Wearables im Handel: Das große Experimentieren hat begonnen

Von Julian Heck Julian Heck | 27. Januar 2015 | 1 Kommentar Kommentieren

Wearable Devices sind groß im Kommen. Doch die tragbaren Geräte sind nicht nur Unterhaltungselektronik. Im Handel könnten sie für einen echten Innovationsschub sorgen. Vor allem in Sachen Payment und Werbung machen sich Wearables nützlich, wie erste Bestrebungen zeigen.

Glaubt man aktuellen Prognosen, werden Wearables in den nächsten Jahren die Massen erobern. Das Marktforschungsunternehmen IDC zum Beispiel rechnet damit, dass im Jahr 2018 schon 100 Millionen Wearables über den (virtuellen) Ladentisch gehen sollen. Das wäre das Fünffache von dem, was IDC für das letzte Jahr prognostiziert hat. Auch der Umsatz steigt dementsprechend rasant, so die Zahlen von IHS Technology.

Wearables Infografik Bitkom IHS Technology

Es sind also die kleinen tragbaren Computer, meistens für das Handgelenk, die das Leben – in Ergänzung zu dem Smartphone – grundlegend verändern könnten. Anders als das Smartphone, das in der Hosentasche steckt und bei jeder Nutzung bewusst in die Hand genommen werden muss, sind Smartwatches, Armbänder und Datenbrillen nun Geräte, die ununterbrochen am Körper getragen werden. Ein großes Potential in vielerlei Hinsicht.

Samsung hat Ende 2014 Technik-Trends formuliert. Einer davon: Wearables werden in diesem Jahr in den Business-Alltag einziehen. Gut, spielt Samsung selbst in der Wearables-Liga mit, weshalb solche Prognosen sicherlich nicht ganz uneigennützig sind. Dennoch verdeutlicht es den Weg, wohin sich der Wearables-Markt entwickeln wird. Lysa Clavenna, für Innovation zuständige Managerin bei Samsung in Europa, erläuterte die Samsung-Prognose: „Für 2015 prognostizieren wir, dass das Arbeits- und das Privatleben der Menschen weiter verschmelzen. Die Technologie fördert dabei die ,Always-On‘-Kultur.“ Und von dieser Always-On-Kultur kann der Handel profitieren.

Wirecards Bezahlarmband

Vor wenigen Tagen auf Hubert Burdas Digitalkonferenz #DLD15 in München hat der Bezahldienstleister Wirecard das erste Mal öffentlich sein Bezahlarmband präsentiert. Damit können Nutzer bequem am POS ihren Einkauf bezahlen. Dafür müssen sie das Wirecard Smart Band einfach an ein NFC-Bezahlterminal halten. Notwendig ist außerdem, dass das smarte Bezahlarmband per Bluetooth Low Energy (BLE) mit der Smartphone-App verbunden ist. Dabei darf das Smartphone ruhig im Offline-Modus sein. Diese Bezahllösung eigene sich eigenen Angaben zufolge zum Beispiel für Hotels und Resorts, Festivals, Kreuzfahrtschiffe, Skigebiete und Themenparks. Die Message ist klar: „Die Zukunft des Bezahlens ist tragbar. Wearables sind der neue Trend im Bereich internetbasierter Geräte“, so Markus Braun, CEO von Wirecard. Erkannt haben das aber auch andere. Der Mobile-Payment-Spezialist Valuephone etwa bietet das Bezahlen mit der Smartwatch schon mit dem Modell von Pebble an. Samsung und Apple sollen folgen.

Wochenendeinkauf mit Google Glass

Die britische Supermarkt-Kette Tesco hat erst kürzlich ihre Einkaufs-App „Tesco Groceries“ vorgestellt, mit der die Nutzer der Google-Brille Produkte scannen und dem Warenkorb hinzufügen können. Schmiere ich also morgens mein Brötchen und stelle fest, dass die Marmelade fast leer ist, scanne ich den Barcode und die Marmelade liegt – bei Verfügbarkeit – im Tesco-Warenkorb. Das Ganze hat allerdings einen kleineren und einen größeren Haken. Der kleine Haken: Den Einkauf tätigen kann ich nicht mit Google Glass, sondern brauche dafür mein Smartphone oder Tablet. Der große Haken: Die Entwickler-Version von Google Glass wurde in dieser Woche aus dem Verkauf genommen. Die Entwicklung findet nicht mehr in Googles Explorerprogramm Google X statt, sondern wird in eine eigene Abteilung ausgelagert. Ob das ein eleganter Abgang der Datenbrille war oder sie in wenigen Monaten Jahren wieder ein großes Comeback feiert, bleibt abzuwarten.

Shopping with Google Glass from Tesco Labs on Vimeo.

Werbung to go

Ein weiteres großes Einsatzfeld von Wearables im Handel ist das Marketing. Wer Always-On-Geräte trägt, ist auch ständig empfangsbereit für Werbung. Hier tut sich gerade ziemlich viel. Der US-Werbespezialist TapSense etwa hat gerade erst eine Werbeplattform für die noch nicht erschienene Apple Watch gelauncht. Werbende können dort ihre Anzeigen platzieren, die erst dann ihre große Wirkung entfalten, wenn sie standortbasiert sind. Läuft der Träger einer Apple Watch beispielsweise an der Filiale einer Kaffeehauskette vorbei, könnte automatisch ein Gutscheincode angezeigt werden. Magic!

TapSense Apple Watch
Der US-Händler Marsh hat die Apple Watch und das Potential für standortbasierte Werbung ebenfalls für sich entdeckt. Die 75 Läden, die Marsh mit Bluetooth-Sendern, sogenannten iBeacons, ausgestattet hat, können die Kunden zielgenau mit einer Anzeige auf ihrer Apple Watch beglücken. Rabatt-Coupons, besondere Angebot und mehr können damit den Kunden im Supermarkt an bestimmten Positionen unmittelbar zugespielt werden.

Wearables – ein Experimentierfeld

Noch stehen wir ganz am Anfang der Entwicklung, wie Wearables außerhalb der Just4fun-Nutzung eingesetzt werden können. Kein Wunder also, dass zurzeit viel experimentiert und erprobt wird: Google Glass wurde schon bei Operationen eingesetzt, im Kundenservice bei einer Airline ebenfalls, Virtual-Reality-Brillen haben im Marriott-Hotel schon eine Verwendung gefunden und wie oben beschrieben wird in den Bereichen Payment und Werbung viel getestet. Wearables stehen also weit oben auf der Agenda vieler Entwickler und Unternehmen. SAP und Samsung beispielsweise haben im November eine Zusammenarbeit bekannt gegeben, um innovative Unternehmenslösungen für Wearables zu entwickeln. Es tut sich was. Der Wearables-Hype hat gerade erst begonnen.


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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Wolfgang Klein
    Erstellt 22. Februar 2015 23:27 | Permanent-Link
    Wklein

    Hat jemand Ideen oder gibt es vielleicht schon Einsatzscenarien oder konkrete Anwendungen für Wearables in Unternehmen? http://ibmexperts.computerwoche.de/forum/mobile-enterprise/leserfrage-wearables-im-mobile-enterprise

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