"Die Cloud bietet noch viele Potenziale"

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 8. Januar 2016 |

Tablets, Beacon, mobile Warenwirtschaftssysteme und Kassen. Der stationäre Handel digitalisiert sich am PoS. Die Düsseldorfer EuroCIS, Fachmesse für Retail Technology, spiegelt die dynamische technologische Entwicklung im Handel wider wie kaum eine andere Messe. Elke Moebius, Director der EuroCIS, sagt im Interview auf welche kanalübergreifenden Trends und Technologien Händler Ende Februar in Düsseldorf einen Blick werfen müssen. 
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Elke Moebius, Director der EuroCis (Foto: Messe Düsseldorf)


Die Fachmesse EuroCIS zeigt erneut den State of the Art bei Software und Infomationstechnologie für den Handel. An welchen Trends kommt der Handel nicht vorbei?

Elke Moebius: Am Thema Mobile dürfte im Handel niemand mehr vorbeikommen, dies spielt sowohl im Rahmen der internen IT als auch in Richtung Verbraucher eine herausragende Rolle. Das zweite große Trendthema lautet „Omnichannel“. Hier geht es für den Handel darum, die eigene Systemlandschaft so auszurichten, dass eine optimale und nahtlose Integration der verschiedenen Verkaufskanäle möglich wird. Dritter Haupttrend ist das ganze Spektrum Business Intelligence/Analytics. Die Analyse großer und vielfältiger Datenmengen gewinnt immer mehr an Bedeutung, sowohl im Hinblick auf Kundendaten, als auch im Hinblick auf Bestands- und Sortimentsoptimierung.

Und welche Innovationen sind zu Unrecht unterbewertet?

Elke Moebius

Die gebürtige Mainzerin und studierte Wirtschaftsromanistin Elke Moebius absolvierte mehrere Auslandsaufenthalte in den USA, Argentinien und Frankreich bevor sie 1996 zur Messe Düsseldorf kam. Nach einem erfolgreich abgeschlossenen Traineeprogramm wurde sie zunächst 1997 Projektreferentin im Auslandsbereich der Messe Düsseldorf. 2008 übernahm sie als Director unter anderem die Projektleitung der EuroShop, der weltweit größten Investitionsgütermesse für den Handel und seine Partner, und der EuroCIS, Europas führender Fachmesse für IT und Sicherheit im Handel.
Elke Moebius: Das Thema Cloud wurde im Handel jahrelang eher belächelt und nur mit geringer Aufmerksamkeit bedacht. Hier ergeben sich für die Branche in Zukunft aber viele Potentiale – sowohl auf Kostenseite als auch im Sinne eines schnelleren und flexibleren Einsatzes bestimmter Software-Applikationen.

Investitionen in Retail Technology sind zuweilen kostspielig. Welche Erfolge darf sich ein Händler denn erhoffen?

Elke Moebius: Die Digitalisierung der Handelsbranche wird auch in Zukunft weiter voranschreiten, ohne erhebliche Investitionen in Technologie laufen zumindest die größeren Handelsunternehmen Gefahr, abgehängt zu werden. Investitionen in Technologie bergen immer Potenziale sowohl auf der Kosten- als auch auf der Umsatzseite, entscheidend ist nicht, ob, sondern auf welche Weise in Technologie investiert wird. Auf der EuroCIS gibt es z.B. einen vom BMWI geförderten Gemeinschaftsstand für Startups. Und gerade Startup-Unternehmen warten häufig mit originellen, zukunftsweisenden Lösungen abseits des Mainstream auf. Und genau diese suchen Einzelhändler auch in technologischer Hinsicht, um Alleinstellungsmerkmale zu schaffen und dem Kunden außergewöhnliche Einkaufserlebnisse zu bieten.

Gerade im Bereich Mobile wird die Zahl der Anbieter und Lösungen immer unübersichtlicher. Inwiefern kann die EuroCIS da Orientierung schaffen?

Elke Moebius: Auf der EuroCIS sind rund 400 Unternehmen aus 28 Ländern vertreten, die sich explizit auf Lösung für die Retailbranche spezialisiert haben. Somit können sich die Entscheider aus dem Handel sicher sein, dass sie auch im Bereich Mobile nur die Lösungen vorfinden, die bereits auf ihre konkreten Bedürfnisse zugeschnitten sind.  Insofern ist die EuroCIS für jedes Handelsunternehmen eine ideale Plattform, um sich gerade in diesem wichtigen Themenfeld zu informieren.

"Der Zugriff auf das Warenwirtschaftssystem über mobile Geräte ist ein wichtiges Thema"


Eines der Top-Themen der Branche sind Location Based Services und Beacons. Wie geht die Messe damit um?

