Lodenfrey: Digital san ma, fesch san ma

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 3. Februar 2016 |

Lodenfrey: Digital san ma, fesch san ma
Ralf Mager, Lodenfrey
Käufer von hochwertiger Trachtenmode stellt man sich gemeinhin – der Stoiber-Sentenz von „Laptop und Lederhose“ zum Trotz - eher als auch digital konservative Kundschaft vor. Gleichwohl geht das Münchner Traditionshaus Lodenfrey auch am digitalen PoS in die Offensive. Das aber mit Bedacht.

Seit 2010 betreibt der Mittelständler, eines der ersten Modehäuser in München, das 1850 die damals revolutionären Schaufenster an der Straße einsetzte, einen eigenen Online-Shop. Den leitete Ralf Mager, bei Lodenfrey verantwortlich für die Bereiche Online-Kommunikation und E-Commerce, lange Zeit ein wenig abseits vom Münchner Stammhaus.  Die Organisation des Onlineshops zieht nun ins Stammhaus unweit der Münchner Frauenkirche. Nicht nur, um die Weg kürzer zu machen. Der Umzug ist auch Ausdruck des kulturellen Wandels. „Wir denken nicht mehr in unterschiedlichen Kategorien. Der Onlineshop ist Teil der gesamten DNA des Unternehmens“, sagt Mager.

Lodenfrey, das neben Trachten auch Top-Marken wie Stone Island und Tom Ford oder Brioni aufbietet, ist ein Einkaufstempel. Von „Anspruch, Klasse, Wärme“ und dem „Niveau, ähnlich einem eleganten Grand Hotel“ schwärmt zuweilen die TextilWirtschaft.

"Der Onlineshop ist Teil der gesamten DNA des Unternehmens"

Doch auch da ist Platz für die geschickte digitale Lebenswelt.

Das liegt auch an den Kunden. „Früher kam der Kunde mit dem Satz in den Laden `ich suche etwas für diesen oder jenen Anlass`. Heute sagt er `das habe ich online gesehen`“, weiß Mager. Die besten Erfahrungen hat man zuletzt mit interaktiven Touch-Displays in den Abteilungen gesammelt, an denen die Mitarbeiter eine ergänzende Beratung bieten können – beispielsweise zu Artikeln, die der Kunde zuvor online entdeckt hat. Das will man weiter ausbauen.

Lodenfrey: Digital san ma, fesch san ma

Auch Beacons werden und wurden getestet. Doch bei den Bluetooth-Leuchtfeuern ist Mager skeptisch - Aufwand der Pflege, Fragen nach dem passenden Konzept. So richtig mag es nicht zur Kundschaft passen, sie marktschreierisch oder mit dem kostenlosen Kaffee per Smartphone in den Laden zu locken. Den gibt es bei Lodenfrey ohnehin. Die Abstimmung mit den Füßen, die Frequenz in einer Abteilung die kann ein traditionsbewusster, kluger Kaufmann sowieso an der Kasse ablesen.

Wichtiger ist Mager Click & Collect. Wie bei Lodenfrey nicht anders zu erwarten, wird der Kunde dabei nicht abgestellt. Stattdessen gibt es im Haus mit seinen 7.500 Quadratmetern und fünf Etagen künftig eine Click & Collect-Lounge mit einem eigenen hochwertigen Wartebereich – samt Blick auf die Frauenkirche. Die Einführung sieht Mager als „finalen Schulterschluss zwischen allen Kanälen.“ Künftig sollen zudem alle neu gelaunchten Projekte in allen Kanälen gleichermaßen starten. Das hat auch etwas mit dem Servicegedanken des Hauses zu tun. „Lodenfrey - 5sterne plus“ lautet die Vision. Mager: „Das heißt für uns, dass wir alle Services zu 100 Prozent perfekt anbieten“.

"Click & Collect ist der finale Schulterschluss zwischen allen Kanälen"


Das ist nicht immer einfach. Trotzdem gibt es seit Weihnachten einen Gutschein, der über alle Kanäle einlösbar ist. Händler wissen, technisch und organisatorisch ist das ein gewaltiger Aufwand.  Manche meinen gar, es sei ein Horror. Dennoch war die Umsetzung für Lodenfrey wichtig. 100 Prozent Service bedeutet eben auch 360-Grad-Kundenorientierung. 

Sogar schon seit 2012 bietet Lodenfrey, Teil der sogenannten Münchner "E-Commerce-Schickeria" am Marienplatz (Bettenrid, Ludwig Beck, Sporthaus Schuster, Lodenfrey), Same Day Delivery an. Auf kleiner Flamme im Flüster-Modus. Partner ist Tiramizoo.

Lodenfrey: Digital san ma, fesch san ma

Ein Kurier holt den Einkauf in der Lodenfrey-Filiale ab und bringt sie zum gewünschten Zeitpunkt (4 Lieferfenster stehen zur Wahl) zum Wunschort in München. Aufträge über die Lodenfrey Filiale in München kosten laut Tiramizoo 6,90 Euro. Kostendeckend ist das kaum.

Mager und den Kunden geht es ohnehin weniger ums Tempo: „Für die Kunden ist bei Same Day Delivery weniger die Geschwindigkeit entscheidend. Es kommt ihnen mehr auf den flexiblen Lieferzeitpunkt an.“ Dennoch will er das Thema Same Day Delivery weiter vorantreiben und lotet auch Optionen mit anderen Dienstleistern wie DHL aus.

Die digitale Offensive ist aber auch machbar, weil die Webshop-Umsätze des Lokalfürsten das Controlling zunehmend gnädig stimmen.Im Jahr dürfte im Online-Shop nach grober Schätzung der Redaktion ein klar zweistelliger Millionenbetrag zusammenkommen, der damit inzwischen in etwa jeden zehnten Umsatz-Euro für sich verbucht. Das ist auch eine Folge des dauerhaften Wandels. Der mehrfach ausgezeichnete Onlineshop Lodenfrey.de wurde seit 2010 bereits dreimal relauncht: im März 2013, im Juni 2014 und im Juli 2015.


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Schlagworte: Multichannel, Lodenfrey

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