Rene Otto: Social Media ist eine Brücke

Von Gastautor | 9. April 2013 |

rene otto
Wann soll ich das noch machen? Warum soll ich das überhaupt machen? Diese Fragen stellen sich gerade auch viele mittelständische Händler mit Blick auf Social Media. 

Rene Otto hat solche Fragen für sich längst beantwortet. Der Macher des Merchandising-Shops Rock'n Shop setzt auf Tante Emma 2.0.

Mit Erfolg.  Auf mittlerweile elf Prozent taxiert Otto den Umsatzanteil, der über Facebook-Fans und Social Commerce erreicht wird.

Im nachfolgenden Gastbeitrag für etailment gibt er deshalb ein klares Plädoyer für Social Media ab und richtet sich damit auch ganz bewusst an Zweifler im Mittelstand:

Social Media ist spätestens seit dem Börsengang von Social Media-Primus Facebook nicht nur Internet-Nutzern ein Begriff, sondern auch World-Wide-Web Verweigerer haben nun eine dezidierte Meinung zu Social Media.

Entsprechend kontrovers wird das Thema diskutiert. Über den Sinn und Unsinn von Social Media lassen sich oberflächlich betrachtet sehr gut diametrale Standpunkte finden und rational verteidigen. Aber allein die Tatsache, dass mehrere Milliarden Menschen sich an Social Media aktiv beteiligen, zeigt eindeutig, dass an der Existenzberechtigung von Social Media nicht zu zweifeln ist.

Die Basis für den weltweiten Erfolg von Social Media ist so trivial wie einleuchtend.

Anerkennung von anderen Menschen

Die Nutzer von Social Media haben wie alle denkenden Individuen den Wunsch, sich selbst zu verwirklichen. In der Maslow´schen Bedürfnissen-Pyramide ist nach „Grundsicherungswünschen“ wie ausreichender Ernährung und die Sicherung des eingenen sozialen Umfeldes, die Anerkennung von anderen Menschen auf der Verwirklichungsskala dicht neben der Grundsicherung angesiedelt. Kein anderes Bedürfnis als dieses wird über das aktive Beteiligen an Social Media befriedigt. Die Ausprägungsform von Quantität und Qualität mögen unterschiedlich sein – allen Nutzern von Social Media ist eines gemein – „nehmt war, was ist tue und sagt im besten Fall „gefällt mir“!“.

In Zeiten in denen schon am wirtschaftlichen Erfolg von Social Media auf Grund des vergleichsweise schwachen Börsenkurses von Facebook spekuliert wird, lohnt sich ein tiefgreifender Blick hinter die Kulissen.

Es liegt auf der Hand, nur was wirtschaftlich stabil entwickelbar ist, wird sich nachhaltig durchsetzen. Und Social Media hat gute Chancen sich durchzusetzen, weil es über das Grundbedürfnis der Anerkennung eine fundamentale Basis für Werbung aufweist.

Streuverluste und die Zielgruppe

Ein Vergleich mit den wirtschaftlich schwächelnden Massenmedien wie Anzeigen- oder Fernsehwerbung zeigt deutlich wo für Unternehmen, die auf Social Media in ihrer Kommunkation setzen, die Vorteile liegen.

Bei der Etat-Planung für Anzeigen haben Entscheider in der Regel nur im Vorweg über eine mehr oder minder genaue Zielgruppen-Analyse die Möglichkeit die Werbung so genau zu platzieren, dass sie tatsächlich die Zielgruppe trifft. Wenn die Werbeanzeige einmal geschaltet ist, hilft nur noch hoffen, dass das Medium korrekt ausgewählt ist (das ist in der Regel auch so), dass aber auch exogene Faktoren wie die Inhalte des Mediums stimmen, sprich dass sich das Medium auch verkauft oder viel banaler selbst das Wetter muss passen, je nachdem was beworben wird.

Analog verhält es sich in der TV-Werbung. Beide Werbeformen haben gemeinsam, dass sie zwar Massen erreichen, aber enorme Streuverluste damit einhergehen. Viele Menschen, die erreicht werden, gehören einfach nicht zur entsprechenden Zielgruppe.

Während das Überlesen der Anzeige oder das beliebte Zappen mit der Fernbedienung oberflächlich schwer analysierbar sind, ermöglicht bereits ein Blick auf die Briefkasten-Batterie eines Hochhauses wie Menschen mehrheitlich zu unerwünschter Werbung stehen: „Keine Werbung einwerfen!“.

Im Internet gibt es diese Form der Massen-Werbung ebenso -  so genannte Werbe-Banner blinken dem Internet-Surfer auf nahezu allen kommerziell ausgerichteten Internetseiten entgegen. Häufig sind diese Werbebanner die wirtschaftliche Grundlage für Webseiten-betreibenden Unternehmen. Entsprechend funktioniert auch die Vermarktung der Werbefläche – je häufiger eingeblendet, desto mehr profitiert das Webseiten-betreibende Unternehmen – ob auch das Werbe-treibenden Unternehmen über sein geschaltetes Banner Erfolg hat, ist messbarer als in der Offline-Welt, aber grundsätzlich ist der Erfolg auf Grund der Streuverluste vergleichsweise überschaubar.

