Digitale Handelstechniken: Science-Fiction ist schon heute

Von Bert Rösch | 18. November 2015 |

„Das exponentielle Wachstum bei der Digitalisierung führt zu schwindelerregend großen Zahlen, die unsere Vorstellungskraft und Erfahrung übersteigen“, prognostizieren Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in dem Werk „The Second Machine Age“, das kürzlich den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis gewann. Grundlage der Berechnung ist u.a. die Tatsache, dass sich die Leistungsfähigkeit von Prozessoren alle 18 Monate verdoppelt (Moore’s Law). Das sind gute Nachrichten für technikaffine Online- und Multichannel-Händler.
Handel von Morgen: Shoppen wie auf der Enterprise
Die Kellner-Drohne, die von Tisch zu Tisch fliegt, gibt es als Konzept des Nachwuchsdesigner Herman Haydin und nennt sich Yura. Vorgestellt wurde sie bei einem Design-Wettbewerb von Electrolux


Sie können Tools wie Personalisierung, RFID und Click&Collect voraussichtlich schon bald viel, viel schneller und günstiger an die Bedürfnisse der Kunden anpassen als gedacht - und die viel gepriesene Customer Experience somit auf eine ganz andere Ebene heben. Zum Beispiel, indem sie innerhalb von Millisekunden alle Kundendaten miteinander vergleichen und auf dieser Basis in Echtzeit Kaufvorschläge und Absatzprognosen erstellen.

Oder sie bieten dem Kunden passende Produkte genau dann, wenn er gerade am richtigen Ort und in der richtigen Stimmung ist. Etwa, wenn einem Levi’s-Fan, der laut Messung seines Wearables gerade langsam und entspannt durch eine Einkaufstraße bummelt, Werbung für eine Jeans geschickt wird. Diese bietet ein nämlich ein nahegelegener Store gerade stark reduziert an. Und hat noch mehr als drei vorrätig.

Und: Techniken, die jetzt nach Science-Fiction klingen, werden noch schneller marktreif. Beispielsweise die automatische Erkennung und persönliche Ansprache von Store-Besuchern via Smart Glass und großer Touchscreens. Immer wahrscheinlicher wird auch die Sprachsteuerung von Smart-TV-Geräten, die alles abspeichern, was der Besitzer in den vergangenen Jahren gesagt hat. So kann der virtuelle Assistent noch gründlicher auf die Vorlieben des Kunden eingehen und Kaufprozesse durchführen. Vorausgesetzt natürlich, der Verbraucher hat dafür seine Einwilligung gegeben. Sonst werden die Tools schnell zum Bumerang. Denn nicht alles, was technisch möglich ist, ist auch sinnvoll bzw. vom Kunden gewollt.

Und: Deutscher Perfektionismus ist bei der Umsetzung digitaler Innovationen eher hinderlich. In der Startup-Szene ist es jetzt schon Usus, Lösungen heißzuschalten, wenn sie erst zu 70 bis 80 Prozent fertig sind. „Wenn Sie hundertprozentig sicher sein müssen, dann werden sie hundertprozentig zu spät kommen“, warnte der Digitalberater Martin Newman auf dem Etailment-Branchenkongress.

Die MIT-Forscher veranschaulichen ihre Prognose übrigens mit der Legende vom Schachbrett-Erfinder, der angeblich als Belohnung die Summe an Reiskörnern verlangte, die sich ergibt, wenn die Zahl der Reiskörner von einem Schachbrettfeld zum anderen jeweils verdoppelt wird. Ausgehend von einem einzigen Reiskorn. Ergebnis: 18 Trillionen! Ein Haufen dieser Größe hätte den Mount Everest überragt. Und die digitale Revolution, so die Forscher, hat bereits die zweite Hälfte des Schachbretts erreicht, auf der schon Billionen von Reiskörnern liegen.

Bert Rösch berichtet für die Fachzeitschrift TextilWirtschaft über E-Commerce, Logistik und IT in der Modebranche. Sie erscheint, ebenso wie etailment, in der dfv Mediengruppe.Weitere Informationen zu Customer Experience, Multichannel und M-Commerce lesen Sie am Donnerstag in der aktuellen Ausgabe der TextilWirtschaft. Tipp: Für Nutzer der iPad-App der TW erscheint die Ausgabe schon mittwochs ab 18 Uhr auf dem iPad.


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