Breuninger: Multichannel auf schwäbisch

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 11. September 2014 | 3 Kommentare Kommentieren

Breuninger: Multichannel auf schwäbisch
Das Breuninger Magazin gibt es als Printausgabe und seit Anfang September auch als digitale Version
„Grenzen überschreiten. Neues wagen. Kunden begeistern, faszinieren, klug an sich binden“. So begann jüngst ein Beitrag in der TextilWirtschaft über den Multilabel-Händler Breuninger. Die Kette aus Stuttgart beherrscht das offline ebenso gut wie online. Aus einer ganzen Reihe von Gründen.

 

Man spürt es als Kunde selbst, wenn man sich beispielsweise als Mann in die Hochrisikozone wagt, einen Anzug online zu kaufen. Es ist ja nicht nur die Bildgewalt im Shop samt hochauflösender Zoom-Funktionen, die Verarbeitung und Texturen gut erkennbar macht und damit die Haptik beinahe ersetzt. Es sind nicht nur die tatsächlich passgenauen Empfehlungen für das ergänzende Outfit. Es ist auch die bewusste Verschränkung mit dem Filialgeschäft: Umtausch im Laden? Kein Problem. Lieferung in ein Breuninger-Haus? Kein Problem. Andere nennen das Click & Collect. Breuninger nennt es vermutlich Normalität.

Grenzen, die gibt es bei Breuninger eben nicht.

Auch nicht mobil. Die Breuninger-App sorgt mit zahlreichen Funktionen (Shop, Breuninger Card, Coupons, Filialservices) für einen relevanten Touchpoint. Die mobile Website kommt im Responsive Design daher.

Innovation ist Teil der DNA bei Breuninger, das Ende der 50er Jahre als eines der ersten Unternehmen eine Kundenkarte anbot. „Die Märkte verändern sich mit Macht. So massiv wie seit Jahrzehnten nicht. Wir haben nicht auf alles eine Antwort, sind uns aber sicher, dass man etwas wagen muss“, diktierte Firmenboss Willy Oergel dem Branchenblatt in den Schreibblock. Die Breuninger Card übrigens, die den Nutzern nicht nur lausige Rabatte bietet, sondern exklusive Services und Angebote offeriert, gilt auch im Webshop als Zahlungsmittel. Der Inhaber spart zudem die Versandkosten.

Aber auch die Filialen werden weiterhin auf Premium getrimmt. Beispiel dafür ist das Flagschiff in Düsseldorf. Das Haus, das noch den schönen alten Begriff Flaniermeile für sich beansprucht, zeigt, wie man ein Warenhaus zum Erlebnis machen kann. Das spricht jeden Servicewunsch (Maßatelier, Änderungsschneiderei, Stilberater) und alle Sinne bis hin zur Kulinarik an. Wo andere bessere Rastplatz-Restaurants aufbieten, setzt Breuninger auf das Sylter Chic-Restaurant Sansibar Düsseldorf. Nur ein Beispiel von vielen.

 

breuninger
Liebe zum Detail: Keine Ware am Bügel

Die Verlinkung von stationären und digitalen Angeboten, sie ist (nicht nur) dort selbstverständlich. Microsoft Dynamics AX 2012 steuert das Warenwirtschaftssystem im Online-Shop und den großen Modehäusern.

Hinzu kommt: Eher dezent spielt Breuninger im Web mit der emotionalen Komponente. Das ist gut so und schafft ein Gleichgewicht zwischen Usability und Markenerlebnis. Wer es tiefschürfender mag, kann sich von Styling-Experten per Video aktuelle Trends erklären lassen. Links zu den Produkten im Film? Aber selbstverständlich. Berichte zu Events und Fashionshows gibt es im Fashion-TV natürlich auch.

 

Content Marketing als Erlebnis-Faktor? Das Breuninger Magazin, das mit vornehmer Zurückhaltung auf Produkte und Services verweist, beantwortet diese Frage mit kurzen Storys und großformatigen Bilderstrecken. Das Printmagazin gibt es inzwischen auch als digitale Version.

Ob sich der ganze Aufwand lohnt? Oertel, Schwabe, sagt: „Wir haben gut gerechnet und besitzen einen langen Atem.“

Binnen fünf Jahre will Breuninger jedenfalls rund 20 Prozent der Umsätze im Internet erzielen.

Breuninger

2012 setzte das Unternehmen rund 515 Mio. Euro um. Der Onlineshop leistet mit ordentlichen Wachstumsraten dazu einen erheblichen Beitrag. Das Unternehmen mit 11 Filialen in Deutschland schreibt schwarze Zahlen. Die Breuninger Card ist mit inzwischen über eine Million vergebenen Kundenkarten ein wesentlicher Marketing-Hebel.

Was dafür spricht: Bei Breuninger ist Multichannel nicht einfach nur eine strategische Entscheidung, sondern Teil der Unternehmenskultur, die sich auch darin zeigt, dass auch der Webshop zu den "Häusern" gezählt wird.

Wie (beinahe) gleichberechtigt all die Häuser nebeneinander stehen, das zeigt auch schon die hochwertige Willkommens-Mail für neue Newsletter-Abonennten.

Breuninger: Multichannel auf schwäbisch
Detaillierte Navigation: Werbung für den Onlineshop im Newsletter

Nach Kurzvorstellung von Unternehmen und Filialen wird schon der Online-Shop beworben, dem dabei deutlich mehr Platz eingeräumt wird als den Läden.

Der bestellte Anzug, er musste übrigens nicht umgetauscht werden. Er kam obendrein in einem Paket – besser - Karton, der dem Premiumanspruch des Hauses gerecht wird. Die Multichannel-Kultur, sie stimmt bei Breuninger auch noch auf dem letzten Meter.

Breuninger: Multichannel auf schwäbisch
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Schlagworte: Multichannel, Breuninger

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Hans Mustermann
    Erstellt 12. September 2014 15:13 | Permanent-Link

    Wieviel Werbung hat Breuninger eigentlich bei Ihnen gebucht, um so einen Artikel zu bekommen?

  2. Erstellt 12. September 2014 16:03 | Permanent-Link

    Ach herrje, Neidisch, weil Breuninger einen tollen Job macht? Ihre böswillige sowie ehrenrührige und noch dazu feige, anonyme Unterstellung deutet jedenfalls darauf hin.

  3. Erstellt 18. September 2014 09:28 | Permanent-Link
    Kleine Mankos gibt es doch

    Naja, manchmal haken die Multi-/Omnichannel-Prozesse bei Breuninger aber doch. Wenn ich zum Beispiel Ware, die ich online zum Anprobieren in die Filiale ordere, vorab per Kreditkarte bezahlen und dann bei Nichtgefallen darauf warten muss, dass der Betrag zurückgebucht wird. Scheint mir als Kunde nicht logisch. Zumal Zahlen im Internet ja immer noch als Conversion-Killer angesehen wird. Ein paar Hausaufgaben gibt es also auch noch bei Breuninger. Auch der - immerhin vorhandene - Click & Collect-Schalter könnte etwas zentraler platziert sein. In Stuttgart muss man doch ganz schön weit laufen bis dahin :-)

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