Capgemini und Ebay: So sieht die Zukunft des Handels aus

Von Klaus Janke | 10. Juli 2012 | 1 Kommentar Kommentieren

Läden werden zu Showrooms, Tickets, elektronische Medien, Reisen und Bücher werden nur noch über das Internet gekauft, alle Vertriebskanäle sind schön vernetzt – so sehen Studien von Capgemini und Ebay die Zukunft des Handels.

people shopping
Die Handelslandschaft steht vor ziemlich einschneidenden Veränderungen, und das weltweit, wenn man der aktuellen Studie „Digital Shopper Relevancy“ glauben darf, für die Capgemini 16.000 Online-Shopper in 16 Ländern befragt hat. So erwartet mehr als die Hälfte der Befragten, dass die Ladengeschäfte verschiedenster Kategorien bis 2020 zu Showrooms mutieren, in denen man Produkte auswählt und dann bestellt. Auch gehen 60 Prozent der Befragten davon aus, dass aufeinander abgestimmte Vertriebskanäle bis 2014 im Handel Standard sind. Viele Händler würden das bereits heute für sich in Anspruch nehmen, die Befragten sehen es aber anders: Mehr als die Hälfte der Käufer glaubt, dass sich die Händler nicht einheitlich präsentieren.

Der Trend zum E-Commerce vollzieht sich in Entwicklungsländern (zum Beispiel China oder Indien) schneller als in den sogenannten reifen Märkten (Deutschland oder Frankreich). In Entwicklungsländern stufen 80 Prozent den Vertriebskanal Internet als sehr wichtig oder wichtig ein, in den reifen Märkten sind es 63 Prozent. 98 Prozent der Befragten in China und 72 Prozent in Indien geben an, bei einer Transaktion im Internet mehr zu kaufen als in einem stationären Ladengeschäft – in den USA tun dies lediglich 31 Prozent.

Digital Shopper Relevancy Publikationen Studien Capgemini Deutschland

Personalisierung stößt an Grenzen

Laut Studie ist Personalisierung ein mächtiger Trend, der aber auch an Grenzen stoßen kann: Mehr als die Hälfte der Befragten (61 Prozent) begrüßt es, wenn in einem Onlineshop die persönliche Einkaufsgeschichte gespeichert wird, um weitere Käufe einfacher zu machen. Lediglich 41 Prozent würden es dagegen begrüßen, beim Betreten eines Ladens über das Smartphone identifiziert zu werden.

Capgemini betont, dass es den typischen Online-Shopper nicht gibt. Die Consultants empfehlen daher, mit Käufer-Typisierungen zu arbeiten und Shops und Kommunikationsstrategie auf diese abzustellen. Die Studie hat auch gleich sechs Typen zur Hand: Techno-Shy Shoppers, Occasional Online Shoppers, Value Seekers, Digital Shopaholics, Rational Online Shoppers und Social Digital Shoppers. Die aufschlussreiche, 44-seitige Studie kann hier kostenlos heruntergeladen werden.

CDs und Bücher verschwinden aus den stationären Läden

Auch aus der Studie „Die Zukunft des Handels“, die Ebay zurzeit erstellt, liegen bereits einige Ergebnisse vor. Die begleitende Online-Konsumentenbefragung von 1005 Personen ab 18 Jahren durch das Marktforschungsinstitut Innofact lässt ziemlich große Veränderungen im Shopping-Verhalten erwarten. So sagen 72 Prozent der Befragten voraus, dass sie Tickets in Zukunft nur noch per Handy oder Computer kaufen werden, Ähnliches gilt für elektronische Medien (65 Prozent), Reisen (57 Prozent) und Bücher (55 Prozent). Fast die Hälfte der Konsumenten (45 Prozent) kann sich vorstellen, in Zukunft nur noch online und mobil einzukaufen. 60 Prozent geben an, dass sie noch mehr online oder mobil bestellen würden, wenn die Ware noch am selben Tag geliefert würde.

Die Experten, die die Studie betreuen, gehen davon aus, dass Konsumenten bestimmte Güter zukünftig gar nicht mehr im Ladengeschäft kaufen werden: Bücher, Filme und Musik beispielsweise werden dann nur noch digital gehandelt. Aber Ladengeschäfte werden nicht verschwinden. Bestimmte Produkte will der Kunde weiterhin vor dem Kauf sehen, fühlen und testen. Die Verbraucher geben an, dass dies für Lebensmittel (89 Prozent), Fahrzeuge und Zubehör (85 Prozent), Möbel (85 Prozent) sowie Kleidung, Schuhe und Schmuck (78 Prozent) gilt. Darüber hinaus, das prophezeit auch die Ebay-Studie, bleiben die Ladengeschäfte als Showrooms erhalten. 

Klar auch: Die Vertriebskanäle verschmelzen zunehmend. „Im Multi-Channel-Handel steckt enormes Potenzial. Die Kanäle werden so eng verschmelzen, dass die Kunden gar nicht mehr definieren können werden, ob sie gerade offline, online oder mobil einkaufen. Das ist auch nicht notwendig. Das Wichtigste ist, dass wir als Anbieter die Kanäle so ausgestalten und verknüpfen, dass wir den Kunden ein einfaches, bequemes und inspirierendes Einkaufserlebnis bieten können“, so Martin Tschopp, Geschäftsführer von Ebay in Deutschland. 


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Thema: News

Schlagworte: Ebay, Capgemini

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Carla D.
    Erstellt 15. Juli 2012 15:54 | Permanent-Link

    Mir gefällt die Vorstellung, dass Ladengeschäfte zu Showrooms mutieren, in denen man Produkte auswählt und dann bestellt. Mag sein, dass wir nach einem eventuellen Hype, ALLES online zu bestellen, dann Showroom Shopping als Hightlight und Event sehen.

    "die sogenannten 'reifen Märkte' Deutschland/Frankreich" - klingt schon skurril. Oder, weil reife Früchte - nicht geerntet im sich selbst überlassenen Garten - dann irgendwann vom Baum fallen? Und faulen? ;-)

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