eBay-Chef Stephan Zoll: E-Commerce und das stationäre Modell – wie Marktplätze den Widerspruch aufheben

Von Gastautor | 26. November 2015 |

Entdeckungen machen, sich inspirieren lassen, suchen, kaufen - Kunden interagieren heute auf unterschiedlichsten Kanälen und Endgeräten mit dem Handel. Die einzelnen Touchpoints und Momente der Customer Journey zu verknüpfen, stellt gerade auch den stationären Handel vor immense Herausforderungen. In einem Gastbeitrag für etailment sagt Stephan Zoll, Deutschland-Chef von eBay, warum deshalb für das klassische Handelsgeschäft an Marktplätzen und natürlich an eBay kein Weg vorbei führt.  

eBay-Chef Stephan Zoll:
eBay-Chef Stephan Zoll

 

Kunden möchten kaufen. Im Prinzip ließe sich so die vielzitierte Veränderung des Kaufverhaltens heutiger Konsumenten zusammenfassen. Gemeint ist: Für Kunden steht der Erwerb eines bestimmten Artikels im Mittelpunkt – der Zugangsweg zum gesuchten Produkt, online oder offline, ist nebensächlich. Sie unterscheiden nicht zwischen den Verkaufskanälen. So kann der Kaufprozess stationär, im Internet oder per Kombination der Verkaufskanäle stattfinden. Denn auch wer nicht online bestellt, stöbert häufig im Netz, vergleicht digital Preise oder überprüft vorab das Angebot einer Filiale in der Nähe. Für die Konsumenten sind die Grenzen zwischen Online- und Offline-Handel somit längst passé.

Den klassischen Einzelhandel in der Innenstadt mit konventionellen Vertriebswegen stellt dies indes vor große Herausforderungen. Denn wer den Anschluss an die vernetzte Käuferschaft nicht verpassen möchte, muss das bewährte stationäre Geschäftsmodell dem veränderten Einkaufsverhalten der Konsumenten anpassen. Gerade kleinen und mittleren Unternehmen erscheint das häufig nach wie vor als digitale Herkulesaufgabe: „Vernetzter Handel“, „Omnichannel“ oder „Multiscreen“ – die unter derlei Schlagworten subsummierten Entwicklungen sind in der Tat vielfältig und technisch komplex. Die gute Nachricht aber lautet weiterhin: Mit den tiefgreifenden Umwälzungen durch die Vernetzung des Handels ergeben sich auch für lokale Händler enorme neue Potenziale.

Effizienter Vertriebskanal für Händler aller Größen

Eine Strategie für Händler und Marken, mit dem rasanten Wandel des Handels Schritt zu halten, bietet die Präsenz auf Online-Marktplätzen. Die Vorteile beginnen beim einfachen Zugang: Online-Shops lassen sich in der Regel ohne großen Aufwand auf den Marktplätzen einrichten, führen und – abhängig von der IT-Systemlandschaft – unkompliziert in die eigene Warenwirtschaft integrieren. Darüber hinaus profitieren die Verkäufer von der großen Reichweite lebendiger Marktplätze. Bei eBay beispielsweise können Händler alleine in Deutschland mehr als 17 Millionen aktive Käufer erreichen. Und das nicht nur per Desktop. Online-Marktplätze bringen die Waren der Händler auf die Smartphones und Tablets der Konsumenten und generieren damit immense zusätzliche Reichweite. So wurden beispielsweise die Apps von eBay in Deutschland in den vergangenen zwölf Monaten knapp fünf Millionen Mal heruntergeladen. Der mobile Kanal wächst rasant und machte vom globalen Handelsvolumen bei eBay im dritten Quartal 2015 bereits mehr als 40 Prozent aus. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit für Händler, mobil präsent zu sein.

eBay

Förderlich sind zudem die Breite und Tiefe des Sortiments auf Online-Marktplätzen. Zum einen können sich Kunden dadurch fast sicher sein, etwa bei eBay gesuchte Produkte auch zu finden; zum anderen stoßen Kunden bei der Suche nach unterschiedlichen Wunschartikeln über Suchmaschinen auf den Marktplatz. Darüber hinaus erreichen Händler potenzielle Kunden vollkommen unabhängig von Ladenöffnungszeiten. Gerade für die ersten Schritte eines stationären Einzelhändlers in den vernetzten Handel bieten Online-Marktplätze damit ein attraktives Maß an Nachfrage, ohne dafür eigene, kostspielige Werbe- oder Marketingmaßnahmen ins Rollen bringen zu müssen.

Verzahnung von Ladengeschäft und Online-Handel

Viele Einzelhändler nutzen die vielfältigen Vorteile der Verbindung von stationärem Handel und einem eigenen Online-Shop heute schon. Die Partnerschaft mit dem Einzelhandel bei eBay hat bereits Tradition. So zeigte beispielsweise eine Studie aus dem Jahr 2012, dass knapp die Hälfte aller eBay-Händler neben dem Handel auf dem Online-Marktplatz auch in einem oder mehreren stationären Ladengeschäften verkaufte und bereits vom Multichannel-Verkauf profitierte.