Das Weltunternehmen Google finanziert sich ebenfalls zu einem Großteil über Werbung. Die Google Adwords bilden hier die Basis für den immensen Erfolg von Google. Ähnlich wie publizierende Unternehmen im Internet platziert Google in seiner Suchmaschine Werbeflächen, meist über den Suchtreffern angeordnet und darüber hinaus auch rechts daneben. Der wesentliche Unterschied zu breit streuender Werbung ist die Tatsache, dass Google die Werbung in Abhängigkeit zu den gesuchten Begriffen einblendet. Hierbei gewinnen alle drei Beteiligten – der Nutzer findet neben generischen Suchtreffen auch Informationen von kommerziellen Anbietern, diese Anbieter schalten Werbung über Google nur bei Internet-Surfer, die einen direkten Bezug zu ihrer Werbung haben und Google kann Werbeflächen anbieten, die wesentlich weniger Streuverluste aufweisen, dieses spiegelt sich auch in den vergleichsweise günstigeren Werbepreisen für die Anbieter wieder.

Google-Anzeigen für Bedarfsdeckung

Einzig der Nachteil, dass Google nur Werbung anbieten kann, bei der ein Grundinteresse des Google Nutzers vorhanden ist, limitiert dieses Geschäfts-Prinzip. Der Nutzer muss schließlich erst nach einem Begriff suchen, bevor Werbung zugesteuert werden kann. Die Google-Anzeigen zielen also nur auf eine Zielgruppe, deren Ziel „Bedarfsdeckung“ in jegliche Form ist und selbst dieser Markt ist riesig, wie der Erfolg von Google erahnen lässt.

 Social Media geht noch einen Schritt weiter. Anstelle der Ausrichtung auf maximale Reichweite oder auf Bedarfsdeckung zu fokussieren, wird Werbung im Social Media Bereich Zielgruppen-exakt gesteuert.

Social Media: individuell abgestimmte Werbung

Auf Basis der Selbstverwirklichung von Individuen lassen sich entsprechende Cluster oder Millieus bilden, die einen weiteren Marketing-Ansatz bedienen. Auch wenn sich jeder Einzelne sich darstellt, sind Schnittmengen zu anderen Nutzern natürlich.

Rock N Shop facebook

Auf Grund der Tatsache, dass die Nutzer Social Media sehr genaue Profile aufbauen, können werbetreibende Unternehmen absolut treffsicher ihre Werbebotschaften an die Empfänger-Gruppen platzieren, die für Ihre Produkte affin sind. Neben den absoluten Effizienz-Vorteilen, sprich dem effektiven Mitteleinsatz auf Seiten der Unternehmen, erfahren auch Social Media-Nutzer den Vorteil, individuell abgestimmte Werbung zu erhalten und somit von einer Werbeansprache verschont zu bleiben, die komplett an ihren Interessen vorbeigeht. Auf Grund der nachweislichen Erfolge in der Social Media Werbung was das positive Kosten-Nutzen Verhältnis angeht, kann entsprechend der Rückschluss gebildet werden, dass diese Art der Werbung bei den Verbrauchern „ankommt“, da im Vergleich zu anderen Werbeformen überdurchschnittliche Response- und Conversionzahlen (Antwort- und Umwandlungsquoten) erzielt werden.

Aus Social Media wird Social Commerce

Auf diese Weise weckt Social Media im Blick auf seine jeweilige Zielgruppe Bedarf.  So wird aus Social Media, Social Commerce – die wirtschaftliche Basis von Social Media. Die Art der Werbung kann von einfachen Werbeanzeigen über aufwendig konzipierte Kampagnen bis hin zur Empfehlung von anderen Nutzern erzeugt werden.

Selbst wenn die Nutzer von Social Media in ihren Kunden-Account Werbeblocker wie „Keine Werbung einwerfen!“ platzieren könnten, sie würden es wesentlich weniger einsetzen als an ihren physischen Briefkästen, in ihren E-Mail Postfächern oder in ihren Web-Browsern, in denen die Pop-Up Blocker eingesetzt werden – einfach weil die Werbung auf sie zugeschnitten ist.

Ob z.B. nun Facebook oder Twitter in ihren Geschäftsmodellen gut performen, absolut gesehen oder im direkten Vergleich mit Google oder anderen Werbeformen, sei dahin gestellt. Social Media in Summe gehört unzweifelhaft die Zukunft – sowohl als Werbe- als auch als Kommunikationsform.

rene otto
Über den Autor

Rene Otto ist  Berater für Online-Marketing & E-Commerce (Trust in Dialog ) sowie E-Commerce Händler der RockNShop GmbH. Der Shop ist spezialisiert auf Merchandising und Fanartikel. Vor dem Start mit Rock N Shop in 2006 leitete er das Marketing beim Kontaktlinsen-Händler Lenscare.de. Rene Otto ist zudem Vorsitzender des Arbeitskreises E-Commerce im Branchenverband bvh.


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Thema: Player&People

Schlagworte: Social Media, Gastbeitrag

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