Aus dem Baukasten direkt zur App?

Von Stephan Lamprecht | 13. Oktober 2015 | 2 Kommentare Kommentieren

Aus dem Baukasten direkt zur App?
Von A wie Amazon bis Z wie Zalando bieten alle Großen des E-Commerce ihren Kunden auch Apps für Smartphone und Tablet an. Das weckt natürlich auch bei kleineren Händlern Begehrlichkeiten, ebenfalls auf den mobilen Geräten der Kunden vertreten zu sein. Wir stellen Ihnen App-Baukästen vor und zeigen deren Grenzen auf.

Den teilweise verblüffenden Funktionen der Apps großer Player (wie der Farbfinder von Obi, die Stilberatung von About You) ist anzumerken, dass hier einige Arbeit in Konzeption und Umsetzung geflossen ist. Die Anbieter von Baukästen versprechen schnelleren Erfolg, aber wie sieht es damit in der Praxis aus?

Baukasten oder individuelle Entwicklung?

Wer sich bei Shop und App auf einen Baukasten verlässt, erwirbt natürlich eine Anwendung von der Stange. Das muss indes ja nichts Schlechtes sein, denn wie viele Menschen kennen Sie persönlich, die maßgeschneiderte Designerkleidung tragen? Der Nutzer kann aus einer Reihe von Vorlagen und Funktionen wählen und sich so seine App zusammenbauen. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, seinen Kunden eine Anwendung anzubieten, auch ohne einen Spezialisten hinzuziehen zu müssen. Ein Vorteil dieses Ansatzes besteht auch gerade in den deutlich überschaubaren Kosten. Üblicherweise berechnen die Anbieter monatliche bzw. jährliche Nutzungsgebühren.

Das sieht bei individuellen Apps natürlich ganz anders aus. Hier werden von Agenturen zum Teil herausragende Preise genannt. Diese spiegeln oft auch die Erwartung der Agentur an die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Kunden wider. Hält der Dienstleister seinen Kunden für einen führenden Player in dessen Segment, liegt der Preis um ein Vielfaches höher als für einen anderen Händler. Ein Vergleich der Preise und Angebote lohnt sich auf jeden Fall. Die Entwicklung einer individuellen Programmierung benötigt letztlich auch mehr Zeit, bis alles so funktioniert, wie es der Kunde möchte. Dafür sind dann aber auch individuelle Ideen und die Anbindung an besondere Systeme auf Kundenseite möglich. Auch in gestalterischer Hinsicht bietet die freie Programmierung naturgemäß mehr Optionen, um etwa Stilvorgaben von Shop oder Unternehmen aufzugreifen.

HTML 5 oder native App?

Bei der Sichtung der Anbieter sollten interessierte Händler auf die unterschiedlichen Ansätze achten. Der Kunde hat grundsätzlich die Wahl zwischen:

  • HTML 5 Apps: Diese sind besonders rasch umzusetzen und verhältnismäßig preiswert. Technisch gesehen unterscheiden sich diese Apps nicht von einer für die mobile Nutzung optimierten Webseite. So werden die Apps auch parallel zur eigenen Website oder Shop betrieben. Nutzer, die den Shop mit Smartphone oder Tablet besuchen, erhalten dann die App dargestellt. Vorteile des Ansatzes: Die Umsetzung ist schnell und die Kosten bleiben sehr überschaubar. Dies ist bei vielen App-Baukästen aus den USA die bevorzugte Anwendung.
  • Native Apps: Diese Apps werden in den App-Stores von Google und Apple zur Verfügung gestellt und auf dem Gerät installiert. Der Nutzer hat also tatsächlich den Eindruck einer generischen Programmierung für sein Endgerät. Aus Sicht der App-Baukästen und deren Entwicklungsumgebungen gibt es zunächst einmal keinen wesentlichen Unterschied zwischen beiden Ansätzen. Allerdings wird für die Distribution der App über die Ökosysteme der App-Stores eine höhere Gebühr fällig. Ein Vorteil dieses Ansatzes besteht in der besseren Interaktion mit dem Gerät selbst. So kann eine native App etwa auch Push-Nachrichten versenden, integriert sich also besser in das Betriebssystem des Smartphones.

Drei Anbieter aus Deutschland haben uns beim Test überzeugt:

AppConfector

Aus dem Baukasten direkt zur App?
Bei AppConfector klicken Sie recht schnell eine App direkt im Editor zusammen
Zwischen 7 und 40 Euro pro Monat kosten die Pakete hier. Deren Umfang unterscheidet sich in Hinsicht auf die möglichen Menüpunkte in der App. Wer auch auf dem Tablet dabei sein will oder den angebotenen Shop einsetzen möchte, greift am besten zur Enterprise-Variante. Die selbstgebaute App kann 20 Tage kostenlos ausprobiert werden.

