Spreadshirt mit Rekordwachstum / Rooke: Wir stehen am Anfang radikaler Veränderungen

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 29. März 2012 |

philip rooke spreadshirt
Die Clothing-Commerce-Plattform Spreadshirt legt ein fulminantes Wachstum hin. Der Umsatz stieg 2011 um 43 Prozent auf 45,8 Millionen Euro. Der Onlineversand für personalisierte Kleidung erwartet für das laufende Jahr ähnliche Zuwächse.

Im Interview mit etailment.de sieht Spreadshirt-Chef Philip Rooke die Beleidungsindustrie "am Anfang einer radikalen Veränderung". Rooke: "Die Zukunft gehört On-demand-Clothing". In naher Zukunft sind zu dem TV-Spots geplant.

Es gibt eine wachsende Anzahl von Wettbewerbern. Kann das Wachstumstempo da gehalten werden?

Der gesamte Markt wächst derzeit sehr stark. Als Marktführer profitiert Spreadshirt von dieser Entwicklung. Je mehr Leute mit personalisierter Bekleidung in Berührung kommen, desto besser für uns. Entscheidend für uns ist daher weniger die Konkurrenz. Die Herausforderung besteht darin, noch mehr Konsumenten und Unternehmen die Möglichkeiten von Mass Customization näherzubringen. Wir stehen erst am Anfang einer radikalen Veränderung der Bekleidungsindustrie. Die Zukunft gehört On-demand-Clothing: Ich trage genau das, was ich bin - und die Botschaft, die ich vermitteln will. Wir sind zuversichtlich unsere Wachstumsziele zu erreichen.

In welchen Geschäftsbereichen und Ländern sehen Sie die besten Chancen?

Wir konzentrieren uns weiterhin auf unsere Stamm-Märkte in Europa: Deutschland, Frankreich und UK – hier erwirtschafteten wir im vergangenen Jahr mehr als zwei Drittel unseres Gesamtumsatzes. Der Konsument in diesen Ländern ist mittlerweile sehr emanzipiert und erwartet, dass er seine Ideen und Wünsche direkt online verwirklichen kann. Das kommt uns als Plattform, auf der man seine Ideen umsetzen kann, entgegen. In den USA ist der Customization-Markt bereits weiter entwickelt, hier sehen wir vor allem durch unsere Produkt- und Qualitätsstandards weitere Wachstumschancen.

Darüber hinaus sind wir dabei, Teams und Partnerschaften für ganz neue Märkte aufzubauen. Australien, Brasilien und die Türkei stehen dabei ganz oben auf unserer Liste für die nahe Zukunft.

Spreadshirt T Shirt selbst drucken
Spreadshirt hat unter anderem seine Aktivitäten im B2B-Bereich – zum Beispiel bei Arbeitskleidung – ausgebaut. Versuchen Sie damit eine neue Zielgruppe für die Mass Customization zu gewinnen?

Generell gibt es noch viel mehr Bereiche, die für uns attraktiv sind: Sportvereine und -Clubs sowie deren Fans, die Merchandising und Team-Outfits benötigen, sind ebenfalls eine Zielgruppe für uns. Im letzten Jahr nahmen die Anfragen für Produkte aus dieser Sparte enorm zu. Die Erweiterung unseres Sortiments wurde bislang sehr gut angenommen und wird mehr und mehr Partner auf uns aufmerksam machen. Aber nicht nur Sportartikel und Arbeitskleidung, sondern auch Accessoires wie Laptoptaschen sind Produkte, die häufiger von unseren Kunden und den rund 40.000 aktiven Shop-Partnern nachgefragt werden.

Spreadshirt kooperiert mit Partnern wie bspw. dem Fernsehsender VOX. Welche Rolle spielen Shop-Partner und Marken in Zukunft?

Die Kooperationen und Shops mit großen Partnern wie bspw. VOX oder RTL spielen eine zunehmend wichtigere Rolle für unser Geschäft. Mit unserer API-Schnittstelle und einer kompletten Abrechnungs und Infrastruktur sind wir in der Lage, jedem unserer Partner die passende Lösung anzubieten, ganz gleich ob Longtail oder Key Account. Die Partnerschaften mit Medienhäusern und großen Marken machen dabei einen stetig wachsenden Umsatzanteil aus. Spreadshirt ist selbst für große Einzelhändler interessant, da unsere Plattform es ermöglicht, Funktionen und Produkte nahtlos in deren Markenumfeld zu integrieren. Das ist es letztendlich auch, was uns von anderen Anbietern im Markt unterscheidet.

Daniela Katzenberger VOX SHOP
Sollten Sie, um das Wachstum voran zu treiben, nicht viel mehr in Werbung investieren?

Wir testen, was funktioniert. Und wir erweitern unsere Werbemaßnahmen sukzessive. Wir haben beispielsweise gerade TV-Spots für Frankreich und Deutschland produziert, die die Zuschauer in wenigen Wochen sehen können. Im Laufe dieses Jahres erweitern wir unsere Aktivitäten noch auf  UK. Zusätzlich werden wir auch weiterhin andere Offline-Maßnahmen wie Plakat, Radio und Print testen – und weiter ausbauen, was gut funktioniert.

Wie wichtig ist die API-Strategie für Spreadshirt?

Die API ist das Herzstück unserer Plattform. Unternehmen, Werbetreibende und Großhändler benötigen oftmals eine sehr individuelle Integration. Auf Basis der API können unsere Partner die  Vertriebskanäle individuell auswählen. Ob Facebook, Blog, iPad-Shop oder Einbindung auf der eigenen Webseite: Alles kann passgenau und immer im Look-and-Feel der Marke eingebunden werden.

Wird es in Zukunft eine Art 360-Grad POS geben?

Dafür gibt es zurzeit keine Pläne von unserer Seite.

Was erwarten Sie sich von Facebook und Social-Shopping?

Social-Shopping ist ein spannender Geschäftsbereich für uns, der gleichzeitig auch sehr schnell wächst. Es gibt eine Vielzahl junger Marken und Social Web-Stars wie die YouTuber, die eine große Fanbasis haben und Merchandising-Produkte brauchen. Unsere Facebook Shop-App ist eine Möglichkeit, mit der die Fans die Produkte unserer Partner direkt auf dem Social Media-Kanal kaufen können.

Social Media ist aber auch für uns und unsere Community enorm wichtig. Über unseren Blog, das Spreadshirt-Forum sowie Facebook & Co. haben wir über die vergangenen Jahre eine starke Community gewonnen, die uns mit ihren Ideen vorantreibt und uns täglich besser werden lässt.

Ist der Umsatzanteil, der über Facebook generiert wird spürbar?

Ja, allerdings geben wir keine Zahlen dazu heraus.

Wie werden Sie Pinterest einbinden?

Was Pinterest für uns als Kanal interessant macht, ist die Fülle an Ideen und Designs, die dort geteilt werden, und der starke Design und Do-it-Yourself Fokus. Das sind Faktoren, die auch zu Spreadshirt passen. Deshalb schauen wir uns Pinterest momentan näher an und testen die Plattform für unsere Zwecke. Spannend wird dann natürlich sein, wie viele Kunden dadurch tatsächlich inspiriert werden, bei uns aktiv zu werden. Und natürlich würde mich auch interessieren, welches Business-Modell Pinterest verfolgt. 

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