Als einer der vielen Vorteile durch einen Shop auf einem Online-Marktplatz sind unter anderem die verfügbaren Apps zu nennen, über die Kunden mobil auf die Angebote des Händlers zugreifen können. So wächst die Gruppe der Kunden, die für das Shopping oder zum Stöbern das Smartphone oder Tablet nutzen, zurzeit schnell. Einzelhändler, die über nutzerfreundliche Apps von Online-Marktplätzen auf dem mobilen Verkaufskanal präsent sind, handeln somit zukunftsweisend. Nicht umsonst schätzen über 70 Prozent der Online-Marktplatzhändler die Zukunft von Online-Marktplätzen als positiv ein, wie der aktuelle Konjunkturindex Marktplatz-KIX von eBay und ECC Köln zeigt.

eBay

Mit Funktionen wie Click & Collect können Marktplatz-Händler darüber hinaus weitere Mehrwerte für ihre Kunden schaffen. Das Prinzip: Die Kunden können im Online-Shop einkaufen und sich die Ware nach Hause schicken lassen, oder aber im Ladengeschäft abholen. Dadurch wird das Shoppen noch flexibler, die Lieferzeit entfällt – und Versandkosten fallen auch keine an. Der Vorteil für den Verkäufer: Durch die Abholfunktion wird die Kundenfrequenz im Laden erhöht, Händler kommen in den direkten Kundenkontakt und profitieren von Cross-Selling-Potenzialen. Somit ermöglichen Online-Marktplätze als Partner der Händler eine gewinnbringende Verzahnung von Filialgeschäft und Online-Shop. Für über 60 Prozent der Multichannel-Händler sind Online-Marktplätze nach dem aktuellen Marktplatz-KIX die größtenTreiber für ihre Umsatzentwicklung.

Pilotprojekt bringt stationäre Händler ins Netz

„Es ist eine Tatsache, dass immer mehr Menschen online einkaufen. Auch wenn das der ein oder anderen Stadt und den dort ansässigen Händlern vielleicht nicht passt“, bringt Prof. Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein die aktuelle Entwicklung auf den Punkt. Die Hochschule befasste sich in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach mit der Frage, wie sich der stationäre Einzelhandel im E-Commerce-Zeitalter aufstellen sollte.

Das klare Ergebnis der Studie: Eine Präsenz auf Online-Marktplätzen sei die ideale Reaktion auf das veränderte Kaufverhalten der Kunden. „Jeder Händler kann sich sein Stück vom Kuchen sichern und Online-Umsatz machen, wenn der Schritt in den digitalen Handel vollzogen wird“, sagt Heinemann. Online-Marktplätze wie eBay bieten hierzu seiner Meinung nach ideale Voraussetzungen.

Die Ergebnisse der Studie haben die Kooperationspartner in Zusammenarbeit mit eBay für ein einzigartiges Pilotprojekt aufgegriffen. Im Rahmen des Anfang Oktober gestarteten Projekts „Mönchengladbach bei eBay“ verbinden lokale Händler aus der Stadt ihr Sortiment mit einem Shop auf dem Marktplatz. Die Händler und Produkte werden auf der Einstiegsseite www.mg-bei-ebay.de präsentiert.

Der Start des Projekts ist positiv verlaufen. So steigt etwa die Anzahl von bislang 65 Händlern aus Mönchengladbach stetig an und erste Erfolgsnachrichten der Verkäufer bestätigen die Idee hinter dem Pilotprojekt.


Online-Marktplätze als Partner der Big Brands

Abseits von der lokalen Perspektive sind Online-Marktplätze auch für Markenhersteller und große Händler als Baustein einer Multichannel-Strategie nicht minder interessant. So können die Unternehmen ihre Vertriebswege durch individuelle Shops passgenau ergänzen. Media Markt und Saturn beispielsweise verkaufen zum einen ihr reguläres Sortiment bei eBay. Zum anderen haben beide Marken bei eBay Outlets für Ausstellungs- und Einzelstücke zu Sonderpreisen eingerichtet. Einen weiteren Ansatz bietet und veranschaulicht das Partnerprogramm für Marken von eBay: Hersteller richten auf dem Marktplatz eine eigene Markenwelt ein und haben die Möglichkeit, Händler zu benennen, die für den Verkauf autorisiert sind. So lässt sich eine hochwertige Verkaufspräsenz einrichten, auch ohne selbst als Verkäufer tätig zu werden. Kürzlich haben sich zum Beispiel WMF und Samsung für eine eigene Markenwelt bei eBay entschieden.

Mein Fazit: Das rein stationäre Geschäftsmodell wird es zukünftig immer schwerer haben. Was sich anhört wie ein „Quo vadis“ für den Einzelhandel, beinhaltet aber – wie so oft – eine große Chance. Denn auch der Einzelhändler aus der Fußgängerzone kann mit den richtigen Schritten vom Online-Handel nachhaltig profitieren. Hier können Online-Marktplätze wie eBay eine niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeit und einen attraktiven ergänzenden Verkaufskanal bieten.


Kindle Kindle
Drucken Artikel versenden

Thema: Player

Schlagworte: Ebay

Schritt für Schritt mit Google Adwords punkten
Suchmaschinenwerbung ist zwar komplex, doch trotzdem ist der Einstieg in Google AdWords keine Rakete ...
Topartikel
Kurz vor 9: Amazon erschreckt mit massiven Verlusten, PayPal, eBay, Urbanara, Apple,
Amazon ist die Produktsuchmaschine Nummer 1 der Deutschen. Gute Sichtbarkeit im Ranking kann daher d ...
Die Top 100 der umsatzstärksten Onlinehändler in Deutschland
Die Dominanz der Top 3 im deutschen Onlinehandel - Amazon, Otto, Zalando - ist schier erdrückend. Zu ...
Trendreport: Wie alltaugstauglich sind die Zukunftsvisionen für den E-Commerce?
Über 12.000 Produkte im ersten richtigen Virtual-Reality-Kaufhaus; ein Vertriebs-Bot, der E-Mails an ...
Rewe Digital: Schweizer Taschenmesser im Kampf gegen Amazon
Guten Morgen etailment-Leserinnen und Leser!Eine Studie der News-Organisation ProPublica zeigt gerad ...
Marc Opelt
Guten Morgen etailment-Leserinnen und Leser!Den Satz kennen Sie sicher: Kunden brauchen keine Bohrma ...

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats