So pünktlich zahlen die Deutschen im Web - und wie sich Händler vor säumigen Kunden schützen können

rechnung factoring
Zahlung per Rechnung zählt zu den beliebtesten Zahlverfahren der Deutschen beim Online-Shopping. Zum Glück für die Händler sind die Deutschen dabei durchaus verlässlich. Die überwiegende Mehrheit zahlt pünktlich. Doch es gibt auch schwarze Schafe.

Drei von vier Web-Shoppern (72 Prozent) überweisen das Geld fristgerecht innerhalb der ersten zwei Wochen nach Rechnungserhalt. Jeder zehnte Kunde wartet allerdings bis die Mahnung eindtrudelt. Das belegt eine  Auswertung des Zahlungslösungsanbieters Paymorrow, für die 30.000 Rechnungen bewertet wurden.  

Im Durchschnitt zahlen die Kunden hierzulande am neunten Tag nach Rechnungserhalt. 6 Prozent zahlen erst nach der ersten Mahnung und weitere drei Prozent erst nach der zweiten Mahnung. 0,5 Prozent der Kunden zögern so lange, dass ein Inkasso-Verfahren eröffnet werden muss.  

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Händler, die ihren Kunden trotzdem nicht so recht trauen, und auf einen soliden und schnellen Geldfluss angewiesen sind, nutzen neuerdings vermehrt das sogenannte Factoring. Dabei werden kurzfristige Forderungen gegenüber dem Kunden stante pede an eine Factoringgesellschaft (sog. Factor), beispielsweise ein Finanzinstitut, übertragen. Im Gegenzug gibts vom Factor direkt Geld für den Händler. Der Kunde zahlt dafür nach Erhalt der Ware an den Zahlungsanbieter, der die Forderung übernommen hat. Zu den Anbietern des Factoring gehören Zahlungslösungsanbieter wie Billpay, Klarna oder Paymorrow, aber auch Finanzinstitute wie die GE Capital Bank, eine Tochter des amerikanischen Mischkonzerns General Electric. Die Dienstleister kassieren für vom Händler natürlich einen Abschlag, der je nach Servicepaket irgendwo im einstelligen Prozentbereich liegt.

Vorteil des Factoring für den Händler: Er ist sofort liquide, hat kein Ausfallrisiko und muss sich - falls gewünscht - nicht mehr mit den Mahnverfahren plagen.  Das ist zunehmend beliebt. Der deutsche Factoring-Verband meldet seit Jahren einen steigenden Factoring-Umsatz.  Allein im ersten Halbjahr 2015 sind die Umsätze der Mitglieder des Deutschen Factoring-Verbands um 11,64 Prozent auf 100,5 Milliarden Euro angewachsen. Der Handel gehört dabei zu den dominierenden Marktsegmenten.  

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So funktioniert Factoring: Das Unternehmen verkauft seine Forderungen und erhält im Gegenzug direkt Geldmittel. Zu den Unternehmen, die den Service nutzen, gehört bei GE Capital beispielsweise der Hemdenanbieter Seidensticker. Insgesamt werden 225.000 Rechnungen jährlich an 7.500 Kunden gestellt


Die Rechnung als Zahlverfahren ist laut einer Payment-Studie des ECC Köln übrigens auch deswegen so beliebt, weil Kunden dabei die Retoure bequem mit einplanen können. So entscheiden sich laut ECC-Studie rund 46 Prozent der Konsumenten, die bereits bei der Bestellung eine Retoure in Betracht ziehen, für den Rechnungskauf. Ist die Retoure sogar fest eingeplant wird in 41 Prozent der Fälle per Rechnung gezahlt – und damit doppelt so häufig als ohne geplante Retoure. Das zeigt sich auch beim Blick auf die Branchenebene. Insbesondere in der retourenintensiven Kategorie Fashion und Accessoires – wo Konsumenten häufig erst prüfen möchten, ob der bestellte Artikel passt – ist der Rechnungskauf beliebt: Knapp 42 Prozent der befragten Fashion-Shopper haben ihren letzten Online-Kauf per Rechnung beglichen.
Payment-Verfahren: Das zahlt sich beim Kunden aus


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Thema: Payment

Schlagworte: Payment, Zahlungsverfahren

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Manfred
    Erstellt 7. März 2016 16:38 | Permanent-Link
    18 % Zahlungsausfall?

    Wenn 72 % pünktlich zahlen und dann noch zusammengefasst weitere 10 % bis zum Inkassoverfahren (einschließlich), dann bezahlen 18 % überhaupt nicht? Das wäre aber eine verheerende Ausfallquote! Oder rechne ich irgendwo falsch?

  2. Erstellt 7. März 2016 19:56 | Permanent-Link
    Was wollen uns diese Zahlen sagen?

    Die Zahlen wirken äußerst merkwürdig: Wenn 28 % nicht in der Zahlungsfrist zahlen und nur 10 % auf die Mahnung warten, dann zahlen zwischen 14. Tag und Zustellung der Mahnung (typischerweise per Email) noch einmal 18%. Wenn das so ist, scheint es ein Problem mit dem späten Versand der ersten Mahnung zu geben.
    Neben den Zahlungsstörungen sollten auch die Ausfälle aufgrund von Betrugsfällen berücksichtigt werden. In manchen Branchen stellen diese schon das größere Problem dar.

  3. Martin
    Erstellt 8. März 2016 09:11 | Permanent-Link

    Meiner Meinung nach sind das Zahlen fernab der Realität. Die Studie kommt ja auch von einem Zahlungsdienstleister, der Interesse am Anbieten des Rechnungskaufs hat

  4. Ann-Christin Wilcke
    Erstellt 14. März 2016 16:10 | Permanent-Link

    Um etwaige Missverständnisse hier auszuräumen: Die Studie bildet nicht die Phase zwischen Zahlungsziel und erster Mahnung ab. Die Schlussfolgerung, dass der Zahlungsausfall bei 18 Prozent liegt, ist demnach nicht zutreffend

  5. Dr. Ralf Clasen
    Erstellt 14. März 2016 16:29 | Permanent-Link

    Schon spannend... Wer redet denn von 18 % Zahlungsausfällen?

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