Lars Finger, Otto: Bei manch einem gehypten Pure Player muss man ein Fragezeichen setzen

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 20. Februar 2012 |

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Lars Finger ist Bereichsleiter Corporate Development E-Commerce bei der Otto Group.

Gerade erst hat sein Team mit Vitabote einen Apotheken-Versandservice auf den Weg gebracht.

Mit etailment sprach Finger über die Rolle  von Corporate Development E-Commerce, neue Geschäftsmodelle, klassische  hanseatische Kaufmannstugenden und warum Otto Mobile vor allem als Teil der Customer Journey sieht.  

Der Bereich Corporate Development E-Commerce ist unter dem Otto Group Vorstand für E-Commerce, Dr. Rainer Hillebrand, aufgehängt. Wie oft tauschen Sie sich aus?

Lars Finger: Wir sind in sehr engem, regelmäßigem Austausch. Und sehen uns auch als Treiber. Unsere Aufgabe ist es Dinge voraus zu denken und Erkenntnisse für die Otto-Gruppe zu vernetzen.   

Bei Vitabote ist ihr Team auch operativ tätig. Ist der Bereich also mehr als ein Think Tank? 

Lars Finger: Wir haben eine sehr breite Verantwortung. Zum einen beschäftigen wir uns voraus denkend mit E-Commerce-Strategien und entwickeln Konzepte. Aber wir kümmern uns auch um die praktische Umsetzung, bspw. auch in der Durchführung von technologischen Pilotprojekten..    

"Für fast alle Sortimente und Branchen sind auch neue Geschäftsmodelle denkbar."

Wo ist denn ihr Platz zwischen dem Inkubator E-Venture und direkten Beteiligungen der Otto Group wie an Oryx/Project A-Venture?

Lars Finger: Mit der Beteiligung an Project A decken wir die Seedphase  innerhalb der Wertschöpfungskette von E-Commerce-Geschäftsmodellen ab. E-Venture ist auf  Early Stage Geschäftsmodelle fokussiert.  Für die Umsetzung strategischer Geschäftsmodelle im E-Commerce ist mein Team Corporate Development E-Commerce zuständig. Der Austausch ist aber sehr eng.  

Gerät man nicht leicht in den Sog, jedem Trend folgen zu müssen?  

Lars Finger: Wir haben Instrumente aufgesetzt, die uns dabei helfen, Trends nach ihrer Marktrelevanz und nach ihrem Mehrwert für den Kunden bzw. in der Erzielung von Prozessverbesserungen zu bewerten. Die Analyse, wann ein Trend wirklich relevant ist, ist ein kontinuierlicher Prozess. 

Wo sehen Sie Chancen für neue Geschäftsmodelle?

Lars Finger: Wir unterscheiden zwischen technologiegetriebenen Modellen und neuen Geschäftsideen. Schon auf der Technologieebene sehen wir viel Potenzial, das bestehende Kerngeschäft voranzutreiben. Darüber hinaus sind für fast alle Sortimente und Branchen auch neue Geschäftsmodelle denkbar. Allerdings muss man sehen, wie ergebnisorientiert solche Lösungen sind. Otto ist da eher im Sinne klassischer hanseatischer Kaufmannstugenden an nachhaltigen Ergebnissen interessiert.  

Welche Rolle spielt Mobile Commerce in dem Gesamtkonzert?

Lars Finger: Das ist bereits jetzt ein sehr  relevanter Kanal, den wir in allen Unternehmen der Otto Group bedienen.. Man muss  unterscheiden, in wieweit mobil echter Umsatz erzeugt wird, oder inwiefern das Smartphone innerhalb des Kaufprozesses, beispielsweise als Entscheidungshilfe, eine Rolle spielt. Wir sehen Mobile im Rahmen unserer Multichannel-Konzepte eher als Teil der Customer Journey. Es geht nicht nur um den Mobil-Shop, sondern darum,  unterschiedliche Nutzungssituationen zu bedienen. Hier spielen auch weitere Endgeräte, auf denen E-Commerce möglich ist, wie Tablet PC oder Hybrid TV eine Rolle.

Zur Otto Group gehören und gehörten Online-Anbieter wie Refashion, Yalook oder Jungstil. Diese wirken vielfach eher wie Experimentallabore für Innovationen, die dann Otto dienen – Zukunftsaussichten ungewiss? 

Lars Finger: Wir probieren laufend neue Konzepte und Geschäftsmodelle aus, das ist ein wesentliches Element unserer Unternehmensstrategie. Jedes Konzept, das wir starten, ist sorgfältig analysiert und soll sich nachhaltig im Markt etablieren. Manchmal funktionieren Dinge aber auch nicht so wie sie sollen. Dann muss man auch bereit sein, das Geschäftsmodell umzuwandeln. Doch auch daraus lernen wir sehr viel und von diesem Wissen profitieren alle Unternehmen der Otto Group. 

Warum bauen Sie eine dieser jungen Marken nicht zu einem starken Pure Player auf, um damit Zalando vom Markt zu drängen?

Lars Finger: Es klänge angesichts der Größenordnung etwas seltsam, wenn die Schlagzeile lauten würde: Otto greift ein Start-up an. Es ist eher umgekehrt. Wir haben auch einen sehr guten Überblick, welche Kennzahlen die im Markt aktiven Pure Player vorweisen können. Wenn man kaufmännisch rechnet, muss man bei manch einem der gehypten Pure Player schon ein Fragezeichen hinter Ergebnis und Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells setzen.

 

 


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