Christian Leybold, eVentures: "Modelle an der Schnittstelle sind hochspannend"

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 29. Juli 2013 |

leybold VC
Für reine Handelsmodelle als E-Commerce-Neugründung wird der Markt immer enger. Das glaubt Christian Leybold, Partner beim Risikokapitalgeber BV Capital / eVentures Capital Partners. In welchem Segmenten er Start-ups gute Chancen gibt, und was er von der Flut neuer Inkubatoren hält, verrät er im Interview mit etailment.

Innovationen wollen Investments , doch einige tolle Ideen sind zuletzt auch (spektakulär) gescheitert. Wird nun vorsichtiger investiert?

Christian Leybold: Wir bei eventures haben nicht beobachtet, dass aktuell mehr Investments scheitern als früher, jedoch nimmt die Aufmerksamkeit der Medien stark zu. Zu unserem Job gehört es, die Risiken, die mit einem Investment einher gehen, genau abzuwägen und bewusst in Kauf zu nehmen. Wir werden weiterhin so risikofreudig wie eh und je investieren, das gehört zu unserem Geschäft.


Wo haben Sie zuletzt investiert?

Leybold: Wir haben beispielsweise in das Unternehmen Shutl investiert. Shutl bietet Multichannel Retailern die Möglichkeit, online bestellte Produkte innerhalb von 90 Minuten zu liefern. Im Hintergrund sind Kuriere angeschlossen, die die Auslieferungen ausführen. Wir halten Shutl damit für einen sog. “Category Creator” im Multichannel Retail, der das aktuelle Kundenerlebnis erheblich verbessern kann.


Sehen Sie einen Wandel der Schwerpunkte bei Investments weg von reinen E-Commerce-Lösungen hin zu Services und Mobile-First-Anwendungen?

Leybold: Viele Nischen sind bereits mit starken Playern besetzt, insofern ist es ganz normal, dass es für reine Handelsmodelle als E-Commerce-Neugründung immer “enger” wird. Entscheidend ist der extra Hebel im Geschäftsmodell, mit dem man sich online vom klassischen (offline-) Handelsmodell differenziert und beispielsweise eine höhere Retention zeigen kann. Mobil ist natürlich durch die wachsende Nutzung ein Schwerpunkt, aber auch Modelle an der Schnittstelle online-offline sind hochspannend.

eVentures

eVentures Capital Partners GmbH agiert als Frühphaseninvestor. Die Otto Group zählt zu den wichtigsten Kapitalgebern. Dennoch erfolgen Investments konzernunabhängig. Zu ehemaligen und derzeitigen Investments gehören unter anderem Groupon (Exit), KauDa (an Axel Springer), Auctionata, 9flats, Shutle. Christian Leybold leitet als General Partner zusammen mit Andreas Haug die europäischen Aktivitäten.
 

Man kann derzeit das Gefühl haben, jedes große Unternehmen und Medienhaus gönnt sich heute einen eigenen Inkubator.  Wie spannend sind die dort entstehende Innovationen für Sie als VC?

Leybold: Wir als VC freuen uns grundsätzlich sehr über Aktivität in unserem Markt. Die Entwicklung der vielen Inkubatoren beobachten wir gespannt. Grundsätzlich bewerten wir das positiv, da all diese Unternehmen potenziellen Dealflow, also spannende Investmentmöglichkeiten für uns generieren. Aus Konzernsicht ist das ein sehr smarter Weg sich Innovationen anzunähern und es gibt unendlich viele Ansätze einen Inkubator aufzusetzen, da muss jeder Konzern für sich den richtigen Weg finden.

 

Was ist der größte Fehler deutscher Start-ups bei der Suche nach Investments?

Leybold: Bei der Suche nach Investments gibt es natürlich ein paar Grundregeln, die man beachten sollte. e.ventures agiert nach den (ungeschriebenen) Gesetzen des Silicon Valley. Ein Grundmaß an Vertrauen ist dabei extrem wichtig, das bedeutet zum Beispiel, dass ein Startup sobald ein Term Sheet unterschrieben wurde, nicht mehr mit anderen Investoren spricht. Außerdem sollte jedes Gründerteam mit gut aufbereiteten Unterlagen aufschlagen, da sich der Prozess sonst zu sehr in die Länge ziehen kann.

Mit Christian Leybold und weiteren Investoren sprechen wir beim  etailment-Summit im November in Berlin über Trends, Innovationen und die Ziele der Geldgeber.


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