Beacons und „Physical Web“: Wenn der Snackautomat online geht

Von Gastautor | 8. April 2016 |

2013 war erstmals die Rede von Beacons, kleinen Bluetooth-Funksendern basierend auf einem Bluetooth Low Energy (BLE) Chip. Inzwischen ist die Technologie auf dem Vormarsch. Laut Vorhersagen von Gartner und Cisco sollen die Zahlen vernetzter Geräte – worunter auch Beacons fallen – bis 2020 von heute 4,9 Milliarden auf zwischen 20 und 50 Milliarden in die Höhe schnellen.

Längst dienen Beacons nicht mehr nur als verlängerter Arm von Händlern und Werbern, die ihre Kunden mit Pushnachrichten über das neueste Angebot informieren. Die Technologie ist der entscheidende Baustein auf dem Weg zum „Physical Web“. Den Weg dahin erklärt Michael A. Kappler, Geschäftsführer und Mitgründer von Beaconinside, in einem Gastbeitrag für etailment. 

Beacons und „Physical Web“: Wenn der Snackautomat online geht
Michael A. Kappler, Geschäftsführer und Mitgründer von Beaconinside


Was ist das „Physical Web“?

Der Begriff „Physical Web“ wurde von Google im Jahr 2014 geprägt und stellt einen Ansatz dar, um die Kernkompetenz des Netzes zu umschreiben: Interaktion auf Nachfrage. Das Navigationserlebnis in der vernetzten, physischen Welt – oft als Internet der Dinge bezeichnet – wird an das Surfen im virtuellen Netz angeglichen, indem die physischen Gegenstände in der Umgebung eine eigene Präsenz im Netz haben und online abgerufen werden.

Ziel dabei ist es, die Nutzer in die Lage zu versetzen, mit der gegenständlichen Umwelt zu kommunizieren – mit Verkaufsautomaten, Bushaltestellen, Plakaten usw. – und das, ohne erst eine zugehörige App herunterladen zu müssen oder einen QR-Code zu scannen.

Warum Beacons der entscheidende Baustein im „Physical Web“ sind

Die Beacon-Technologie ermöglicht es, standortbezogene Daten durch Bluetooth zur Verfügung zu stellen – eine Voraussetzung für die Entstehung des „Physical Webs“. Ordnet man Gegenständen eine eigene Webadresse (URL) zu, so können die Beacons diese Information an die mobilen Endgeräte – Smartphones, Smart Watches, Tablets – in der unmittelbaren Umgebung weitergeben. Der ausgespielte Inhalt kann je nach Standort des Nutzers und Tageszeit angepasst werden.

Das Smartphone wird so zu einer Art Fernbedienung und Informationsplattform der Gegenstände: Dank des offen zugänglichen Eddystone-URL Bluetooth Beacon Formats scannt es die Umgebung und zeigt dem Nutzer alle URLs in der Nähe an, ohne dass dafür eine Software oder App installiert werden muss. Die Grundlage ist seit Anfang des Jahres der Support vom Physical Web durch den Standard Android Browser.

Der Nutzer wählt aus der Liste der angezeigten URLs dann eine Webadresse aus – beispielsweise die des nächstgelegenen Snackautomaten – und gelangt über den Browser seines mobilen Gerätes auf die Zielseite, wo er dann bargeldlos den Snack bezahlt und ihn nur noch dem Automaten entnehmen muss. Der Snackautomat ist somit nicht nur physisch verfügbar, sondern auch onlline in der virtuellen Welt vertreten.