Die Nutzung ist einfach und unkompliziert. Nach der Auswahl einer Branche macht die Site bereits einen Vorschlag über die möglichen Inhalte. Diese werden interaktiv mit dem Editor angepasst. Natürlich lassen sich Menüeinträge auch entfernen und mit anderen Bausteinen füllen. Enthalten sind dabei u.a.:

  • Verbindung zur Facebook-Seite
  • Gutscheine
  • Umfragen
  • Öffnungszeiten
  • Interaktive Karte für Anfahrtbeschreibung
  • Einbinden von eigenen RSS-Feeds

AppTitan

Die Entwicklung einer App bei diesem Anbieter verläuft ähnlich wie beim gerade vorgestellten AppConfector. Angeboten wird eine Vorschau-App, die den Entwicklungsstand direkt auf dem gewünschten Gerät anzeigt. Dazu muss lediglich im Backend ein QR-Code gescannt werden. AppTitan kommt optisch etwas nüchterner daher. Der Nutzer kann zwischen einer Navigation mit Tabs oder einem Dashboard wählen und entscheidet sich zwischen einer Reihe von Farbsets. Das ist funktional, aber optisch nicht unbedingt ein Leckerbessen. Insgesamt kann aus 24 verschiedenen Inhalten gewählt werden, u.a.:

  • HTML 5
  • RSS-Feed
  • Fotogalerie
  • Events
  • Anfahrtkarte
  • Formulare

Die Preise für eine App liegen zwischen einmalig 299 und 499 Euro. Dazu kommt eine monatliche Grundgebühr von 10 Euro.

Aus dem Baukasten direkt zur App?
AppTitan stellt die App in einer eigenen Vorschau-App direkt auf dem Smartphone dar. Die Gestaltung der Vorlagen ist eher nüchtern

AppYourself

Die Preise für Apps dieses Anbieters liegen zwischen 10 und 40 Euro pro Monat. Auch hier ist das Preismodell abhängig vom gewünschten Umfang. Das große Paket umfasst 500 Shopartikel und verzichtet auf das Branding von AppYourself. Der Weg zur ersten Testapp ist denkbar einfach. Die Stammdaten Ihres Geschäfts kann der Dienst unmittelbar aus einer Facebook- oder Google-Seite entnehmen. Danach gelangt der Nutzer bereits in den Editor. Dort stehen verschiedene Designs zur Verfügung, die in Farbe und den verwendeten Bildern an die eigenen Vorstellungen angepasst werden können.

Aus dem Baukasten direkt zur App?
Die Arbeit mit dem Editor von AppYourself macht Spaß und ist sehr einleuchtend erklärt

Breit ist die Palette der verfügbaren Module:

  • Gutscheine
  • Preislisten
  • Formulare
  • Videos
  • Terminbuchungen
  • Filialfinder
  • u.a.

Fazit: Der Weg zur eigenen App als Ergänzung der Mobile Commerce Strategie ist bei allen Dienstleister erfrischend einfach und schnell möglich. Mit der Einschränkung, dass die Ansprüche an Individualität im Design und der Anbindung an eigene IT-Systeme nicht zu hoch sein dürfen.


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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Matthias
    Erstellt 13. Oktober 2015 19:29 | Permanent-Link

    Ja aber wer braucht denn eine eigene App außer den Großen? Das Geld ist in einer responsiven Seite besser aufgehoben.

  2. Apper
    Erstellt 16. Oktober 2015 11:45 | Permanent-Link

    Der Kommentator vor mir hat es schon angesprochen: Wer außer den Großen braucht wirklich eine App?

    Nur weil jeder Hinz & Kunz-Shop durch App-Baukästen oder Anbieter wie Shopgate eine App anbietet werden die Kunden nicht ihr App-Verhalten umstellen.

    Sprich: der Kunde installiert nicht noch 5 weitere Shopping-Apps neben Amazon, Zalando & Ebay und kleistert sich den Bildschirm voll nur weil er in dem einen Shop mal günstig Glühbirnen oder Schuhe bestellt hat.

    Von den sagenhaften Marketing-Tools dieser Standard-Apps gar nicht erst zu reden: wie wahrscheinlich ist es, dass die Leute noch mehr Apps mit Push-Nachrichten installieren bzw. sich andauernd von Werbung auf dem Screen penetrieren lassen wollen?

    Das funktioniert mit ein paar großen Anbietern, aber ist nicht unendlich skalierbar. Mal abgesehen davon dass durch noch mehr Shopping-Apps es gleich nochmal eine Ecke schwieriger wird im App-Store überhaupt wahrgenommen zu werden. Schon jetzt für normale Shops kaum zu stemmen.

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