Fabian Heilemann, DailyDeal: Im Zweifel verzichten wir auf Umsatz

heilemann dailydeal

Es ist eine deutliche Spitze Richtung Mitbewerber Groupon: "Gutscheine für Doktortitel oder Schönheitsoperationen gehen bei uns nicht über den virtuellen Tresen", sagt DailyDeal-Gründer Fabian Heilemann im Interview mit etailment.

DailyDeal setze aber nicht nur auf Qualität. Gerade erst hat sich der Couponing-Dienst der “Global Daily Deal Association” angeschlossen, die im Online Couponing-Sektor ethische Standards für die Branche festlegen und Reglements zum Datenschutz und zum Kundenservice durchsetzen will.

Warum das dem Geschäft gut tut und wie DailyDeal im Mobile Commerce punkten will, erklärt Heilmann im Interview.

Schaden die Turbulenzen um Groupon dem Gesamtmarkt?

Kritik an einem Couponing-Portal wird von einigen unbewusst sicherlich auf die gesamte Branche verallgemeinert. Bei unseren Stakeholdern, Unternehmen und Verbrauchern, ist dieses Phänomen allerdings kaum ausgeprägt. Zahlreiche Unternehmen glauben an die Wirksamkeit von Couponing und kooperieren mit uns – auch wenn sie zuvor eher gemischte Erfahrungen gesammelt haben. Auch Verbraucher lassen sich vom öffentlichen Diskurs kaum beeinflussen. Für sie zählt letztlich die Attraktivität des Angebots.

Sie beteiligen sich an der “Global Daily Deal Association”, die im Online Couponing ethische Standards für die Branche festlegen will. Was versprechen Sie sich von solch einem Kodex? 

Die Global Daily Deal Association und der Verhaltenskodex sind weit mehr als das von Mike Butcher bei Techcrunch vermutete „Logo“.  Sie sind ein offenes und ehrlich gemeintes Statement für mehr Transparenz und Fairness gegenüber Werbepartnern und Kunden. Die Mitglieder der GDDA verpflichten sich, den Umgang mit ihren Stakeholdern zu optimieren. Nur im partnerschaftlichen Dialog mit Verbrauchern und Unternehmen lässt sich Couponing unserer Meinung nach nachhaltig erfolgreich gestalten. Perspektivisch soll sich die GDDA zu einem weltweiten Branchenverband entwickeln, der die Interessen seiner Mitglieder wirksam vertritt.

"Wir verzichten darauf, unseren Umsatz auf Kosten unserer Werbepartner zu steigern"

Das klingt ja schön. Aber am Ende zählen doch die Zahlen. Wie bauen Sie Vertrauen zu den Unternehmen auf?

Durch Fairness, Ehrlichkeit und Transparenz, vor allem in der Beratung. Der Inhaberin eines Massagesalons mit einem Angestellten hilft es beispielsweise nicht weiter, wenn wir für sie 1.000 Gutscheine verkaufen. Wir raten ihr, den Deal zu deckeln. Sie sollte nur so viele Gutscheine verkaufen, dass sie die durch DailyDeal gewonnenen Kunden überzeugen kann, ihre Leistungen noch ein zweites, drittes oder viertes Mal zum Normalpreis zu nutzen.

Auch in anderen Bereichen arbeiten wir daran, den Mehrwert von DailyDeal für Unternehmen weiter zu optimieren. Als einziger Anbieter im Markt garantieren wir unseren mehr als 12.000 Werbepartnern seit November 2011 beispielsweise eine vollständige Auszahlung des mit einem Deal erzielten Umsatzes – unabhängig davon, ob ein Gutschein wirklich eingelöst wird. Zudem haben wir die Auszahlungszeitpunkte optimiert: Wir zahlen 80 Prozent des Umsatzes bereits zehn Tage nach Dealende aus und die übrigen 20 Prozent drei Monate später.

Wir verzichten also sehr bewusst darauf, unseren Umsatz auf Kosten unserer Werbepartner zu steigern. Wir möchten unseren Partnern wirklich helfen und langfristig mit ihnen zusammenarbeiten.

dailydeal ipad
Und mit Blick auf den Kunden: Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern in Deutschland?

Kunden lassen sich vor allem durch gute Angebote gewinnen. Das klingt wie eine Binsenweisheit, aber es ist wahr. Wir setzen deshalb auf Qualität. Gutscheine für Doktortitel oder Schönheitsoperationen gehen bei uns nicht über den virtuellen Tresen. Wir haben eine Ausschlussliste von 40 Angebotstypen, die für uns nicht infrage kommen. Zudem durchlaufen alle Angebote vor ihrer Schaltung einen mehrstufigen Qualitätscheck. Wir prüfen beispielsweise, ob die Preis- und Rabattangaben unseres Werbepartners korrekt sind und dem Marktniveau entsprechen. Bei der Prüfung verlassen wir uns nicht nur auf Bewertungs- und Preisvergleichsportale, sondern machen uns vor Ort auch persönlich ein bestmögliches Bild vom Unternehmen, Angebot und Service. Im Zweifel verzichten wir auf eine Kooperation.

