Takko bezog Tops und Sakkos aus chinesischen Gefängnissen

Von Roland Schweins | 5. November 2012 |

Takko Fashion
Manche Dinge fühlen sich grotesk an. Da tritt der Textil-Billiganbieter Takko der Fair Wear Foundation bei, spürt die harte Kritik der weiteren Mitglieder der Organisation und lässt kurze Zeit später in chinesischen Gefängnissen nähen, um auf diese Statuten lauthals zu pfeifen. 50.000 Teile -  Jacken und Tops sollen laut Spiegel Online hinter Gefängnismauern produziert worden und dann über den Asienhandel-Organisator Global Fashion Support GmbH (GFS) in die Takko-Filialen in den Verkauf gebracht worden sein.

Der Skandal reiht sich ein in Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen in der Kleidungsherstellung. H&M stand schon vor einigen  Jahren unter massiver Kritik. Die Vorwürfe: Das Unternehmen beute Näherinnen in Bangladesh aus und profitiere von Kinderarbeit.

Hat sich etwas geändert?

Offensichtlich nicht, denn jüngst musste der schwedische Filialist wiederholt zu Vorwürfen Stellung beziehen, das Unternehmen zahle bei Subunternehmern in Kambodscha 14,50 Euro für 70 Stunden Arbeit.

Konkurrent Kik findet derweil die Angehörigen von Opfern eines Brandes in einer pakistanischen Fabrik mit 1930 Euro je verlorenem Menschenleben ab.

takko-shirt
Shirt von Takko für 9,95 Euro. Wer zahlt den Preis - der Konsument oder der Produzent?
Shirt von Takko für 9,95 Euro. Wer zahlt den Preis - der Konsument oder der Produzent?

 

Organisationen wie die Fair Wear Foundation gibt es übrigens zahlreiche. Vergleichbar ist in etwa auch die Fair Labor Accociation. Der Verbraucher hat im Zweifel kaum eine Chance, hinter die Kulissen von Labels zu blicken und herauszufinden, wie die Teile produziert wurden. Er kann nicht einmal sicher sein, wenn er etwas mehr Geld berappt.

Der Verein Rank a brand macht sich übrigens die Mühe und erstellt Rankings, in denen die Unternehmen gut bewertet werden, die sich entsprechenden Organisationen anschließen und dies auch öffentlich machen - das Kriterium ist also Transparenz. Der Fall Takko zeigt allerdings: So eine Mitgliedschaft in einer Organisation für faire Produktionsbedingungen bedeutet im Zweifel nicht mehr als ein Feigenblatt.

Update: Inzwischen hat sich das Unternehmen Takko mit einer Stellungnahme zu Wort gemeldet.

Über den Autor:

roland schweinsRoland Schweins ist Geschäftsführender Gesellschafter der styleranking media GmbH in Düsseldorf. styleranking ist ein verlagsunabhängiges Modeportal, das es Mitgliedern ermöglicht, Bilder von Outfits der Community zu präsentieren und Styles zu bewerten. Eine internationale Moderedaktion schreibt über die neuesten Trends aus Paris, New York, Mailand oder Berlin in den Rubriken Fashion-News, Beauty, Designer oder Lifestyle. Roland Schweins lehrt zudem New Media Management an der International School of Management in Dortmund und Frankfurt, berät Unternehmen bei ihrer Onlinestrategie und bloggt für moderne Väter unter Passionpapa.de. Er ist zudem mehrfacher Buchautor und Mitglied in der Fachgruppe Social Media im Bundesverband Digitale Wirtschaft.



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