Mobiltelefonie ohne Handy - Geht das?

Von Andre Paetzel Paetzel | 18. März 2013 |

Sachar Kriwoj
Sachar Kriwoj
Sachar Kriwoj

Es geht. Zumindest, wenn man sich die Strategien und Wege der großen Mobilfunkmarken anschaut. Es sind bei weitem nicht mehr nur die Anzeigen mit neuen Handys und Verträgen, die uns im Tagesablauf begegnen. Mittlerweile werden seitens der Unternehmen und Marken ganze Welten geschaffen, in die der Kunde, oder der, der es mal werden soll eintauchen darf. Das sind dann auch Handelswelten.

Eine dieser Welten findet man zum Beispiel in Berlin. Direkt "Unter den Linden" hat Base vor etwas mehr als einem Jahr ein neues Konzept ausgerollt. Seitdem erfreut sich das BASE_camp immer größer werdender Beliebtheit. Sachar Kriwoj, Leiter Digital Public Affairs, zog im Interview mit etailment eine Bilanz.

Für die, die es nicht kennen, was ist BASE_camp?
 

Das BASE_camp ist der ungewöhnlichste Mobilfunkladen Deutschlands und vielleicht sogar der ganzen Welt. Man kann hier nicht nur die neuesten Smartphones und Tablets ausprobieren, sondern auch essen und trinken, das kostenfreie W-Lan benutzen oder an vielen verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen. Wir haben die größte interaktive twitter-Installation der Welt, über die kunstvoll die Trending Topics in Deutschland visualisiert werden. Damit wollen wir Menschen, die bisher twitter noch gar nicht kennen, zeigen, dass die meistdiskutierten Themen im digitalen Raum sich kaum von denen unterscheiden, über die wir von Angesicht zu Angesicht sprechen. Wir wollen Menschen eine weitere Anregung geben, das Digitale selbst zu erleben.

 
Für wen wurde das BASE_camp gemacht?
 

Für Menschen mit einem großen Interesse an Kommunikation; sie kommen nicht nur zu unseren Events sondern auch tagsüber, um sich mit anderen Menschen im BASE_camp zu vernetzen. 

Für Menschen, die bisher kaum Berührungspunkte mit dem mobilen Internet hatten. Sie können sich umfassend beraten lassen, Geräte in Ruhe beim Kaffee oder Mittagessen ausprobieren und bei Bedarf ein Smartphone oder Tablet kaufen oder einen Vertrag abschließen. Wir gehen sogar noch weiter und bieten diesen "Digital Rookies" kostenlose Schulungen an. Dabei lernen sie die Grundlagen der mobilen Kommunikation - von der Inbetriebnahme bis hin zum Runterladen und Nutzen von Apps.

 Für ganz "gewöhnliche" Menschen, die die Marke BASE und das Internet anders erleben wollen.

 
Nun bringt man BASE ja eigentlich sehr stark mit Handyverträgen in Verbindung. Wo ist die Schnittstelle?
 

base camp
BASE steht für mehr als "nur" Handyverträge. Wir verbinden Menschen und bieten ihnen die Möglichkeit, moderne Kommunikationsmittel zu günstigen Preisen zu nutzen. Unser Anliegen als Marke war es schon immer, Kommunikation zu demokratisieren und sie jedermann zugänglich zu machen. Es war die Marke BASE, die im Jahr 2005 die Flatrate in den deutschen Mobilfunkmarkt gebracht hat. Insofern ist es selbstverstänlich, dass wir immer wieter versuchen, mehr Menschen für moderne Kommunikation zu gewinnen und begeistern. Das gelingt uns im BASE_camp nicht nur über die vielen Events sondern auch über die bereits erwähnten Schulungen, durch die wir vor allem älteren Menschen die Angst vor Smartphones und Tablets nehmen.

Und wie nehmen Kunden das Angebot auf?

 Eine generelle Antwort fällt schwer. Events liefen von Anfang an sehr gut. Das gastronomische Angebot musste sich ebenso erst herumsprechen wie die Tatsache, dass man im BASE_camp ungezwungen und ohne Druck Smartphones einfach mal ausprobieren kann. Kein Verkäufer bedrängt einen in dieser Phase, man kann sich dabei Zeit lassen. Mittlerweile funktionieren diese Bereiche sehr gut. Die Smartphone- und Tablet-Schulungen liefen vom ersten Tag an wie geschnitten Brot. Die Teilnehmer (allesamt so um die 70 Jahre) erzählen ihren Freunden und Bekannten davon, so dass die Mundpropaganda an dieser Stelle ganz wunderbar - auch ohne facebook und twitter - funktioniert.

Welche Learnings gab es?

Wir lernen jeden Tag dazu - schon deswegen, weil sich das Internet und somit die Ansprüche und Bedürfnisse der Menschen täglich verändern und weiterentwickeln. Dadurch entwickeln sich unsere Produkte fortwährend weiter - ebenso unsere Beratung. 

Kleines Beispiel: Ich habe 2010 angefangen, für die E-Plus Gruppe zu arbeiten. Damals wurde ich ganz häufig gefragt, ob wir mit unserer Kommunikation denn tatsächlich auf facebook vertreten sein müssen. Heute hingegen lautet einer der ersten Frage, wie wir unseren Auftritt auf facebook dermaßen gestalten können, dass er den größtmöglichen Nutzen erzeugt.

Wie wird das BASE_camp in 5 Jahren aussehen?

Wenn Du mir sagst, wie das Internet in fünf Jahren aussehen wird, sage ich Dir, welche Auswirkungen das auf das BASE_camp haben wird. Es wird sich immer wieder verändern. Das muss es, damit es das ist, was es sein soll: Ein Ort, an dem man digitale Kultur, mobile Kommunikation und die Dynamik des Internets spürt.

Welche Rolle spielen diese Einrichtungen für die digitale Kommunikation?
 
Wir stellen aktuell fest, dass immer seltener unterschieden wird zwischen digitaler und physischer Kommunikation. Und das ist auch gut so. Aufgrund der Tatsache, dass sich die digitalen Kommunikationsmittel immer weiter verbessern, macht es kaum noch einen Unterschied, wie wir kommunizieren. Wichtig ist, dass man sich häufig von Angesicht zu Angesicht begegnet. Das kann bei einem Event im BASE_camp oder auch per Google Hangout, Skype oder Facetime passieren. Mithilfe von Smartphones und günstigen Mobilfunktarifen ist Video-Telefonie für Viele schon heute ein unverzichtbares Kommunikationsmittel. Und ich gehe sehr stark davon aus, dass wir noch lange nicht die Spitze der Evolution in dem Segment erreicht haben. Menschen brauchen die Begegnung, die nicht nur auf Text oder Videos basiert, das Unerwartete. Das bieten ihnen neben den angesprochenen Video-Diensten vor allem Events; insofern ist ein Ort wie das BASE_camp wichtig.
 
Was hat am meisten beindruckt?
 
Wie schnell ältere Menschen den Umgang mit Smartphones oder Tablets lernen. Bis dato haben sie oftmals Angst und packen nicht einmal die Geräte, die sie entweder zu Weihnachten geschenkt bekommen oder sich selbst gekauft haben, aus, weil sie sich fürchten, etwas kaputt zu machen oder "das Internet zu löschen". In unseren Schulungen nehmen wir sie an die Hand und führen ihnen vor, wie leicht Smartphones zu bedienen sind. Innerhalb weniger Momente wird in ihnen die kindliche Unbeschwerheit und die Neugierde geweckt; am Ende sind sie dann so fit, dass sie Wochen später auf uns zukommen und uns etwas von Apps erzählen, von denen wir noch nie etwas gehört haben und die ihnen das Leben ein kleines bisschen leichter machen. Zu sehen, dass dieses Konzept aufgeht, ist ein unglaublich befriedigendes Gefühl.
 
Wer wäre ein Wunschgast?
 
Jeder Besucher des BASE_camps ist herzlich willkommen. Für den UdL Digital Talk, bei dem ein politischer Entscheidungsträger mit einem Vertreter der Digitalisierung auf Augenhöhe diskutiert, würde ich mir nach zuletzt Philipp Rösler und John Kerry nun Angela Merkel und anschließend Barack Obama wünschen. Vielleicht auch noch den neuen Papst; immerhin twittert der ja.
 
Ein Resümee in 3 Sätzen?
 
Ungewöhnliche Konzepte brauchen immer ein wenig länger, bis sie verstanden werden. 

Keine Idee, egal, wie gut sie ist, funktioniert, ohne das dazugehörige Team.

Wenn Du weißt, dass Du das Richtige tust, stellt sich der Erfolg früher oder später automatisch ein.


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Thema: Mobil

Schlagworte: Mobile, Base

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