für eine Marke aussprechen, können sie sehr wertvoll sein.

Kanalübergreifend denken

Die Ergebnisse zeigen, dass jeder digitale Kanal einzigartig ist, aber die Kundenbindung steigern kann. So ist eine kanalübergreifende Marketingstrategie nicht nur ein Buzzword, sondern tatsächlich wichtiger denn je. Da Verbraucher jeden Kanal unterschiedlich nutzen, müssen die Informationen entsprechend angepasst und aufeinander aufgebaut werden. Denn Konsumenten erwarten konsistente Botschaften – ohne Wiederholung. Daher sollte jeder Kanal das übergeordnete Markenprofil untermauern und gleichzeitig die „kulturellen“ Eigenarten des Kanals berücksichtigen. Die E-Mail bleibt dabei in Deutschland weiterhin das wichtigste Medium für die Marketingstrategie: Damit wachen die Deutschen auf und damit gehen sie ins Bett.

Über den Autor:

koenen
Thomas Koenen verantwortet als Sales Director DACH den Vertrieb von ExactTarget im deutschspachigen Raum und blickt auf über 30 Jahre Erfahrung in leitenden, internationalen Managementaufgaben zurück.  ExactTarget ist Anbieter von Software-as-a-Service für viele globale TOP-Marken. Das Spektrum reicht von E-Mail-Marketing über Social Media Marketing und Kampagnenmanagement bis hin zu mobilem Marketing und Landing Pages


Kindle Kindle
Drucken Artikel versenden

Thema: Marketing

Schlagworte: Facebook, E-Mail, Twitter

Kurz vor 9: Amazon plant Hotelbuchungsportal,
Amazon als Reiseportal: Den nächsten Urlaub im Kempinski in Ägypten, den nächsten Aufenthalt im "Th ...
Topartikel
Herr, schmeiß Ideen vom Himmel: Inspirationen für die Weihnachtskampagnen per E-Mail
Weihnachtsmailings sind in den meisten Fällen so langweilig und nervig wie "Last Christmas". Da komm ...
Locafox: Nähe als Ass gegen Amazon
„Locafox will das Amazon für den stationären Einzelhandel werden“. So und ähnlich lauteten vor einem ...
Online City Wuppertal und Atalanda
Können Städte mit eigenen Online-Marktplätzen den lokalen Handel stärken? Den Beweis will jetzt die ...
A.T.U denkt und bietet Click & Collect ganzheitlich
In der Steinzeit des Onlinehandels wollte ich einmal Schneeketten bei A.T.U kaufen. Ich blieb im Web ...
DDoS-Gefahr im Weihnachtsgeschäft! Wenn Hacker den Web-Shops bedrohen
Ist Ihr Web-Shop gut für das Weihnachtsgeschäft gerüstet? Verfügbarkeit und Performance sind entsche ...

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats ?>