Börsengang von Rocket Internet: Was ist dran am Gerücht?

Ventures - Rocket Internet
Ventures von Rocket Internet. Bringt Oliver Samwer die ganze Sammlung in einem Schlag an die Börse?

Kommt der Börsengang von Rocket Internet? Ein IPO, den das Blog Tropical Considerations  mit Berufung auf glaubwürdige Quellen verkündete, würde ja irgendwie zu Oliver Samwer und der aggressiven Strategie des deutschen Internet-Moguls passen. Mit JP Morgan, das bereits Millionen um Millionen in den Inkubator und etliche  Unternehmungen gepumpt hat, stünde zudem eine erfahrene Konsortialbank bereit.

Es gibt weitere gute Gründe, die dem Gerücht Nahrung geben. Aber auch gewichtige Argumente dagegen.

Was also ist dran an einem möglichen IPO von Rocket Internet?

 Rocket Internet kommentiert derlei Gerüchte - wie andere Großunternehmen auch - gewohnt nicht. Das ist ihr gutes Recht.  

Doch welche Gründe sprechen für einen Börsengang?

  • Ein IPO würde den wachsenden Hunger nach frischem Kapital befriedigen, das Rocket Internet gerade auch für die Expansionspläne in Südostasien und Südamerika benötigt.  Gerade auch, um das Momentum in den Wachstumsmärkten mit Projekten wie Lazada beizubehalten und bei der Globalisierung im Weltreich der Samwer-Brüder nicht an Tempo zu verlieren.
  • Ein IPO in toto könnte sinnvoller sein, als beispielsweise nur ein Börsengang von Zalando. Denn dann würden die Samwers ihr Tafelsilber verscherbeln.
  • Rocket Internet hat in diesem Jahr bereits eine Reihe an Projekten eingedampft, geparkt, neu ausgerichtet. Business as usual oder doch schon Portfolio-Bereinigung für den IPO?
  • Ein IPO verringert den Druck, kurzfristiges Geld für kleinere Projekte einzusammeln. Stattdessen kann sich das Management auf den Ausbau der Unternehmen konzentrieren.
  • Die Erfahrungen, die die Samwer-Brüder mit dem Börsengang von Groupon gemacht haben, könnten auch eine Rolle spielen. Das Beispiel Groupon zeigt, wie angreifbar und aufgeblasen der Börsengang eines Einzelunternehmens wirken kann. Bei einem Börsengang von Rocket Internet stünde aber nicht ein einzelnes Geschäftsmodell im Fokus, sondern die gesamte Strategie. Und die verspricht immerhin phantastische Möglichkeiten – zumindest mit ein wenig Optimismus.
  • Großinvestor Kinnevik hält rund 25 Prozent an Rocket Internet und könnte endlich Kasse machen.
  • Eine  PwC-Studie erwartet 2013 ein stabileres Marktumfeld und besseres Börsenklima für IPOs.

Was spricht gegen den IPO?

  • Ein Börsengang würde Rocket Internet zu deutlich mehr Transparenz zwingen. Die Zeit der ganz großen Geheimniskrämerei ist zwar vorüber.  Das zeigt unter anderem die Firmen-Website. Doch in den für einen IPO nötigen  Unterlagen müsste Rocket Internet so richtig die Hosen runterlassen. Den Markt und Wettbewerber schlauer machen als nötig, das passt nicht zur Samwer-Politik.
  • Die bisherigen Exits von Start-ups und Beteiligungen waren insgesamt und unter dem Strich erfolgreich. Also: Never change a wining  system.
  • 2012 hat Oliver Samwer ohnehin schon rund 750 Millionen US-Dollar Investorengelder eingesammelt. Es spricht nichts dafür, dass die Geldquellen 2013 versiegen. Warum also einen IPO mit ungewissem Ausgang wagen? Jüngstes Beispiel: Gerade eben hat der Payment-Service-Provider Paymill, ein Venture von Rocket Internet, ein Investment von 10 Millionen Euro von Holtzbrinck Ventures und Sunstone Capital erhalten.
  • Je nach Ausgang könnte ein IPO erheblichen Einfluss auf die Finanzierung bestehender und künftiger Start-ups haben.
  • Nach der Enttäuschung über Groupon und Facebook spricht wenig dafür, dass Anleger ein digitales Investment an der Börse schon wieder euphorisch feiern.  

Fazit:

Es sind viele „könnte“ für einen IPO. Wahrscheinlicher ist: Das Gerücht entstammt eher der Wunschvorstellung einiger Berater und Investoren, die schon seit Mitte des Jahres über einen Börsengang phantasieren. Die Gegenargumente klingen alltagstauglicher und die bestehenden Investoren scheinen keinen Druck auszuüben, der einen Börsengang nötig machen würde.

Wir werden daher 2013 keinen Börsengang von Rocket Internet erleben.  


Kindle Kindle
Drucken Artikel versenden

saturn
Saturn baut auf Service am digitalen PoS: Nach Media-Markt mit seinem Multichannel-Piloten schwört ...
Topartikel
Amazon: Hat Jeff Bezos einen Plan B?
Ein wenig erinnert mich Jeff Bezos derzeit an einen Investmentbanker in meinem ersten Krimi „Keine f ...
So knacken Sie die IT-Geheimnisse des Mitbewerbers
Sie wollten immer schon mal wissen, wo der Mitbewerber in Sachen Traffic steht? Sie würden noch lieb ...
Bloomy Days: Von Rocket Internet zur Blumenfrau
Wenn sich im Leben etwas ändert, kann einen das auf gute Ideen bringen. Bei Franziska von Hardenberg ...
Warum Empfehlungen im Warenkorb gefährlich sind - und wie sie das Risiko vermeiden
Haben Sie schon mal Waren an der Einkaufskasse einfach stehen lassen? Eher selten. Ist ja auch irgen ...
Zalando:
Personalisieren, inspirieren - bei Zalando erledigt das Individuelle jetzt ein neuer Produktstream n ...

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Erstellt 12. Januar 2013 18:16 | Permanent-Link

    Oliver Samwer als CEO eines gelisteten Unternehmens? An der NASDAQ oder NYSE oder sogar Deutschen Börse? Das wird niemals passieren- zumindest nicht mit ihm als Chef. Oder kennt irgendjemand eine börsengelistete Company, deren Chef sich mit Blitzkrieg/etc. droht? Ich nicht :-)

stats