Mobile Commerce: Wer jetzt nicht rennt, wird abgehängt

Meine Oma sagte immer: Wenn man den Kopf in den Sand steckt, schaut immer noch der Hintern heraus. Wie komme ich jetzt darauf? Ach ja. Wegen Mobile Commerce. So mancher steckt da nämlich noch bequem den Kopf in den Sand. Doch wer nicht rasch, also 2014, auch mobil klare Konturen zeigt, der kann sich ab 2020 mit dem Sand auch beerdigen lassen oder bekommt vom Kunden zumindest einen Tritt in das nackte Hinterteil.

Der Handel im Web ist ein Onlinehandel der zwei Geschwindigkeiten. Hier jene, die aufs Tempo drücken und genauso wie der Kunde jeder Kanal-Denke abschwören, dort jene, die weiter Artikel 3 des Kölner Grundgesetzes zitieren: "Et hätt noch emmer joot jejange."

Hinterherzuhecheln, das mag in der alten Desktopwelt gerade noch so gut gehen, in der mobilen Konsumwelt mit ihren nochmals beschleunigten und weiter ausdifferenzierenden Innovationszyklen bei Technik und Kundenverhalten, werden diese Händler endgültig den Anschluss verlieren.

Es ist da fast schon konservativ zu nennen, wenn die Otto Group bis 2016 über alle Online-Marken hinweg 50 Prozent des Online-Traffics mobil erwirtschaften will. Bereits heute verbuchen einige der Online-Shops 30 Prozent (Otto.de) bis zu 40 Prozent der Besuche (myToys) über Smartphones und Tablets. Tendenz steigend. Dafür sorgt allein schon der Wandel vom Desktop zum Tablet. Der Absatz der Tablets zieht locker an den klobigen Rechnern vorbei. (Grafik: Statista)
Mobile Commerce: Wer jetzt nicht rennt, wird abgehängt


Das beobachten auch andere Player. Beispiel Zalando. Dort macht Mobile mittlerweile 35 Prozent des Traffic aus. Und der mobile Traffic kannibalisiert nur zu einem Bruchteil den Desktop-Traffic. Jeder zehnte Euro kommt mittlerweile auf diesem Weg in die Ladenkasse. Beispiel Spreadshirt:  Dort rechnet man damit, dass innerhalb eines Jahres 25 Prozent des Umsatzes mit einem Besuch über ein Tablet oder Smartphone beginnt.

Das wäre gerade einmal Durchschnitt. Etwa jeder vierte Konsument nutzt ein Mobilgerät mindestens einmal im Monat für den Online-Einkauf. Das sagt die "Multichannel-Studie" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.

Sie dürfen ruhig meinen, dass da wenig ist.

Ist es auch.

Bei eBay sind bereits 40 Prozent aller Transaktionen von mobilen Technologien beeinflusst. Jede Sekunde wird in Deutschland ein Artikel mobil gekauft.
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2018 erreicht Mobile Commerce das heutige Volumen des E-Commerce

Amazon und eBay haben Mobile, auch angesichts einer imposanten Menge an Mobile-only-Nutzern, denn auch längst ganz oben auf der Agenda stehen. Mit der richtigen Strategie kann sogar der stationäre Handel wieder aufschließen. Wal-Mart, Best Buy und Target erreichen in den USA sogar einen noch höheren Anteil an Mobile-only-Kunden als die Marktplätze. Gerade den stationären Händler bietet zudem Mobile Payment ein Einfallstor, um sich den hybriden Kunden auch mobil ins Gedächtnis einzubrennen.

Bei den Top-Playern hält man eine Prognose von Goldman Sachs vermutlich sogar noch für untertrieben: 2018 erreicht das weltweite Volumen von Mobile Commerce deren Glaskugel nach nämlich das Volumen des gesamten E-Commerce-Volumens von 2013.

