So verlogen ist der Streit um die Rabatte für E-Books

So verlogen ist der Streit um die Rabatte für E-Books
Beim Konditionenpoker spielt Amazon auf Zeit und die Verlagsbranche über Bande
Hilfe vom Kartellamt erhofft sich der Börsenverein des deutschen Buchhandels im Konditionenpoker um die Rabatte für E-Books. Amazon verzögere die Auslieferung von gedruckten Büchern der Verlagsgruppe Bonnier, so der Vorwurf, um höhere Rabatte beim Einkauf von E-Books zu erzwingen. Amazon widerspricht.

Ohnehin zeigen Zahlen zur E-Book-Kalkulation, dass auch dort höhere Rabatte die Verlage keineswegs ins Armenhaus bringen - ist doch die operative Marge deutlich höher als im Printbereich.
Für Verlage sind E-Books trotz teils noch überschaubarer Verkaufszahlen ein mehr als ordentliches Geschäft. Davon gibt man natürlich ungern etwas ab.


Bastei-Lübbe-Vorstand Thomas Schierack rechnete der "Welt am Sonntag" im Frühjahr vor,  dass Bastei Lübbe mit E-Books eine operative Marge zwischen 22 und 25 Prozent erzielt und damit mindestens zehn Prozentpunkte mehr als im Printbereich.

Grund dafür sind aber nicht nur fehlende Druck- und Lagerkosten und fehlender Aufwand für Rücksendungen sondern auch eine komplexe Mischkalkulation.

"Wir glauben, dass sich dieser Umstand auch in den Konditionen widerspiegeln sollte, zu denen Buchhändler bei Verlagen einkaufen. Dies trifft auch zu bei unseren Konditionen mit den meisten Verlagen, mit denen wir arbeiten – so auch bei Verlagen in Deutschland", kommentiert denn auch eine Amazon-Sprecherin die Verhandlungen mit Bonnier und erinnert daran, dass je nach Lagerbestand die Lieferzeit bestimmter Titel schlicht davon abhänge, wie lange Bonnier für die Lieferung benötigt. Alleridngs habe man, das sei ganz normal, bei einigen Titeln schlicht die Zahl der Vorbestellungen reduziert, heißt es interpretationsfreudig.

Im Streit mit Hachette in den USA klang das ähnlich, doch ein bisschen mehr nach Daumenschrauben

Was Amazon mit Blick auf die Marge nervt: Verlage wie Bonnier bieten für E-Books deutlich niedrigere Rabatte als im Printbereich. Bastei-Lübbe-Mann Schierach beziffert in der "WamS" die Provision für Amazon bei 30 bis 35 Prozent, die damit weit unter den rund 50 Prozent Rabatt liegt, die die Buchhändler bekommen.

Rabatte, Regalmiete und manches Extra zahlen die Verlage  ja ohnehin dann besonders gerne, wenn sie damit bei Thalia, Hugendubel und Co auf Sonderflächen landen und von mancher einer Kette dann womöglich nach als "Empfehlung des Hauses" hochgejazzt werden.

Zur Mischkalkulation hat zudem der Buchreport vor rund einem Jahr eine spannende Rechnung aufgemacht. Ein Blick auf die dortige Modellrechnung für den Deckungsbeitrag bei e-Books ist mehr als erhellend. Ein Fazit dort: "In der Modellkalkulation scheint es durchaus Luft für eine zusätzliche Preisreduktion im Vergleich zu Print zu geben."

Absurd erscheinen muss indes Lesern der Vorwurf des Branchenverbands vom erpresserischen Verhalten eines Monopolisten. Schließlich haben die Verlage selbst ein Monopol auf ihre Titel, profitieren zudem noch von der Buchpreisbindung und könnten, so der gängige Vorwurf der Leser, E-Books ruhig noch etwas günstiger anbieten.

An den gegenwärtigen Preisen aber dürfte der aktuelle Konditionenpoker nichts ändern. Amazon geht es erstmal schlicht um die eigene Bilanz. Auch wenn Amazon sich bemüht den Eindruck zu vermeiden, es ordne im Land der Dichter und Denker das Kulturgut Buch dem schnöden Mammon unter.

Der Buchbranche wiederum geht es letzlich auch nur darum, in einem handelsüblichen Streit ums Geld, über Bande - also die Öffentlichkeit - Druck auf Amazon auszuüben.

Gut aussehen tun dabei beide nicht.


photo credit: Nomadic Lass via photopin cc

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Thema: Player

Schlagworte: E-Book, Amazon, Buchhandel, eBooks

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Enttäuscht vom Header, gelangweilt vom Inhalt
    Erstellt 26. Juni 2014 09:57 | Permanent-Link
    unnützter Artikel....

    der Schreiber dieses Artikels irrt: der Textinhalt bleibt unreflektiert, unkritisch, ohne eigene tiefer gehende Recherche oder Branchenkenntnis. nicht mal als persönlicher Kommentar zu gebrauchen. Sorry, so etwas braucht's nicht.

  2. Valere
    Erstellt 26. Juni 2014 12:20 | Permanent-Link
    Bon

    Danke für diesen Beitrag. Überfällig, weil er sehr gut aufzeigt, dass es auch den Verlagen nur um die Profitmaximierung geht. Wer gerne reflexhafte Prügel für Amazon lesen will, wird ja vom Feuilleton gut bedient.

  3. Holger Moewes
    Erstellt 27. Juni 2014 00:13 | Permanent-Link

    Das der Buchhandel Rabatte von 50% Prozent von Verlagen erhält stimmt für die kleine Zahl der Big Player auf den Printbereich bezogen. Im eBook Segment jedoch definitiv nicht - hier sind Amazons jetzige Konditionen bereits die Spitze.
    Und das Amazon keine "Werbekostenzuschüsse" erhält (sowie Thalia etc.) glauben sie hoffentlich nicht ernsthaft.
    Ich mag etailment und schätze die überwiegend interessanten und informativen Atrikel. In diesem hier betreiben sie jedoch (unabsichtlich?) Lobbyarbeit für Amazon aufgrund falscher Informationen durch mangelhafter Recherche.

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