"Wir erzielen zehn Prozent des Umsatzes über unsere mobilen Applikationen" 

Sie haben gerade ein mobiles Portal gestartet. Welche Rolle spielt Mobile für Rabatte? 

Mobile ist für uns ein extrem attraktiver Vertriebskanal. Schon heute erzielen wir zehn Prozent des Umsatzes über unsere mobilen Applikationen für Android und iOS. Wir rechnen damit, diesen Anteil mit unserer kürzlich gestarteten mobilen Website noch deutlich zu steigern. Uns stimmt vor allem die Sozialstruktur der Smartphone- und Tablet-Besitzer optimistisch: Sie sind trendaffin, besserverdienend und kaufkräftig.  Gerade bei höherpreisigen Deals, also Angeboten mit einem Preis oberhalb von 100 Euro, verzeichnen wir über unsere mobilen Vertriebswege die besten Conversion-Rates.

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Welche weiteren Features sind geplant?

Anders als unsere mobile Applikation ist unsere mobile Website zurzeit nur für iPad-Nutzer erreichbar. Wir arbeiten daran, den Service bald auch Usern von Smartphones und Android-Tablets zu bieten. Weitere Features und wesentliche Veränderungen sind geplant.

Haben Sie dabei vor allem auch Instrumente im Bereich Location Based Services im Blick? 

Location Based Services bieten großes Potential, vor allem im Couponing-Bereich.  Mit unseren Apps und dem mobilen Portal als Schnittstellen zwischen Unternehmen und Verbrauchern haben wir die Grundlage für die kontinuierliche Weiterentwicklung des Geschäftsmodells geschaffen. Ein stärkeres Engagement ist für uns durchaus vorstellbar.

 Welche Rolle spielt Social Media?

Social Media war von Beginn an elementar für die Entwicklung von DailyDeal.  Erst vor dem Hintergrund von Facebook, Google+ und Twitter lässt sich der Erfolg des Geschäftsmodells erklären. Wir nutzen soziale Netzwerke, um direkt und in Echtzeit mit Verbrauchern in Kontakt zu treten, Kunden im persönlichen Dialog zu binden und viral zu wachsen. Der Vorläufer, Letsbuyit.com, hatte es rund um das Jahr 2000 genau in diesem Punkt weitaus schwieriger und stand vor der letztlich wohl unlösbaren Herausforderung, ohne soziale Netzwerke eine monetarisierbare Reichweite aufzubauen.

Wie muss man sich eigentlich die Arbeit unter dem Dach von Google vorstellen? Was haben Unternehmen, was haben Kunden davon?

Für Google steht der Endnutzer immer im Mittelpunkt - nur was einen echten Mehrwert für User bietet, wird umgesetzt. Das gilt auch für DailyDeal; so haben wir im Februar unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen geändert.  Unsere Kunden können Gutscheine nun bis zu drei Jahre nach dem Kauf zurückgeben. Und auch unsere Werbepartner profitieren. Die vorhin genannten neuen, deutlich faireren und europaweit einzigartigen Konditionen für Werbepartner sind ein erster Schritt. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen profitieren hiervon.  Wir bieten ihnen finanzielle Sicherheit und Liquidität. 

Über Fabian Heilemann und DailyDeal

Fabian Heilemann gründete Dailydeal 2009 zusammen mit seinem Bruder Ferry Heilemann und und wurde im September 2011 von Google übernommen.

Fabian Heilemann studierte Rechtswissenschaften an der Bucerius Law School in Hamburg und promoviert an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Während seines Promotionsstudiums nahm er am EntrepreneurshipProgramm für Doktoranden der Standford Graduate School of  Business teil und entwickelte die Idee, DailyDeal zu gründen. Zuvor arbeitete Fabian Heilemann für internationale Kanzleien sowie für die Unternehmensberatung Booz & Co und das E-Commerce-Unternehmen Zalando.

2011 verkaufte DailyDeal 2,1 Millionen Gutscheine im Gesamtwert von 114, 3 Millionen Euro. 

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Sarah
    Erstellt 22. Juni 2012 16:10 | Permanent-Link

    für mich ist der sinnvollere Ansatz der von Regiondo. Von Groupon und dailydeal Aktionen hat man meist nicht viel ausser Arbeit ohne Bezahlung.

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