E-Books: Die Bedrohung, die aus der Nische kam

E-Books: Der Markt wächst schneller als erwartet (Quelle: AT Kearney)
E-Books: Der Markt wächst schneller als erwartet (Quelle: AT Kearney)
Das ist das Unangenehme am E-Commerce: Erst unterschätzt man die Enwicklung, dann kommt sie quasi über Nacht und man selbst mit der eigenen Antwort kaum noch hinterher. Das bekommt gerade der Buchmarkt zu spüren.

Es ist noch nicht allzulange her, da beruhigten sich Buchhändler und Verleger mit Marktanteilen für E-Books knapp oberhalb der Nachweisgrenze. Noch 2010 lag der Anteil von E-Books am gesamten deutschen Buchumsatz bei nur 0,5 Prozent.

Eine neue Gutenberg-Ära? In weiter Ferne.

Jetzt ist sie da. Und nicht nur zum Nutzen der Verlage - sondern auch zum Nutzen von, Sie ahnen es, Amazon.

Wie sehr sich das Blatt gewendet hat, zeigt gerade eine Liste der bestverkauften deutschen eBooks von Self Publishern. 42 Prozent der deutschen Amazon-Top-100 sind verlagsunabhängig publiziert. 29 der 100 Titel davon sind Amazon-exklusiv. Amazon verdient da also kräftig mit und stärkt damit zugleich sein Öko-System rund um den Kindle.  So sichert die Langsamkeit des Wettbewerbsumfelds die eigene Marktmacht.

Dabei war der sprunghafte Anstieg des E-Books abzusehen. Der Umsatz hat sich binnen eines Jahres nahezu verdreifacht.

Etwas mehr als 100 Millionen Euro wurden laut GfK 2012 mit digitalen Ausgaben erwirtschaftet.

Umsätze im E-Book-Markt in Deutschland bis 2012
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Andere Zahlen nennt Media Control: Dort errechnet man für 2012 12,3 Millionen verkaufte E-Books. Damit lag der Absatz zweieinhalb Mal so hoch wie 2011 und erreicht einen Umsatzanteil von 2 Prozent.

Allerdings entwickeln sich die deutschen Verlage mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Bei einer Krimi-Tagung des Literaturforum im Brecht-Haus in Berlin bezifferte Heyne seinen E-Book-Anteil gerade mit 7 Prozent. Bei Bastei Lübbe liegt der E-Book-Anteil laut Buchreport bei einigen Spitzentiteln bei 30 Prozent.

 

Der europäische E-Book-Markt wuchs 2012 um über 200%, sagt eine Studie von AT Kearney und geht für Deutschland von 8 Millionen E-Book-Käufern aus und erwartet für die kommenden Jahre ein Marktvolumen von rund 8 Prozent.

Die Buchpreisbindung ist also nur eine bedingte Bremse beim Wachstum. Hinzu kommt: das Wachstum behindert manch ein Verlag aus Angst vor Kannibalisierung selbst. Was der Leser will, ist da zweitranging.

Exemplarisch da der Tweet von Karla Paul von Lovelybooks: "Und schon wieder: will das Buch gleich haben, gibt's aber nicht als Ebook. Bin viel zu verwöhnt von meinem digitalen Leben!"

Das Andidote sind eigenartige Kampagnen wie "Vorsicht Buch", die einem Trägermedium nachtrauern. Doch Lösungen von Gestern sind für den Buchhandel morgen keine Hilfe mehr. Immerhin könnte der Tolino, wenn auch keine Weltidee, auch den kleinern Händlern Chancen bieten.

Vorsichtigerweise sollte man sich also womöglich lieber die US-Entwicklung zum Maßstab nehmen. US-Verleger erzielen bereits fast ein Viertel ihres Umsatzes mit E-Books: 22,55 Prozent. 

Oder man traut Carel Halff: “Bis 2015 werden 15 bis 25 Prozent aller Bücher in Deutschland als digitale Ausgaben verkauft”, prognostiziert der Vorsitzende der Weltbild-Geschäftsführung.

Der Autor ist selbst Krimi-Autor (Amazon-Link)


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Thema: Studien

Schlagworte: E-Books

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Sanjo Weber
    Erstellt 24. April 2013 23:13 | Permanent-Link
    Der Herr Krimi-Autor muss es ja wissen:

    amazon-Verkaufsrang 275.775 ! Aber hallo ;)

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