Amazon pusht nun sogar das Bilderkennungs-Feature Flow in seiner App. Damit hält man die Smartphone-Kamera vor das Produkt, die Shopping-App erkennt anhand von Größe, Form und Farbe das Produkt und macht dann die Bestellung in einem Rutsch bei Amazon möglich. Ja, da weint der stationäre Handel. Doch das ist nur ein Nebeneffekt. Amazon geht es um die Stärkung des mobilen Kanals.

Jetzt.

Denn Amazon ist mit der Bildererkennungsidee ja nicht alleine. ASAP54, unterstützt via e.ventures auch mit Otto-Geld, will Mode auf der Straße und im Schaufenster per App erkennen. Im Zweifel wird ein ähnliches Produkt angezeigt. Es ist nicht der erste und sicher nicht der letzte Anlauf in diesem Segment.

ASAP54 from ASAP54 on Vimeo.


Zu optimistisch? Vielleicht. Denn glaubt man der Verbraucherumfrage von eBay und Deloitte, denken die Kunden selbst eher noch etwas konservativer über die Shopping-Zukunft. Aber die gleichen Verbraucher fanden vor zehn Jahren vermutlich auch ein Handy noch nicht so wichtig. 

Händler sehen das ein bisschen anders: 56 Prozent der Online-Händler sind der Meinung, dass der Einkauf über mobile Endgeräte das klassische Online-Shopping per Desktop oder Notebook dauerhaft ablösen wird. 77 Prozent der deutschen Online-Händler bereiten sich auf den Ansturm im M-Commerce vor. Zu diesem Ergebnis kommt die Umfrage des Forschungsinstituts ibi research an der Universität Regensburg.

Wer es nicht tut, der denkt womöglich an die Konversionsraten. Sie sind gerade auf dem Smartphone im Schnitt ein Trauerspiel, zeigt eine Grafik von Statista. 

Kurz vor 9:

Aber auch da gilt: Wer das nicht hinbekommt, ist vielleicht einfach selbst schuld daran und darf sich nicht wundern, wenn vom Trend zu Mobile vor allem die Top-Handelsmarken profitieren, weil sie sich auch mobil im Relevant Set festsetzen.

Was also wäre als "Erste Hilfe" zu tun?

Eine mobil optimierte Kundenansprache in den Mailings. Schließlich werden immer mehr Mails mobile gelesen.

Ein bruchloser Übergang von Mobil zu Desktop, der einem Kunden gestattet, den Einkauf sinnvoll fortzusetzen, ohne das Wunschzettel und Warenkörbe verloren gehen oder man lange nach dem zuletzt betrachteten Produkt auf dem Smartphone suchen muss.

Ein, so er denn ansteht, Relaunch des Webshops, der zunächst Mobile first in den Fokus rückt. Ganz sicher, davon profitiert auch die Desktop-Version.

Was man sonst noch besser machen kann, hat sich die Agentur Anstrengungslos bei einem Vergleich des alten und neuen mobile Webshops von Otto angesehen.


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Thema: Mobil

Schlagworte: Mobile Commerce

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Erstellt 11. März 2014 10:10 | Permanent-Link
    Stimmt teilweise

    Ja, das stimmt wohl alles. Allerdings glaube ich, dass es Dinge gibt, die in einem mobilen Shop einfach nicht funktionieren, weil der Screen zu klein ist. Außer auf einem Tablet natürlich.

  2. Gerrit Heinemann
    Erstellt 11. März 2014 12:00 | Permanent-Link
    Hundert Prozent Zustimmung

    Stimmt hundert pro: Ich kann Herrn Kolbrueck nur uneingeschränkt zustimmen! Zu ergänzen waere sicherlich noch die herausragende Bedeutung der Mobiles als Zubringer fuer alle anderen Kanäle, wo dann nach Vorbereitung im mobilen Kanal gekauft wird. Ausserdem das Alarmsignal, dass nur rund die Hälfte aller Websites mobil optimiert sind, und das, wo erst 30% aller Händler online sind!

  3. olafkolbrueck
    Erstellt 11. März 2014 12:23 | Permanent-Link

    Danke, da schenke ich Ihnen gerne diesen Satz dazu: "The history of the failure of war can almost be summed up in two words: too late", General Douglas MacArthur

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