Der 50 Milliarden Frustkauf

Von Andre Paetzel Paetzel | 15. Juni 2012 |

Kennen sie den "Lipstick-Faktor"?

„When things get tough, women buy lipstick“ Estee Lauder

Und das hat die gute Frau Lauder nicht einfach so gesagt, sondern das zeigten auch die Abverkaufszahlen von roten Lippenstift in wirtschaftlich schlechten Zeiten. Dann nämlich, wenn es der Wirtschaft schlecht geht, will Frau sich trotzdem was gutes tun. Einen ausführlichen Artikel zu dem Thema gibt es zum Beispiel hier oder beim Trendbüro.

Aber sind es wirklich nur die roten Lippenstifte? Unsereiner bekommt doch auch immer zu hören, dass es dieses eine paar Schuhe unbedingt sein musste. Und es sind wirklich nicht wenige, die Mann und Frau in einem Jahr so kaufen.

50 Milliarden Euro

geben die Europäer jährlich für Schuhe aus. Und die Zahlen steigen weiter nach oben. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass sich auch der Online Handel in diesem Bereich fest angesiedelt hat. Sind wir hier etwa wieder bei dem Nischenthema, wo man immer gesagt bekommt, dafür sei die Netzwelt gerade gut?
Ich denke nicht. Als ich noch in einer großen Werbeagentur für einen großen Schuhhersteller arbeitete, gab es immer einen Case, der von mal zu mal intensiver aufbereitet werden musste.

zappos
Zappos, 1999 gegründet, gehört seit 2009 zu Amazon

 Dabei ging es um Zappos. Die Marke, die 1999 gegründet wurde und im Jahre 2009 von Amazon aufgekauft wurde.
Über 1500 Mio Euro Umsatz fährt Zappos mittlerweile ein und fokussiert sich bei weitem nicht mehr nur auf den Abverkauf von Schuhen. Kleidung, aus allen Bereichen ist mittlerweile dazu gekommen. Egal ob Sport, Fashion oder Lifestyle. 
Wer nicht mehr Schlange stehen möchte, der lässt es sich einfach nach Hause bringen.

Und wie das immer so ist. Wenn ein Produkt und eine Idee gut funktioniert, dann findet sich auch schnell ihrer Nachahmer. Oder mehrere.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass wir mittlerweile mehrere dieser Erfolgsgeschichten erzählen können. Erinnern sie sich noch an diesen Briefträger, der im Fernsehen auf einmal anfängt zu schreien, nachdem eine Frau einen Schuhkarton geöffnet hat? Zwar handelte es sich hier um einen klassischen TV Spot, aber trotzdem ist ging es um einen Online Shop.

Wenn die Produktqualität stimmt, geht es darum, Bekanntheit aufzubauen

Daran arbeitet man gerade auch bei Zalando. Bei dem Unternehmen, das mittlerweile schon mehr als 1250 Mitarbeiter zählt, mehr als 400 Mio Euro Umsatz einfährt und erst vor 4 Jahren gegründet wurde. Einige hundert Kilometer entfernt, mitten in Frankreich, sitzt zum Beispiel ein weiteres Unternehmen. Spartoo. 150 Mitarbeiter, ca. 100 Mio. Euro Umsatz. Und damit auch alles im Dreiklang ist, gehen wir auch noch kurz nach Großbritannien. Hier hat ASOS seinen Sitz. Auch hier fährt man einen gewaltigen Umsatz ein. Ca. 610 Mio. Euro. Der Markt bietet also noch genügend Platz und trotzdem wird es für alle genannten Unternehmen wichtig sein, sich aus Markensicht gut zu positionieren.

 Doch wie unterscheidet man sich und wie hebt man sich ab von der Konkurrenz? Bei Abercrombie & Fitch war es die Adaption aus der realen Welt in die Offline Welt. Aber wie schafft man das, wenn man eigentlich nur digital existiert? Den kostenlosen Versand, das 30 tägige Rückgaberecht gibt es überall.

Und schaut man dann auf die Webseiten, dann wirken sie alle ziemlich identisch. 

website schuhe ohne logo_klein
Oder hätten sie ohne das Logo auf Anhieb sagen können, um welchen Online Shop es sich handelt? Vielleicht funktioniert das ja sogar noch auf der Startseite, aber spätestens auf den Produktseiten, da wo ich nur noch Schuhe vor der Nase habe, wird es schwierig.

Hier gilt es, neue Anreize und auch neue Markenkontaktpunkte zu schaffen, die den Käufer, meinen Kunden, an meinen Shop binden.

Ob es nun die Möglichkeit ist, sich die Produkte, die man in dem Shop findet, gleich durch die Webcam anziehen zu lassen, oder ob es der Livechat mit meinem persönlichen Verkäufer ist. Punkte, die möglich sind und dem Kunden auch einen anderen Zugang ermöglichen. Ich bin der Meinung, dass das einer der wichtigsten Punkte sein wird, mit dem sich auch die Online Shops, gerade im Bereich Kleidung beschäftigen müssen. Wie erhöhe ich die Zugänglichkeit und finde trotzdem das individuelle Produkt?

Eine Frage, die die Shopbetreiber noch vor einige schwierige Gedankengänge stellen wird.


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Thema: News

Schlagworte: Zappos, Marken, Logo

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