Hoster-Wahl: Wie Onlinehändler einen Reinfall vermeiden

Von Stephan Lamprecht | 17. Juli 2014 |

Hoster-Wahl: Wie Onlinehändler einen Reinfall vermeiden
Über welchen Provider die Anbindung des Webshops erfolgt, ist nicht nur eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Die Wahl des Hosters kann im E-Commerce durchaus über Erfolg und Misserfolg des Geschäftsmodells mit entscheiden.

Wer Waren über das Internet feilbieten möchte, der braucht einen Server und eine Internetanbindung. Das weiß jeder. Klar. Nur nach welchen Kriterien findet man in der Flut verschiedenster Hosting-Modelle und Tarifvarianten die passende Lösung?

Unternehmen, die alles in eigener Hand behalten wollen, stellen einen eigenen Server in einem Rechenzentrum eines Providers unter. Der Ansatz nennt sich Colocation und hat in den vergangenen 12 Monaten deutliche Zuwächse erlebt. Dazu haben nicht zuletzt die Diskussionen rund um die Sicherheit von Cloud-Lösungen beigetragen. Colocation dürfte aber mittelfristig ausschließlich ein Thema größerer Unternehmen bleiben, denn bereits Auswahl, Beschaffung und Pflege der Hardware eines Servers erfordern eine Menge Fachwissen, das nicht jedes Unternehmen aufbauen will.

Kleinere Anbieter und der Mittelstand greifen in der Regel zu Shared Hosting oder einem dedizierten Server bei einem Provider. Viel zu oft (gerade während der Gründungsphase) wird dabei allein auf die Kostenseite geschielt, mit teilweise fatalen Folgen.

Billig kann teuer werden

Beispiel Shared Hosting: Wer professionell im E-Commerce agieren möchte, greift am besten von vornherein zu einem dedizierten Server. Denn hat das Blog des Server-Nachbarn ein technisches Problem, kann das zum Ausfall auch des eigenen Shops führen. Und Ausfälle haben nun einmal auch die Qualität, das eigene Ansehen beim Kunden nachhaltig zu schädigen. Unter dem Blickwinkel der Suchmaschinenoptimierung ist es beim Shared Hosting ohnehin wenig vorteilhaft, wenn ein Shop für hochpreisige Damenmode auf einem Server liegt, auf dem vielleicht auch schmuddlige Inhalte angeboten werden.

Die Entscheidung zwischen Shared Hosting oder dedizierter Server ist somit eigentlich keine.

„Im Internet weiß niemand, dass Du ein Hund bist“ - die Grundbotschaft des Cartoons aus den 90er Jahren gilt auch für die Anbieter dedizierter Server. Hobbyisten oder Provider, die das Geschäft „nebenbei“ erledigen, sollten tabu sein. Egal, wie vielversprechend die Homepage des Unternehmens aussieht. Bevor Verträge unterschrieben werden, informiert sich der Kunde am besten genauer über den potentiellen Anbieter.

Erst einmal genau den Bedarf ermitteln

Um eine Entscheidung zwischen Tarifen und Providern treffen zu können, muss ein Unternehmen seinen Bedarf möglichst genau kennen. Welche Software und welche Skriptsprachen werden eingesetzt? Magento benötigt andere individuelle Konfigurationen am Server als ein Wordpress-System. Überhaupt: Was erlaubt der Provider an Anpassungen? Ebenfalls nicht ganz unwichtig: Wer installiert das alles auf dem Server?

Diese Fragen, die mehr oder weniger direkt mit den Systemvoraussetzungen verbunden sind, werden ergänzt durch Aspekte, die über Wohl und Wehe des Auftritts entscheiden können.

Welche Verfügbarkeit des Systems garantiert der Anbieter vertraglich (um die 99% sollte das schon sein)? Vor allen Dingen aber, wie schnell stellt er Problemlösungen und Support in Aussicht? Nicht ganz unwichtig ist auch die Frage, ob es fachlichen Support für die eingesetzte Hauptanwendung gibt? Ausgewiesene Magento-Expertise ist wenig hilfreich, wenn ein anderes System verwendet werden soll. Erst wenn schließlich noch die Frage nach der Datensicherung zufriedenstellend beantwortet wurde, kann der Vergleich der Tarife beginnen.

Das Hosting bildet das Fundament für jedes E-Commerce-Angebot. Wer sich den falschen Anbieter aussucht, riskiert schlimmstenfalls Ausfälle und Datenverluste und damit Umsatzeinbußen oder Verluste der Reputation. Höchste Zeit also, die Frage nach dem passenden Hosting-Angebot die Bedeutung zu verleihen, die ihr zukommt.

 

Der Autor:
Stephan Lamprecht ist neuer Stammautor bei etailment. Er begleitet die Internet- und E-Commerce-Szene seit Mitte der 90er Jahre nicht nur als Autor und Journalist. In den vergangenen 20 Jahren hat er auch in führenden Positionen in PR, Online-Marketing und Content-Produktion gearbeitet. Lamprecht schreibt auch noch unter www.der-lifehacker.de. Auf Twitter finden Sie ihn unter @slamprecht. Ein bisschen mehr über ihn verrät seine Homepage unter www.lamprecht.net.

photo credit: Beraldo Leal via photopin cc

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Thema: Technologie

Schlagworte: Filehosting, Hoster, Server

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