Media-for-Equity: Wenn sich der E-Commerce ans TV verkauft

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 25. Mai 2012 |

preis24 portal
Es gab eine Zeit, da redeten Fernsehsender wie ProSiebenSat.1 eher ungern über ihr Modell  Media-for-Equity.  Unternehmensanteile gegen TV-Spots einzutauschen, das klang dann doch zeitweilig ein wenig nach einem etwas eigenartigen Deal um leere Werbeblöcke zu füllen.

Spätestens seit dem Pro Sieben Sat 1 Media und mit ihr die Unit Seven Ventures erfolgreich freie Werbeflächen kapitalisiert und mit Zalando noch dazu einen erfolgreichen Case vorzeigen konnte, ist der Blick auf die beiden Modelle "Media for Revenue Share" und "Media for Equity" deutlich heiterer. In jüngster Zeit macht das Konzept zunehmend Schule. In dieser Woche machten gleich zwei neue Kooperationen Schlagzeilen. 

ProSiebenSat1 holt sich 60 Prozent von Preis24

Gerade eben hat die Venture-Tochter der ProSiebenSat.1 Group  im Rahmen eines Media-for-Equity-Deals 60 % an preis24.de erworben. "Da eine unmittelbare Verbindung von E-Commerce und TV besteht, bereichert preis24.de unser Beteiligungsportfolio um ein Online-Portal mit sehr guten Erfolgsaussichten", sagt Claas van Delden, Geschäftsführer SevenVentures.  Eine spätere Einbindung von Services der Preisvergleich-Plattform zu Top-Deals für Verträge von privaten Haushalten  im Bereich Mobilfunk und DSL  in die Web-Auftritte der Senderfamilie scheint da gar nicht einmal ausgeschlossen.

Aus Sicht der Start-ups und E-Commerce-Anbieter kann es dabei durchaus Sinn machen, Werbezeiten gegen Umsatz- oder Firmenbeteiligung einzutauschen. Angesichts des Wettbewerbs sind sie gezwungen, ihre Wahrnehmung schleunigst zu erhöhen. Auch um ihren Investoren Erfolge bei der Zielgruppe vorzuweisen.  Das Mittel der Wahl ist da immer noch TV-Werbung.  Die aber wäre trotz diverser Rabatte für ein junges Unternehmen nur teuer einzukaufen. Geld, das dann an anderer Stelle fehlt. Hinzu kommt: Kleinen Unternehmen fehlt vielfach die Media-Agentur oder das Know-how, um sinnvolle Mediaplanung abschätzen zu können.

sevenventures media
Beteiligungen von Seven Ventures (Grafik: Seven Ventures,

 

40 Millionen Euro will die ProSiebenSat.1 Group im vergangenen Jahr mit dem Modell verdient haben. Cash Flow ist aber nur ein Ziel. Der andere ist ein gewinnträchtiger Exit.  Für Zalando bezeichnet Hans Fink, Vorsitz der Geschäftsführung der SevenVentures,  "Minimum Guarantee" und "Exit value" als die beiden Erlösquellen der Kooperation.  Rund 30 Partnerschaften (u.a.  Zalando, eDarling, Trivago) umfasst das Portfolio derzeit.

GMPVC: Serientäter bei Media-for-Equity

Doch der Sender ist mit dem Konzept nicht allein.

Niko_Waesche-GMPVC

Da ist etwa GMPVC, gegründet vom Berliner Investor Niko Waesche, das  sich mit Media-for-Equity-Leistungen soeben am Männer-Shoppingclub Paul Direkt beteiligt und bei N-TV in die Werbeblöcke schubst. Eine zehnmonatige TV-Kampagne im siebenstelligen Bereich soll so von GMPVC Media-Partner N24 angeschoben werden.  

GMPVC selbst ist kein Sender, sondern ein unabhängiger Media-for-Equity-Investor in dem sich N24 Media, die Radio-Gruppe Regiocast und der Außenwerber Wall unter dem Namen German Media Pool zusammengeschlossen haben.  German Media Pool wirbt damit, dass es anders als die TV-Sender durch diese Kombination crossmediale und zielgruppenspezifische Pakete anbieten könne. 

Zum Portfolio von GMPVC gehört auch 9flats. Für die Plattform zur Ver- und Anmietung von Privatunterkünften wurde im Januar die erste  cross-mediale Kampagne in TV und auf Plakat losgetreten. Bereits 2011 dockte  GMPVC beim Homeware-Anbieter Urbanara an. 

Da geht noch mehr. Laut W+V ist die ProSieben-Unit Seven Ventures weiter auf Suche nach Beteiligungen im Bereich von Datingportalen, Reiseseiten, Mobile, Erziehungsplattformen und Lifestyle. 

Man kann es sich natürlich auch "einfacher" machen:  RTL interactive hat das Coupon-Portal Gutscheine.de einfach schlicht komplett übernommen.  


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