Beacon und Apps: Wo das Freudenfeuer im Mobile Commerce ein bisschen glimmt

Von Stephan Lamprecht | 22. Juli 2015 |

Es sind gleich zwei Schwächen, zu denen ich mich ohne Umschweife bekennen kann. Ja, ich spiele gern mit Smartphone und Tablet herum. Und nicht immer steckt da allein tatsächlich berufliches Interesse dahinter. Und ich kaufe gern ein. Beides zusammen eine aus Sicht von Strategen für Omnichannel-Marketing ideale Kombination. Wenn sich da nicht eine gewisse Müdigkeit in Sachen Apps, Push und Dingeling einstellen würde.

Beacons - erlischt das Funkfeuer schon wieder?

Es ist schon auffällig, aber im Zusammenhang mit Beacons müssen meine schreibenden Kollegen und ich regelmäßig zum Konjunktiv greifen. Der Händler “könnte dem Kunden” dann diese oder jene Informationen aufs Smartphone pushen.

Irgendwie sind sich alle einig darüber, dass Beacons eine sehr nützliche Sache sind. Und auch irgendwie umwälzend, denn würde Google sich sonst mit einem eigenen Gegenstandard positionieren? Aber so richtig überzeugende Use-Cases, die bereits am Start sind, gibt es derzeit eher selten.

Vor allem beantwortet niemand so richtig die Frage, welchen Grund der Kunde haben soll, die zum Einsatz von Beacons benötigte App zu installieren. Bevor es funken kann, muss aber die erste Hürde übersprungen werden.

Antworten fehlen auch noch zu:

  • Wie soll der Kunde dazu bewegt werden, ständig Bluetooth aktiviert zu haben? Denn einer der grundlegenden Tipps zum Stromsparen lautet in jedem Medium, gerade diesen Baustein nur bei Bedarf zu aktivieren.
  • Und wie werden die Bedenken der Kunden zerstreut, am POS getrackt zu werden?

Hätte, hätte Fahrradkette - der Konjunktiv als Feind des Erfolgs im mobile Commerce

Die schöne Grafik ist übrigens nur ein Ausschnitt aus einer umfangreicheren Gesamtschau, die Sie hier als PDF erhalten.

Die Kollegen der Zeitschrift “Der Handel” haben sich ebenfalls mit dem Thema Beacons beschäftigt und dabei einen sehr lesenswerten Artikel produziert. Wenigstens die darin genannten Tipps sollten Händler beherzigen, wenn das Beacon-Experiment Aussicht auf Erfolg haben soll.

App ins Einerlei - wo sind die mutigen Marketing-Chefs?

Hätte, hätte Fahrradkette - der Konjunktiv als Feind des Erfolgs im mobile Commerce
Die App von Ernstings Family ist schick und kurzweilig. Aber ob sie auf die Dauer begeistern kann?
Wie viele Apps einer Handelskette oder Shops haben Sie auf Ihrem Smartphone? Bei mir sind es derzeit vier. Neben einer Wetter-App, dem DB-Navigator und dem Programm meines Verkehrsverbundes im ÖPNV schaffen es immer mal wieder kommerzielle Progrämmchen, für eine Weile auf meinem Home-Screen aufgenommen zu werden. So richtig überzeugt hat mich langfristig noch keine.

Das liegt in erster Linie daran, dass sie sich fast ähneln wie die sprichwörtlichen Eier: Filialfinder, Sonderangebote, Gutscheine, elektronische Kundenkarte, Kontostand der Bonuspunkte, Wunschzettel.

Man sieht den Apps den Verlauf der Besprechungen, in denen das Konzept entstanden ist, fast an: Was funktioniert anscheinend bei den Nutzern? Am besten gleitet man bloß nicht zu sehr in die Nische ab, um eine möglichst große Reichweite zu erreichen.

Das alles führt dann aber dazu, dass viele Infos aus der App genauso auch auf der responsiven Internetseite der Firma angeboten werden.

Wo sind die Apps mit einem konkreten Nutzen? Solche, die praktisch sind und sich in das Gedächtnis eingraben, wie zum Beispiel der Farbfinder von Obi?

Hätte, hätte Fahrradkette - der Konjunktiv als Feind des Erfolgs im mobile Commerce
Wirklich nützlich: Der Farbfinder inklusive Berater für den OBI-Baumarkt.
Warum kann mir eine App nicht die Navigation bis zum Regal mit einem Sonderangebot erleichtern? Warum lotst mich keine App direkt in den nächstgelegenen Store, wenn es dort eine Sonderaktion gibt? Warum versuchen Unternehmen nicht, bereits gut laufende Apps externer Entwickler zu re-branden oder in eigene Programme zu integrieren? So würde die Software, mit der sich Grundrisse per Cam anlegen lassen, eine schmucke Figur in einer Baumarkt-App machen. Die könnte mir dann etwa bei der Kalkulation der benötigten Farb- und Tapetenmengen helfen.

Klar, Konsumenten haben sich an Apps gewöhnt. Aber wenn das Programm echten Nutzen bietet (z.B. bei Deichmann mit dem Scanner, der mir u.a. aus dem Kundenmagazin weitere Infos holt), dann ist da auch noch Platz auf dem Handy.

Bevor mit Beacons schon wieder die sprichwörtliche nächste Sau durch das Retailer-Dorf getrieben wird, gäbe es bei den Apps noch jede Menge zu tun.

 


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Thema: Mobil

Schlagworte: Apps, Mobile, Omnichannel, Beacon

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