Rakuten-Chefin Beate Rank: Onlineshopping ist Entertainment

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 22. Juni 2012 |

beate rank rakuten
Beate Rank, Deutschland-Chefin von Rakuten, redet im Interview mit etailment Klartext: Das "Ökosystem" des japanischen Internetgiganten, der gerade den spanischen Streaming- und Video-on-Demand-Anbieter Wuaki.tv gekauft hat, wolle man nach und nach in Deutschland ausrollen. Der Einstieg bei Pinterest soll auch dabei helfen, die Rakuten-ID global zum Schlüssel für den Einkauf im Web zu machen. Sortimente sollen weiter ausgebaut werden, um  beispielsweise Lücken im Bereich Unterhaltungselektronik zu schließen. 

Sie erklären immer wieder, Rakuten wolle hierzulande die Nummer 1 im E-Commerce werden. Wie wollen Sie das schaffen? 

Der Handel braucht eine Alternative, die wir mit dem händlerorientierten Ansatz bieten. Die Händler können sich in Kürze deutlich individueller präsentieren. Auch das Einkaufserlebnis für den Kunden steht bei Rakuten im Vordergrund und ein persönlicher Kontakt mit individueller Kundenberatung ist möglich. Onlineshopping verstehen wir als Entertainment, als kommunikativen Prozess und nicht als stupiden, linearen Ablauf.

Sie betreiben bislang nur SEO. Ist das für den Markenaufbau nicht ein bisschen wenig?

Rakuten setzt auf das Prinzip der Vernetzung. In Japan wurde ein „Ökosystem“ aufgebaut, zu dem Bereiche wie Reisen, Finanzdienstleistungen, Portale und Medien, Onlinemarketing, Profisport und der E-Commerce zählen. In diesem System arbeitet Rakuten mit dem Loyalty-Programm der Superpunkte. Mit diesem permanenten Kundenkontakt hat Rakuten in Japan eine Markenbekanntheit von über 90 Prozent erreicht. Ökosystem und Superpunkte werden auch in Deutschland etabliert.

Jetzt mischen Sie auch noch bei Pinterest mit. Was ist daran so spannend?

Während einige E-Commerce als zielgerichtete Verkaufsmaschine betrachten, glauben wir, dass E-Commerce ein lebendiger Prozess ist, bei dem Händler und Konsumenten kommunizieren, entdecken und kuratieren können, um das Einkaufserlebnis unterhaltsamer zu gestalten. Wir sehen sehr große Synergien zwischen Pinterests Vision und Rakutens E-Commerce-Ansatz.

"Nutzer sollen sich mit ihrer Rakuten-ID bei Pinterest anmelden, anschließend Bilder pinnen und das entsprechende Produkt auch gleich kaufen können".

Zum Beispiel wo?

In Verbindung mit den soziodemographischen Daten der Nutzer bietet sich ein gewaltiges Potenzial für den E-Commerce, da sich eben auch Shopping-Präferenzen über Pinterest sehr schnell identifizieren lassen. So lassen sich beispielsweise individuellere Newsletter-Kampagnen erstellen. Es ist geplant, dass sich Nutzer mit ihrer Rakuten-ID bei Pinterest anmelden, anschließend Bilder pinnen und klicken und das entsprechende Produkt auch gleich kaufen können sollen. Über die Rakuten-ID wird Shopping damit dezentral nutzbar. Durch den Einsatz der Rakuten-ID lassen sich noch weitere interessante Ideen entwickeln.

Rakuten Shop

Sieht Rakuten bald auch so aus wie Pinterest?

Auch wenn wir der Meinung sind, dass Produktbilder großen Einfluss auf die Produktdarstellung und damit auch auf die Kaufentscheidung der Konsumenten haben, verfolgen wir solche Pläne nicht. Aber auf unserem Shopping Portal haben wir bereits Social Bookmarks hinterlegt, im nächsten Schritt versorgen wir unsere Händler mit dieser Funktion. Unter dem Namen Rakuten.de sind wir seit kurzem übrigens auch selbst auf Pinterest aktiv.