Parkuhr? Kaffee? Snack? Anwendungsbeispiele im „Physical Web“

Den Einsatzbereichen im „Physical Web“ sind kaum Grenzen gesetzt. Jeder Gegenstand, der mit einem Beacon und einer URL ausgestattet ist, kann Teil des „Physical Webs“ werden – Busse, Haltestellen, Plakate, Waren oder einzelne Produkte: So erfährt der Wartende an der Haltstelle, wann der nächste Bus kommt. Im Bus ruft er auf dem Smartphone ab, welches die nächste Haltestelle ist. Auch bargeldloses Bezahlen bei Snack-, Kaffee- oder Getränkeautomaten, Parkuhren ist möglich: Nähert sich der Parkende der mit Beacons ausgestatteten Parkuhr, bezahlt er bequem über das Smartphone, indem er die URL der Parkuhr auswählt, die ihn auf eine Bezahlseite weiterleitet.

Welche Vorteile bringt das „Physical Web“ für Handel und Kunden?

Für den Handel ist das Zusammenwachsen von physischer und virtueller Welt besonders interessant.

Denn Werber und Händler treten dann mittels ihrer Produkte mit ihrer Zielgruppe in Kontakt und erreichen sie dort, wo sie sich aufhält – auf mobilen Endgeräten.

Über den Autor

Michael A. Kappler ist Mitgründer und Geschäftsführer von Beaconinside. Gemeinsam mit Cornelius Rabsch hat er das Unternehmen im März 2014 gegründet und bereits nach kurzer Zeit mit Kunden in mehr als 50 Ländern zu einem der führenden Anbietern von Beacon-Technologie für Handel, Industrie und Dienstleistungsunternehmen aufgebaut. Schon vor Beaconinside gründete Kappler Unternehmen, unter anderem für Hardware mit einem patentierten Gerät für die Wohnungswirtschaft und das Webunternehmen DeutschlandCoupon.de, das 2010 von KaufDA/Bonial Group übernommen wurde
Im Gegensatz zu Pushnachrichten, die mitunter als lästig empfunden werden, entscheidet im „Physical Web“ allein der Nutzer, ob er weitere Informationen zu einem Produkt in der Umgebung erhalten möchte. Die Beacons ermöglichen also eine bisher nie da gewesene Form der zielgerichteten Werbung und der Informationsbereitstellung. Ein Beispiel: Wer auf einem Werbeplakat einen interessanten Artikel entdeckt, kann fortan direkt die Seite des Artikels aufrufen und diesen dort bestellen oder erhält Informationen, wo die nächste Filiale ist, in der die passende Größe verfügbar ist.

Nur wer wirklich interessiert ist, ruft die URL auf. Um diese potentiellen Kunden zu tatsächlichen Kunden zu machen, setzt der Händer auf der Zielseite einen zusätzlichen Kaufanreiz in Form eines Rabattcodes.

Auch der Service im Einzelhandel erschließt im „Physical Web“ neue Dimensionen: Statt im Baumarkt einen Verkäufer aufzusuchen, um zu erfahren, ob der Bohraufsatz auch für Metall geeignet ist, ruft der Kunde die URL des Produktes auf und erhält alle notwendigen Informationen. In Supermärkten können Produkte wiederum auf passende Rezeptideen hinweisen oder Informationen zu Verträglichkeit und Inhaltsstoffen bereitstellen und dem Kunde so einen Mehrwert schaffen.

Wie weit sind wir noch vom „Physical Web“ entfernt?

Eine große Einstiegshürde der Beacon-Technologie war bislang, dass die Installation einer App notwendig war. Im „Physical Web“ ist das nicht mehr notwendig. Wenn der Nutzer Informationen zu seiner Umgebung erhalten will, muss er lediglich die Liste der Gegenstände in der Umgebung abrufen und einen auswählen, um Informationen zu erhalten oder Services abzurufen.

Immer mehr Projekte befinden sich schon heute in der Umsetzung, sei es an Flughäfen, in Innenstädten, im öffentlichen Nahverkehr oder im Handel. Es ist davon auszugehen, dass die Entwicklung im Markt in den nächsten drei bis fünf Jahren enorm voranschreitet und mehr und mehr das „Physical Web“ entsteht.


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Thema: Technologie

Schlagworte: Beacon

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