Elke Moebius: Mit Beacons und Location Based Services wird im Handel derzeit noch viel experimentiert. Zahlreiche Aussteller haben aber bereits Lösungen in ihrem Portfolio oder kooperieren mit Startups, die auch auf der EuroCIS vertreten sind. Übrigens wird auch die Messe selbst bereits zum zweiten Mal in den EuroCIS Hallen ibeacons einsetzen und auch mittels Geofencing, den Ausstellern und Besuchern bereits am Flughafen, Bahnhof oder auf den Parkplätzen nützliche Informationen und Services zur Verfügung stellen.

Immer mehr Händler setzen Tablets auch als verkaufsunterstützendes Instrument ein. Ist das etwas für Profis oder hat eine Messe wie die EuroCIS hier auch dem Einsteiger etwas zu bieten?

Elke Moebius: Der Einsatz von Tablets auf der Verkaufsfläche ist in der Tat ein wichtiger Trend, vor allem in beratungsintensiven Handelsbranchen. Auf der EuroCIS sind sowohl Anbieter, die explizit größere Filialisten ansprechen, aber auch kleinere Firmen, die mit ihren Lösungen auch für den Mittelstand interessant sind, vertreten. Tablets dienen als verkaufsunterstützendes Instrument z.B. dem Abruf von Kundendaten und Produktspezifikationen während der Kundenberatung, außerdem für Bestandabfragen oder zur Webshop-Bestellung am POS. Der Schritt von der mobilen Kundenberatung bis zum mobilen Kassieren ist dann auch nicht mehr weit. In der Praxis haben hier gerade kleine, nicht filialisierte Handelsbetriebe, außerdem Dienstleister wie Friseur- und Kosmetikstudios momentan die Nase vorn. Solchen Betrieben reichen meist stark abgespeckte Kassen-Anwendungen.

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Innovative POS-Lösung von Phizzard auf der Messe im Vorjahr. Auf den Touchscreens in der Kabine sieht der Kunde während der Anprobe, welche Größen und Farben noch verfügbar sind und mit welchen zusätzlichen Artikeln sie sich kombinieren lassen. Ohne die Kabine verlassen zu müssen, werden die auf dem Touchscreen gewählten Artikel vom Verkäufer direkt in die Kabine gebracht (Foto: Messe Duesseldorf / ctillmann)

EuroCIS

Auf der EuroCIS 2016 vom 23. bis 25. Februar in den Hallen 9 und 10 des Düsseldorfer Messegeländes zeigen rund 300 Aussteller aus über 20 Ländern ihre Konzepte, Produkte, Systeme und Lösungen. Die EuroCIS ist die europaweit einzige Fachmesse, auf der sich das gesamte handelsspezifische Know-how der IT-Branche konzentriert und sich mit allen relevanten Zukunftsthemen präsentiert. Highlight im Rahmenprogramm der EuroCIS wird die Verleihung der begehrten retail technology awards europe (reta europe) durch das EHI Retail Institute, ideeller Träger der Messe, sein. Ausgezeichnet wird der exzellente und innovative Einsatz von Informationstechnologie im Handel. Außerdem findet die Verleihung des Wissenschaftspreises Handel von EHI und GS1 statt.

Themen wie Datenanalysen oder Warenwirtschaftsysteme in Echtzeit gewinnen für die Omnichannel-Strategie zunehmend an Relevanz. Wie lassen sich diese Themen auf einer Messe darstellen?

Elke Moebius: Warenwirtschaftssysteme sind seit jeher ein Kernbestandteil des Angebots der EuroCIS. Da sich ein Warenwirtschaftssystem in seiner Komplexität auf einer Messe nicht vollständig abbilden lässt, zeigen die Anbieter zumeist bestimmte, neue Features oder präsentieren die Lösung im Zusammenhang mit einer Innovation im Hardwarebereich. Z.B. ist der Zugriff auf das Warenwirtschaftssystem über mobile Geräte stets ein wichtiges Thema.

Auch Pure Player denken immer mehr Richtung Offline-Präsenz. Wie können die von der Messe profitieren?

Elke Moebius: Es ist doch so, die Stationären lernen von den Onlinern und die Pure-Player von den Offlinern. Beide haben erkannt, dass nur ein Kanal zu wenig ist und die Lösung in der smarten Integration der verschiedenen Kanäle liegt. Eine Kassenlösung im Store sieht logischerweise anders aus als im e-Shop. Auf der EuroCIS finden die Pure-Player viel Inspiration, welche Technologie sie für den stationären modernen Store benötigen.


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Thema: Technologie

Schlagworte: Technologie

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