Fab treibt Mobile Shopping mit emotionalen Elementen zum Erfolg

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 12. Oktober 2012 |

Fab Logo
Das Design-Kaufhaus Fab punktet mit sozialen Features und einem Fokus auf mobile Kunden. Jetzt ist eine neue App auch für den deutschen Markt dazugekommen. Mobil Shopping macht derzeit rund 30 Prozent der Umsätze des rasant wachsenden Design-Kaufhauses aus. Auch die deutsche App bietet eine Fülle sozialer Feature, wie einen Livefeed, der Käufe und Favoriten von Freunden direkt anzeigt. Grund genug, sich Fab einmal genauer anzuschauen.

Wer verstehen will, wie schnell sich die Handelswelt bewegt und der Zugang zu den Konsumenten verändert, der muss auf Fab.com schauen. Erst im Juni 2011 gestartet, dürfte die Plattform für Designer-Ware in diesem Jahr rund 150 Millionen US-Dollar Umsatz erreichen. Tendenz rasant steigend. Da kann es sich Gründer Jason Goldberg in New York erlauben, mächtig große Worte zu wählen. „Wir glauben, dass Fab eine der nächsten großen Marken auf dem Level von Ikea, Google, Facebook oder Ebay werden kann. Eine Marke, die die Menschen auf der ganzen Welt kennen.“

Und wie einst in den frühen Jahren Amazon, das Goldberg in Interviews gern als die angepeilte Größenordnung nennt, kümmert sich Goldberg um Gewinne und Verluste tendenziell eher wenig. „Es interessiert mich einen Dreck, ob wir 130 oder 170 Millionen Dollar Umsatz machen. Meine Sorge gilt der Marke und der emotionalen Beziehung zum Kunden.“

Doch Wachstum ist natürlich auch ganz schön. Mit gutem Grund hat Fab im Frühjahr den deutschen Klon Casacanda aus dem Portfolio des Inkubators Springstar übernommen. 10 Millionen Dollar sollen dafür gezahlt worden sein. Fab bescherte das auf einen Schlag 250000 neue Mitglieder.

Weltweit schon über 7,5 Millionen Mitglieder

Die deutschen Casacanda-Gründer Sascha Weiler, Christian Tiessen und Roman Kirsch blieben an Bord. Berlin dient nun als Schaltzentrale des Europa-Geschäfts. Beinahe jeden dritten Dollar will man bis Ende 2012 in Europa verdienen. Hier zählt Fab bereits 2 Millionen Mitglieder – weltweit sind es über 7,5 Millionen.

Das gigantische Wachstumstempo dürfte damit zusammenhängen, dass man die Plattform nicht an simplen Produktversprechen ausrichtet, sondern sich am Apple-Prinzip orientiert, die Welt verbessern zu wollen. „Make people smile“ lautet das Unternehmenscredo.

Fab_App_iPhone
Fab setzt dafür ganz bewusst auf Social Media, die Vernetzung der Kunden untereinander und auf Mobile Commerce. So bietet der Shop beispielsweise einen Livefeed. Damit kann man sich durch die Bilder jener Produkte klicken, die andere Kunden gerade kaufen oder favorisieren.

Empfehlungen von Freunden steigern schließlich den Umsatz. Das spürt Fab. Der Lifetime Value der Kunden, die die sozialen Features nutzen, ist fast doppelt so hoch. Doch für die Shopping-Plattform steht ein anderer Aspekt im Vordergrund. „Wichtiger ist das Markenerlebnis durch soziale Features, die andere so nicht bieten“, sagt Sascha Weiler, Vice President International Product.

Damit nicht genug. Deutlicher als andere E-Commerce-Unternehmen hat sich Fab dem Thema Mobile verschrieben. Die mobile Website, aber auch die App taugen als Best Cases für Usability und ansprechende Optik. Ein Jahr nach dem Launch der App macht Fab.com damit 30 Prozent des Umsatzes. 50 Prozent Umsatzanteil findet das Management in naher Zukunft realistisch.

„Insbesondere am Wochenende wird ein Großteil des Umsatzes über Tablets und Smartphones generiert”, sagt Roman Kirsch, Mitgründer von Casacanda und Senior Vice President von Fab im Interview mit etailment.  (Das komplette Interview lesen Sie hier.) Seit gestern bietet Fab auch eine iPhone und iPad-Applikation in deutscher und englischer Sprache in 24 Ländern Europas zum kostenlosen Download im App-Store an.

Fab Reinvents Mobile Shopping. Again. from Fab on Vimeo.

Vorreiter in Sachen Social Commerce

Fab_App_iPad
Wer nach Faktoren für den Erfolg sucht, der wird auch an anderer Stelle fündig. Beispielsweise beim Sortiment. Längst hat sich der Händler von Design-Möbeln emanzipiert und bietet ein buntes Sortiment all jener Dinge, die das Leben schöner machen sollen, bis hin zu Mode, Spielzeug und sogar Hundehalsbändern. Und: Als Madonna im März mit ihrem Album „MDNA“ reüssierte, gab es die CD im Store zum Discountpreis.

Einen der wichtigsten Schritte Richtung Massenmarkt aber dürfte Fab in diesem Herbst mit der Öffnung der Plattform gemacht haben. Wer die Designer-Welt des Shopping-Clubs durchstöbern wollte, der musste sich bislang registrierten. Sonst gab es nichts zu sehen. Nun ist der Schaufensterbummel ohne Anmeldung möglich. Lediglich für den eigentlichen Einkauf muss sich der Kunde registrieren. Das geht ganz simpel auch via Facebook-Account. Derartige bequeme Social Logins haben im Onlinehandel Seltenheitswert. Auch hier zeigt sich Fab als Vorreiter in Sachen Social Commerce.

 Auf die soziale Welt allein dürfte sich Fab aber in Zukunft nicht mehr verlassen. In den USA testet das Online-Kaufhaus gerade einen TV-Spot. In dem etwas surrealen, aber munteren Spot „Touched“ verwandeln sich Midas-gleich langweilige Möbel und Mode per Handstreich in Designerware. Für die emotionale Beziehung zum Kunden braucht es dann auf Dauer eben doch mehr als nur schöne Apps und soziale Features. Nioch in diesem Jahr soll es deshalb auch in einem europäischen Land eine TV-Kampagne geben, kündigt Roman Kirsch im Interview mit etailment an.

Roman Kirsch, Senior Vice President von Fab, ist einer der Referenten auf dem „4. Europäischen Online-Handelskongress – etailment Summit 2012“ am 19. und 20. November in Berlin. Neben ihm werden sich zahlreiche Entscheider, Macher, Investoren und Gründer auf dem zweitägigen Kongress der Frage stellen, ob Pure Player, Händler oder Markenartikler künftig im E-Commerce die Nase vorn haben und welche Konzepte in einer Multi-Device-Welt beim Kunden punkten.

EOHK

Neben neuen Strategien werden dabei auch innovative Tools breiten Raum einnehmen. Eine der zahlreichen Praxis-Sessions wird sich dem Boom-Thema Mobile Payment widmen. Der Kongress wird veranstaltet von The Conference Group und Titeln des Deutschen Fachverlags. Informationen unter www.conferencegroup.de.

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