Mobile Payment: Die Suche nach dem Mehrwert

Von Frank Puscher | 8. April 2014 |

Eine halbe Milliarde Euro hätten britische stationäre Händler an Transaktionskosten sparen können, wenn man mit mehr Elan in das Thema Mobile Payment eingestiegen wäre. Das zumindest behauptet eine aktuelle Studie des Londoner Forschungsinstituts CEBR. Es stellt sich nur Frage, ob die Kunden den gleichen Elan mitbringen.

 „Bargeld bringt hohe Transaktionskosten in der Vorbereitung und beim Zählen mit sich und man verrechnet sich leichter,“ meint Douglas McWilliams, der Chairman des Center of Economic and Business Research. Und die Kartenzahlung wird immer teurer, je mehr der Kunde einkauft. Also, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des CBR lassen sich im britischen Handel bis zu 463 Millionen Pfund einsparen, wenn man nur konsequenter auf die Bezahlung mit dem Smartphone setzt. Zu dem könnte auch der Onlinehandel profitieren, denn die beschleunigte Zahlungsabwicklung via Smartphone soll auch dort Raum für eine zusätzliche Milliarde Umsatz eröffnen.

Reduktion der Transaktionskosten

Mobile Payment: Die Suche nach dem Mehrwert
In der Netto-App erscheint eine vierstellige Transaktionsnummer beim Bezahlvorgang
Die Zahlen klingen atemberaubend, und wer die Studie etwas genauer liest, stellt schnell fest, dass es sich um theoretische und hochgerechnete Werte handelt. Der Online-Mehrumsatz entsteht freilich nur, wenn der jeweilige Shop eine signifikante Absprungrate aufweist, die dadurch bedingt ist, dass das Shopsystem oder der Checkout lahmt. Die Reduktion der Transaktionskosten im stationären Handel steht unter der Prämisse, dass die Kunden das angebotene Zahlungsmittel Mobile auch nutzen. Das Smartphone dabei haben nutzt wenig, man muß damit auch bezahlen wollen oder können.

Letzteres ist nicht ganz ohne. Da gibt es eine Handvoll technischer Hürden, die es zu bewältigen gilt. So ist etwa eine App zu installieren, die den Bezahlvorgang auslöst und absichert. App-Installation macht nur Sinn, wenn ein Kunde regelmäßig im gleichen Laden oder in der gleichen Kette einkauft. Bei den Gütern des täglichen Gebrauchs kann das funktionieren, beim Fahrradkauf eher weniger, es sei denn, man wohnt in Hamburg und braucht alle zwei Monate ein Neues. Grundsätzlich ist also der neutrale, händlerübergreifende Ansatz, den zum Beispiel Yapital wählt natürlich besser, als die dedizierte Netto-App von Valuephone.

Schlanke Lösung gesucht

Nach der Installation der App erfolgt die Freischaltung des Kontos. Auch hier wählt Yapital den schlankeren Weg. Die Freischaltung zur Bankverbindung kann zum Beispiel über eine vom Nutzer initiierte Aufladung erfolgen. Valuephone hingegen versendet zwei Pins. Die eine per SMS und die andere in Form einer 1-Cent-Überweisung. Auf deren Eingang muß man freilich ein paar Tage warten.

Mobile Payment: Die Suche nach dem Mehrwert
Sport Scheck in Hamburg wirbt deutlich sichtbar für die Handyzahlung mit Yapital
Ist die Freischaltung erfolgt, so zeigt die Netto-App mehr Funktionsumfang. Weil auch Sonderangebote, Fillialsuche und ähnliche Funktionen angeboten werden. Das ist angenehm, doch gerade vor dem Hintergrund der Tatsache, dass nur Stammkunden die App wählen dürften, hält sich der Mehrwert in Grenzen. Der Bezahlvorgang selbst funktioniert bei Valuephone noch einen Hauch schneller als bei Yapital. Während man in der Schlange steht, ruft man die Netto-App auf und lässt sich eine vierstellige Transaktionsnummer generieren. Die liest man dann der Kassiererin vor. Das Ganze darf nur nicht länger als fünf Minuten dauern, sonst ist die Session verloren.

Mobile Payment: Die Suche nach dem Mehrwert
Die Benutzerführung der Yapital-App ist sehr intuitiv
Bei Yapital erzeugt die Kasse einen QR-Code, der dann gescant werden kann. Der Vorgang ist nicht wirklich schneller als die EC-Kartenzahlung. Beide Systeme verlangen freilich eine Onlineverbindung während des Bezahlvorgangs. Die ist im, Innenraum eines Stahlbeton-Gebäudes nicht immer gegeben. Außerdem könnte der User die Datenverbindung zum Schutz seines Akkus – oder seiner Privatsphäre - gekappt haben.

Kleinbeträge als Treiber?

Aus Sicht des Kunden in Deutschland ist der Mehrwert gegenüber der EC-Karte verschwindend gering. Da er sich nicht sicher sein kann, wo er mobil bezahlen darf, muss es eine Alternative – also Bargeld oder EC-Karte – parat haben und spart sich nicht das Mitnehmen des Portemonnaies. Ein großer Treiber für Mobile Payment könnte tatsächlich die Bezahlung von Kleinbeträgen sein, die üblicherweise mit Münzen vollzogen werden. Das gilt also für Parkuhren, Fahrscheinverkauf und Snackautomaten. Das hat ja hierzulande schon die Geldkarte mit recht überschaubarem Erfolg versuch, trotz eines Anreizsystems mit Rabatten.

Allerdings sind der britische und deutsche Markt auch nicht ohne weiteres vergleichbar. Die Technik-affinität ist zumindest in den Städten noch etwas höher als hierzulande und in den Supermärkten sind Selbstbedienungskassen, wie sie hier zum Beispiel Ikea einsetzt, gang und gäbe. Das CEBR jedenfalls wagt die Prognose, dass 2018 rund 20 Millionen Engländer mit dem Handy bezahlen, aber nur, wenn sich die Händler endlich dran machen das Thema zu bewerben. Na dann: Los.


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Thema: Mobil

Schlagworte: Mobile Payment

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