Mal ehrlich: Fragebogen @ Bert Hentschel, Walbusch

Von Jürgen Müller | 20. Februar 2012 |

Hentschel
Wie sieht der Startbildschirm bei einer Branchengröße aus, welcher Top-Manager hat kein Smartphone, welche Trends sehen die Macher im E-Commerce, welche Tech-Aktien würden Entscheider kaufen und wer googelt seinen Namen ganz besonders oft?

Diese und andere Fragen, mal verspielt, mal ganz sachlich, stellt etailment in loser Folge den Branchengrößen. Diesmal: Dr. Bert Hentschel, Geschäftsführer beim Modehändler Walbusch.

Also, mal ehrlich, Herr Hentschel:

Was haben Sie zuletzt online gekauft? Wo? 

Bert Hentschel: Eine Helmkamera für meinen Sohn – zum Downhillbiken und zum Skifahren. Bei Amazon.

Ihre Lieblings-Websites beruflich?

Bert Hentschel: Unsere eigenen Websites (natürlich), also www.walbusch.de, www.mey-edlich.de, www.avena.de

Muss jeder Retailer ein E-Tailer sein? 

Bert Hentschel: Abgesehen von Kleinanbietern, die von einer herausragenden Persönlichkeit leben, meine ich: ja. Vom Händler, zu dem ich Vertrauen gefasst habe, erwarte ich, dass er jederzeit und in allen Kanälen für mich verfügbar ist.

"Es wird immer schön bleiben, auf der Couch zu liegen und in einem Katalog zu blättern."

Wann hat der Katalog ausgedient?

Bert Hentschel: Vermutlich nie. Allerdings treten neben den Katalog viele weitere Angebots- und Bestellmedien. Die mobilen Endgeräte werden sich weiterentwickeln. Smart-TV wird hinzukommen. Sprachsteuerung wird an Bedeutung gewinnen. Vielleicht kann ich in Zukunft in meinen Kleiderschrank hineinrufen: „Ich brauche ein neues weißes Walbusch-Hemd, bügelfrei, Kragenweite 40 und mit extralangem Arm.“ Und wenige Stunden später halte ich das Hemd in Händen oder hole es in der Filiale ab, weil ich ohnehin dort vorbeikomme. All das wird zum Katalog hinzukommen, ihn aber nicht ablösen. Denn es ist und wird immer schön bleiben, auf der Couch zu liegen und in einem Katalog zu blättern. Hocheffizienten, vernetzten Prozessen bei der Produktion sehr guter Modewerbung wird allerdings eine eminente Bedeutung zukommen.   

Welcher Trend im E-Commerce wird am meisten unterschätzt?

Bert Hentschel: Die Vorherrschaft von Amazon und Google. Entstehen hier langfristig Riesenreiche, die alle anderen Marktteilnehmer aussaugen und am Ende Vielfalt reduzieren?   

"Das Thema QR-Code wird wieder genauso schnell verschwinden, wie es gekommen ist." 

Welcher Trend im E-Commerce wird am meisten überschätzt?

Bert Hentschel: Da könnte man vieles nennen. Was Textilhändler auf Dauer wohl nicht brauchen, ist eine App für das iPhone – der kleine Bildschirm und unser komplexes Produkt passen einfach nicht gut zusammen. Auch das Thema QR-Code wird wieder genauso schnell verschwinden, wie es gekommen ist. 

Welche App sollte man unbedingt auf seinem iPad/iPhone haben? 

Bert Hentschel: Wenn Sie sich auf einer Urlaubsfahrt mit den Kindern befinden und als Fahrer Ruhe benötigen, empfehlen sich Apps wie Harbor Master, Temple Run, Doodle Jump oder Fruit Ninja. Am besten in dieser Reihenfolge, das sollte bis Italien reichen. 

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen? Gedruckt oder elektronisch? 

Bert Hentschel: Robert Seethaler: Die weiteren Aussichten. Das Buch ist sprachlich eine Sensation. Klug und komisch zugleich. Die Hauptfiguren Herbert und Hilde möchte man in den Arm nehmen und drücken. Und selbst Georg der Goldfisch hat Klasse.

Welche Blogs können Sie empfehlen? 

Bert Hentschel: Statt eines Blogs lieber einen Link zu Wolfram Weimers lesenswerter Kolumne im Handelsblatt, Thema: Die Republik im Tugend-Terror.

Wo holen Sie sich Kraft und Anregungen für den Job?

Bert Hentschel:  In der Familie. Im Gespräch mit Freunden. In den Bergen. Auf dem Motorrad. Im Theater. Aus Büchern. Vielfalt zählt! 

Was wäre die Welt ohne Internet? Besser? Schlechter?

Bert Hentschel: Langweiliger. Langsamer. Aber vielleicht auch lässiger.


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