Kann Atalanda den lokalen Handel retten?

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 30. Januar 2015 |

Kann Atalanda den lokalen Handel retten?
Atalanda-Kurier im Laden (Foto: Atalanda/ Markus Auzinger)
Wuppertal hat den Zoo, die Schwebebahn und nun auch einen Online-Marktplatz für lokale Händler. Kann aus der "Online-City-Wuppertal" mehr werden als eine digitale Sehenswürdigkeit? Das Konzept von Dienstleister Atalanda, der die Plattform auf den Weg gebracht hat, könnte mit seinem hybriden und flexiblen Ansatz durchaus eine Blaupause für andere Städte auf dem Weg Richtung Multichannel sein. Das Interesse jedenfalls steigt. Die Zahl der Wettbewerber auch.   

Gerade erst war Atalanda-Mitgründer Roman Heimbold in Waldkraiburg, Tage später in Wien. Auch in Olpe träumt man schon von der Zukunft. Von 20 größeren und kleineren Städten die sich für das noch junge Modell „Wuppertal“ interessieren, spricht Heimbold. 

Offensichtlich schärft die Blaupause eines Mittelzentrums deutlich mehr als Vorbilder wie Hamburg und Salzburg, wo Atalanda ebenfalls ein Marktplatzmodell etabliert hat.

Online City Wuppertal und Atalanda
Reizvoll macht Atalanda vor allem der Abschied von der starren Denke, den lokalen Marktplatz als reines Shopping-Portal zu sehen. Stattdessen können Händler den Marktplatz auch schlicht als digitales Schaufenster nutzen, um Kunden die Option zu bieten, Sortimente und Warenverfügbarkeit abzuchecken.

Das kommt jenen Händlern entgegen, deren Warenwirtschaftsysteme noch auf dem Stand musealer Kontokorrentbücher sind. Statt Provisionen beim Verkauf über die Plattform (8 Prozent vom Nettowarenwert) sollen Händler daher eine monatliche Grundgebühr zahlen können und bekommen dafür eine eigene Microsite im Stadtkontext. Das ist finanziell für manch einen Händler gewiss eine leichter planbare Größe und für viele, deren Homepage noch aus einem AOL-Bausatz von CD stammt, schon ein Quantensprung.

Kann Atalanda den lokalen Handel retten?
Hinzu kommt, dass Atalanda beim Ausbau des Marktplatzgeschäfts auf eine Verflechtung mit lokalen und regionalen Kurierdiensten für ein Same Day Delivery-Angebot setzt. So liefert man dem Handel ein Argument, einen USP gegenüber großen Ketten an die Hand. Gleichzeitig hofft Atalanda hier auf Skalierungsmöglichkeiten, um die Versandkosten niedrig zu halten. Die taggleiche Lieferung gibt es für knapp kalkulierte 5,95 Euro, wenn bis 17 Uhr bestellt wird. Ob diese Wette mit verstreuten Lieferungen und Abholungen gerade in Mittelzentren aufgeht – unklar. Die hauseigene Softwarelösung atalogics begleitet den gesamten Lieferprozess, soll Händlern leichteres Andocken ermöglichen.

Entscheidend aber ist die Frage, wie sehr sich solch ein Marktplatz dem lokalen Charme verschreiben kann, wie sehr sich Nutzer bei Einkauf von einem lokalen Zugehörigkeitsgefühl leiten lassen.
Mit einer lokalen Domain wie www.onlinecity-wuppertal.de ist ein Anfang gemacht. Gefragt ist grundsätzlich aber auch, dass Stadtmarketing und Werbegemeinschaft Impulse Richtung Online setzen, dass die Händler selbst intensiv für die Plattform werben. Zumindest für das Projekt legen sie schon überzeugt Zeugnis ab.

atalanda und die Online City Wuppertal from atalanda on Vimeo.


Nicht zuletzt aber ist auch ein breites Angebot entscheidend, um die Attraktivität zu steigern. Mit inzwischen 45 Händlern auf der Plattform, 25 waren es zum Start, ist ein Anfang gemacht. Über 3.000 Produkte sind derzeit online. Doch für mehr Reichweite und Sortiment wird man auch Filialisten auf solchen Marktplätzen zulasssen müssen. Ein Spagat - droht doch die Gefahr letztlich das Gesicht anonymer Fußgängerzonen anzunehmen.

Für mehr Dynamik braucht es indes auch noch mehr klassische Werbung. Projekte wie kauf-in-deiner-stadt.de (dahinter stehen die  WVW-ORA-Anzeigenblätter) oder „Simply Local“, die mit Beteiligung von regionalen Verlagen (Weser-Kurier-Mediengruppe, Aschendorff Medien, Nordwest-Zeitung Verlagsgesellschaft, Rhein Main Digital) vorangetriebenen werden, könnten daher mancherorts eine ernsthafte Alternative sein. Hinter Simply Local steht zudem die My-Xplace GmbH, eine Tochter des POS-Technologieentwicklers Xplace, an dem wiederum die Media-Saturn Holding die Mehrheit hält. Das kann man als Vorteil, kann man je nach Branche aber auch als Showstopper sehen. Zumal der Auftritt, der an die lokale Plattform Locafox erinnert, wenig Charme der Scholle hat, sondern eher Filialisten hervorhebt.

Der Schulterschluss mit Verlagen hat jedenfalls seine ganz eigenen Charme. Haben sie doch die lokale Werbemacht auf ihrer Seite, können mehr Mediapower auffahren als die chronisch klammen städtischen Werbegemeinschaften, die kaum das Geld für eine Weihnachtsbeleuchtung zusammenbekommen. 

Die Verlagsobjekte aber stehen noch in den Startlöchern. Atalanda, der Name leitete sich von der amazonenhaften Jägerin Atalante aus der griechischen Mythologie ab, hat indes schon nach wenigen Wochen zufriedene Händler als Zeugen parat.

Derzeit läuft bei Seedmatch noch eine Crowdfunding-Aktion für Atalanda. Vielleicht aber sollte Atalanda sich nicht nur die Crowd, sondern auch noch Verlage als Verbündete suchen. Wer den lokalen Handel ins Netz hieven - und auch da halten will - kann jeden Hebel gebrauchen.  

Lesen Sie dazu auch unser Interview mit Atalanda-Gründer Roman Heimbold.


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Schlagworte: Multichannel, Marktplatz, Atalanda

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