MyTaxi: Die Wut der Taxizentrale über Daimler und die fehlende Weitsicht

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 31. Januar 2012 |

myTaxi App Taxibestellung
War für den Taxiverband noch im Sommer nur in Hype: Mytaxi

Der Deutsche Taxi- und Mietwagenverband (BZP) schäumt vor Wut. Wut, weil sich Daimler, Lieblingsmarke der Taxi-Fahrer, über die Tochter Car2go millionenschwer am Startup MyTaxi beteiligt.

Die Angst sitzt den Taxizentralen im Nacken. Es ist die Angst vor dem Tod. Sie ist nicht unberechtigt.

Denn disruptive Techniken gefährden das Geschäft der traditionellen Zwischenhändler und Vermittler. Verbände wie der Taxi-Verband sollten sich daher weniger über Dritte empören, als über die mangelnde Weitsicht der eigenen Vorstände. 

In einem offenen Brief an Daimler-Vorstand Zetsche macht der Verband seinem Ärger Luft:

"Entscheidend ist für die Branche, dass nun erneut ohne Absprache, ohne Information und mit eindeutig das Taxi- und Mietwagengewerbe und seinen Verband schädigenden Methoden vorgegangen wird und der BZP als erklärter Freund Ihres Hauses vor der Branche als Depp dasteht!"

Der Ärger über das Verhalten von Daimler und eine mangelhafte  Informationspolitik ist nur vordergründig. MyTaxi könnte die Taxiwelt revolutionieren. Die automatische Taxireservierung mit der Smartphone-App ohne dass eine Zentrale zwischengeschaltet ist, gefährdet die Taxizentralen und schmälert ihre Provisionen. Sie werden schlicht nicht mehr benötigt. MyTaxi könnte für die Fahrer obendrein günstiger sein: Pro vermittelte Fahrt sollen nur 79 Cent an myTaxi fällig werden. Bei den Taxizentrale liegen die Provisionen angeblich deutlich höher.

Die wehrten sich zunächst offenbar mit unbotmäßigen Mitteln. Der BZP, er repräsentiert bundesweit rund die Hälfte der etwa 25 000 Taxiunternehmen, hatte 2011 wohl über eine Vertragspassus nachgedacht, der Fahrern die unautorisierte App-Nutzung untersagt. "Einige der bundesweit rund 500 Zentralen drohten ihren Fahrern sogar mit Ausschluss, sollten sie die App weiterhin nutzen. Deshalb wurde das Thema ein Fall für die Justiz. Das Oberlandesgericht Frankfurt erklärte die Zwangsbindung an eine Taxizentrale für wettbewerbswidrig", schreibt das Abendblatt

Sinnvoll ist diese Art der Wettbewerbsverweigerung ohnehin nicht. Sie zögert das Siechtum nur hinaus.

Der einzige Ausweg ist es, sich dem Wandel anzupassen und sich selbst disruptiver Techniken zu bedienen, um dann Konkurrenten über Angebot, Komfort und Serviceleistungen zu schlagen. Doch die bisherigen Versuche sind bestenfalls so mittelschlecht.

Von der Taxi Deutschland Servicegesellschaft für Taxizentralen eG gibt es seit langem die App "Dein Taxi". Doch die Bewertungen sind mies. Lokale Lösungen wie in München machen für mobile Menschen wenig Sinn. Die Taxi Pay GmbH mit Sitz in Berlin will mit der neuen  App  Taxi.Eu die Zentrale immerhin miteinbeziehen.  Vielleicht wird das etwas.

Doch um neue Techiken als Chance zu begreifen,  muss man den Wandel erst einmal ernst nehmen.

Beim Taxiverband scheint das Problem erst gedämmert zu sein, als Daimler bei Mytaxi mitmischte. Noch im Sommer 2011 sagte  BZP-Geschäftsführer Thomas Grätz dem Focus:

„Ich halte das für einen Hype, der nun nach viel Euphorie am Anfang und einem gutem Marketing abklingt.“

Der BZP sollte also weniger über Daimler-Vorstand Zetsche empört sein, als über die fehlende Weitsicht des eigenen Vorstands.

Das sollte andere Unternehmen alarmieren. Es sind ja nicht die Taxizentralen allein, die von neuen Techniken und innovativen Geschäftsmodellen bedroht sind. Modelle wie Car2go verändern das Wettbewerbsumfeld der Mietwagenzentralen, 9Flats, AirBnB und Wimdu unterminieren auf Dauer das Hotelgeschäft, Möbel-Portale wie Myfab machen durch den Direktversand ab Fabrik  jeden weiteren Zwischenhandel überflüssig, Re-Commerce-Plattformen machen noch gar nicht mal so alten Modellen wie Ebay Konkurrenz.  Die Liste ließe sich fortsetzen. 

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Thema: Mobil

Schlagworte: App, Verbände, MyTaxi, Re-Commerce, Car2go, Taxi

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