Mobile Commerce: Usability statt Firlefanz

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 10. September 2012 | 1 Kommentar Kommentieren

BAUR-Versand
Jason Goldberg, Gründer des Design-Kaufhauses Fab.com glaubt an die mobile Shopping-Zukunft: „We believe that the future of shopping is in your pocket and on your tablet.“. Ein Jahr nach dem Launch der App macht Fab.com bereits 30 Prozent des Umsatzes mit der App.  50 Prozent Umsatzanteil findet er in naher Zukunft realistisch. Von solchen Zahlen im M-Commerce sind deutsche Händler in der Regel noch weit entfernt. Doch sie holen auf. Schließlich gewinnt der mobile Einkaufskorb an Fahrt - in jeder Einkommenschicht. 

Die Otto-Tochter Baur überraschte nach einem Relaunch der mobilen Website mit deutlich gestiegenen Konversionsraten.  In Spitzen bis zu acht Prozent des Umsatzes generiert Baur mittlerweile über Smartphones und Tablets. Dabei kommt das mobile Angebot optisch eher spartanisch daher. Es überzeugt aber mit klarer Usability.

Was intern etwas salopp als „Projekt Wurstfinger“ tituliert wurde, taugt als Modell auch für andere Händler.

 Diese Lehren lassen sich aus den Erfahrungen bei Baur und Co ziehen:

Größe zählt

Die klickbaren Elemente wurden bei Baur beim Rebrush um 33 Prozent vergrössert. Leichteres Tippen senkt die Frustrate beim Einkauf, wenn aufgrund zu kleiner Elemente wieder einmal der falsche Button erwischt wurde. In der gesparten Zeit kann der Kunde auch mehr Produkt einkaufen. 

Die Suche ist kein Stiefkind

Die Suche ist auch mobil ein tragendes Element. Je größer das Icon und desto sichtbarer der Suchschlitz, desto eher wird sie vom Kunden genutzt. Wichtig ist aber auch die Darstellung der Suchergebnisse: Endlos lange Listen sind nicht das, was der Kunde erwartet.

Wischen statt klicken

Der Mobile Webshop muss sich den Funktionalitäten des Endgerätes anpassen. Immer noch gibt es mobile Websites, die lediglich die Desktop-Variante anbieten – samt der Paginierung für etliche weitere Website. Da werden dann zuweilen 5 Produkte angezeigt und weitere Auswahl gibt es erst nach einem Klick auf die nächste Seite. Mobile ist die Seiten-Denke überflüssig. Der Nutzer kann ja im Sortiment hin und her wischen.

Einfache Bezahlung

Bekannt Bezahlverfahren aus der klassischen Website müssen auch mobil ermöglicht werden, mit klarer Struktur und möglichst wenigen Schritten eine Bezahlung erlauben (One-Click-Checkout) und ohne lästige Umleitungen erfolgen.

etsy app
Bilder als Serviceelement

Auf der klassischen Website sind große Bilder und Zoomfunktionen Standard. Mobil wird gerne an dieser Stelle gespart. Händler, insbesondere im Fashion-Bereich, sollten aber überlegen, ob nicht in einigen Kategorien das optische Angebot aufgebohrt werden könnte. Beispielsweise bei Produkten, in denen Kunden die Textur eines Produktes wichtig ist. Hier sind Bilder keine Spielerei, sondern ein wichtiges Serviceelement.

Mobile und Social Media gehen Hand-in-Hand

Elemente zur sozialen Vernetzung sind heutzutage Pflicht. Gerade mobile. Konsumenten wollen nicht einfach eine Mini-Version der Desktop-Website auf ihrem Smartphone sehen. Stattdessen erwarten sie - das Handy ist schließlich immer auch ein Kommunikationswerkzeug - Optionen, die ihnen helfen, ihr mobiles Shopping-Erlebnis, ihre bevorzugten Produkte und Einkäufe mit ihrem Netzwerk zu teilen.

Nutzungssituation kennen

Händler müssen berücksichtigen, dass sich Käufer am Smartphone oder Tablet in einer komplett anderen Nutzungssituation befinden, als Desktop-Kunden. Vielfach ist der Mobile Commerce schlicht Couch Commerce. Der Kunde befindet sich eher in einem entspannten Genussmodus. Ebensogut könnte er aber auch mal eben schnell während des Werbeblocks bei einem Spielfilm im Webshop vorbeischauen. Für solche Szenarien muss der mobile Webshop Antworten finden.

statistik mobile bvh
Untersuchung des Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh) und Creditreform Boniversum. Grafik: Boniversum

Kundenwege ansehen

Händler müssen sich die Kundenwege genau ansehen. So hat die Plattform Etsy herausgefunden, dass Kunden, die gerne Produkte bei Facebook „liken“ ein Trafficbringer sind. Reichlich Kundschaft kommt auch via Pinterest. Das erzeugt Links, die dann häufig auf Detailseiten und den Etsy-Shop führen. Um diese Kunden mobil besser abzuholen, hat die Handarbeitsplattform insbesondere Listen, Shop, Check-out und Registrierung optimiert, damit Kunden die gewünschten Informationen rasch finden.

App promoten und aufhübschen

Sie wollen ihre App pushen? Auch dabei kann der mobile Webshop hilfreich sein, in dem sie dort aktiv den Download der App anbieten. Die dann aber nutzerorientierte Zusatzleistungen anbieten muss, damit der Kunde motiviert wird, die App häufiger einzusetzen. Beispielsweise indem die Anwendung einen Aktivitätsfeed bietet, der anzeigt, was die Freunde bei Facebook gerade im Shop mögen. Eine derartige Option nutzt beispielsweise mit großem Erfolg das Design-Kaufhaus Fab.com.

Mobile Schnäppchen

Schnäppchen sind natürlich auch mobil großartig. Aber sie sollten sich von Allerwelts-Rabatten unterscheiden. Promotions, die spezifisch auf den Kanal zugeschnitten sind und Chancen der Personalisierung nutzen, beispielsweise mit Hilfe des Einkaufsverhaltens, können die Kundenbindung erhöhen.


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Thema: Mobil

Schlagworte: M-Commerce, Baur, Mobile Commerce, Fab, Etsy

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Erstellt 10. September 2012 16:35 | Permanent-Link

    Hi Olaf,
    starker Bericht, mit einer kurzen Anmerkung.
    Die Zahlen, die Jason in seinem Blog genannt hat, sind globale Daten und nicht auf die USA beschränkt.
    Das heißt, dass auch in Deutschland, dem zweitwichtigsten Markt für Fab, ein großer Fokus auf Mobile gelegt wird und ein Großteil des Umsatzes, insbesondere am Wochenende, über Mobile (Tablets und Smartphones) generiert wird.
    Der Trend hat sich übrigens über die letzten Wochen sehr stark beschleunigt, ohne dass wir die User Experience bisher stark verbesser haben - das wird jetzt in den nächsten Wochen jedoch sowohl in den USA wie auch in Europa/ Deutschland kommen.
    Grüße aus Berlin,
    Roman (Gründer Casacanda/Fab.de und jetzt als SVP bei Fab.com)

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