Welche Rolle spielt Social Commerce insgesamt?

Social Commerce nimmt in den Bereichen Branding und Marketing eine ganz entscheidende Rolle ein: Gerade Pinterest bietet durch seine innovative Struktur enorme Potenziale. Anders als bei anderen sozialen Netzwerken sind die Nutzer hier nicht nur als Freunde, sondern über gemeinsame Interessen verbunden. Außerdem muss der Nutzer seine Interessen bei Pinterest nicht in Worten ausdrücken, sondern kann Bilder verwenden, was vielen leichter fällt. Durch die grafische Ausrichtung und spezifische Verknüpfung von Interessensgruppen sind die Nutzer besser und direkter erreichbar als bei anderen sozialen Netzwerken. Hier bieten sich dynamische Wege, die das Aussenden von Nachrichten oder Emails nahezu überflüssig machen, da sich die Botschaft und das Produkt quasi automatisch, viral verbreiten.

bonuspunkt rakuten
Bonuspunkt bei Rakuten

Müssten Sie vor solchen Kür-Leistungen nicht erst mal das Sortiment ausbauen?

Insbesondere im Long Tail sind wir gut aufgestellt. Aktuell gibt es aber tatsächlich Produktbereiche, bei denen wir Lücken haben, etwa im Bereich der Unterhaltungselektronik. Im Moment führen wir mit bekannten Marken und großen Shopbetreibern Gespräche, damit wir die Sortimente schnell ergänzen können.

Dafür brauchen Sie mehr Händler. Wie wollen Sie die überzeugen?

Wir setzen insbesondere auf unseren händlerorientierten und partnerschaftlichen Ansatz sowie umfassenden Service, zu dem wir auch die Rakuten Akademie und unser E-Commerce-Consulting Team zählen. Und: Bei uns haben die Händler feste Ansprechpartner. Aktuell verzeichnen wir bei Rakuten mehr als 300 Neuanmeldungen.

"Beim M-Commerce geht es am wenigsten um Features" 

Wie muss man sich eigentlich das Web-Enabling bei Rakuten vorstellen?

Unsere E-Commerce-Lösung läuft als Software as a Service, die Softwarelösung wird also von uns betrieben und permanent weiterentwickelt. Angeschlossene Händler arbeiten damit immer mit einer Softwarelösung, die den aktuellsten Entwicklungen im E-Commerce gerecht wird, und die nicht eigenständig aktualisiert oder heruntergeladen werden muss. Die Datensicherung und die Skalierung der Systeme übernehmen wir ebenfalls.

In Japan ist M-Commerce ein wichtiges Segment. Welche Erfahrungen können Sie exportieren?

In Japan sind aktuell knapp 30% der Umsätze auf dem Rakuten-Marktplatz auf mobile Geräte zurückzuführen. Allerdings ist Japan bereits eine Infrastruktur vorhanden, bei der Deutschland noch Nachholbedarf hat. Wenn uns da eine Verbesserung gelingt und Themen wie Mobile Payment ausgearbeitet sind, wird M-Commerce auch hierzulande schon bald ein zentrales Thema sein. Daher arbeiten wir bereits jetzt daran. Natürlich profitieren wir dabei vom Know-how aus dem weltweit größten Mobile-Markt Japan, auf dem Rakuten Marktführer ist. Unsere wichtigste Erkenntnis ist, dass es im M-Commerce am wenigsten um Features und Funktionen geht, sondern darum, das bestehende Kerngeschäft nicht zu vernachlässigen und auch das Backend für alle Endgeräte fit zu machen. Für uns als Marktplatz heißt das in erster Linie, dass wir alle Weichen stellen, damit unsere Händler reibungslos und performant über die Plattform verkaufen können.

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