Hololens und intelligente Spiegel - so geht die Digitalisierung am POS weiter

Von Stephan Lamprecht | 7. Dezember 2015 |

Autokauf mit Brille auf der Nase - so schreitet die Digitalisierung am POS voran
Die Antwort auf die Frage, ob die Kunden all die technischen Neuerungen und Entwicklungen am POS auch nutzen und schätzen werden, ist offen. Fakt ist aber auch, dass die Digitalisierung in den Stores weiter voranschreiten wird. Nicht wenige Händler werden bei den Investitionen in neue Technik die Hoffnung hegen, mit innovativer und überraschender Technologie den Kunden genau das Erlebnis zu bescheren, dass wieder Leben in die Innenstädte bringt.

Das Beispiel Modehandel

Ob "in" oder "out" - oft genug entscheiden nur Kleinigkeiten darüber, ob die Kollektionen eines Händlers beim Kunden ankommen. Und so liefert sich die Modebranche einen regelrechten Wettlauf bei der Einführung neuer Technologien, die die Zufriedenheit der Kunden steigern, den Frust in der Umkleide reduzieren und den Verkauf durch Zusatzprodukte ankurbeln soll.

Macy’s experimentiert etwa bei Bade- und Sportmoden mit einer besonderen Form der digitalen Umkleidekabine. Mit App und Smartphone wählen die Kunden im Store Stücke aus, die sie gern ausprobieren möchten. Vorbei die Zeiten also, in denen die Arme immer schwerer werden, weil erst ein Outfit oder verschiedene Größen mit in die Kabine genommen werden sollen. Über die App lassen sich auch gleich weitere Farbvariationen anzeigen und in einen individuellen Warenkorb legen. Theoretisch könnte man jetzt schon kaufen. Aber wer hat schon eine optimale Figur.

Das System komplettiert ein in der Umkleide installiertes Tablet. Hier können die im Warenkorb befindlichen Stücke zum Ausprobieren angefordert werden. Und wenn etwas nicht passt, wird über das Display einfach eine andere Größe angefordert. Binnen 30 Sekunden soll der gewünschte Artikel dann aus dem Ausgabeschacht fallen. Über das Tablet werden auch Varianten und ergänzende Artikel angeboten, die mit einem Fingertipp hinzugewählt werden können. Genutzt wird dabei auf eine Lösung, die vom Unternehmen Hointer entwickelt wurde und auf App, Tablet und speziellen Etiketten basiert.

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Zara wird in einem Pilotprojekt in Spanien Umkleidekabinen mit iPads und besonderer Software ausstatten. Wenn andere Größen oder eine andere Farbe gewünscht wird, scannt der Kunde den Artikel über das iPad. Ein Berater bringt das gewünschte Stück dann zur Umkleide. Verläuft das Experiment erfolgreich, dürfte die Technik dann auch auf weitere Filialen ausgeweitet werden.

Neiman Marcus geht bei seinen Experimenten an drei Standorten in den Umkleiden noch einen Schritt weiter. Hier wird ein "Memory Mirror" genanntes Verfahren eingesetzt. Der Kunde kann verschiedene Outfits direkt miteinander vergleichen. In Form kurzer mit dem Spiegel aufgenommener Videos. Damit der Kunde auch immer nur sich sieht, werden die Filme mit einer PIN gesichert.

Turning colors... from MemoMi Labs Inc on Vimeo.

Aus Deutschland kommt der Hersteller Phizzard, der Händlern ebenfalls eine auf einem Tablet basierende Lösung anbietet. Hier werden am POS die Erfahrungen des Online-Shoppings (Outfits, weitere Produkte, andere Formen) mit dem Shopping-Erlebnis im Store kombiniert. Nachdem der Kunde Artikel ausprobiert und bewertet hat, ist das System in der Lage, passende Stücke vorzuschlagen, die der Kunde auswählt. Ein Mitarbeiter bringt diese dann zur Umkleide. Ausprobieren kann man das etwa bei Shoepassion oder Stores von Bodycheck.

Das Beispiel Autohandel

Auch der Autohandel ist darum bemüht, dem Kunden neue Erlebnisse zu bescheren. Zum Beispiel Audi und Mercedes mit ihrem neuartigen Showrooms (Digitale Showrooms: Der digitale Chic kommt aus der Nische). Eine Kooperation zwischen Microsoft und Volvo wird einen anderen Weg beschreiten. Mit der Hololens-Technologie (einer Spezialbrille für die Schaffung virtueller 3D-Umgebungen) sollen die Kunden sich "Ihren" Traumwagen zusammenstellen können.

Statt Farbmustern und Prospekten kann vor der Bestellung genau geprüft werden, ob denn beispielsweise die Wunschfarbe auch tatsächlich gefällt. Und die neue Technik wird auch ein klassisches Problem des Autohandels lösen. Wie kann man den Kunden einen Eindruck eines neuen Modells vermitteln, bevor es in den Showrooms steht und die Spots dazu laufen.

Die technologische Zukunft am POS bleibt also bunt und spannend.


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