IT-Trends: Dahin wandert jetzt das IT-Budget

Von Sybille Wilhelm | 24. März 2015 | 1 Kommentar Kommentieren

Ohne Technik funktioniert im Verkaufsraum mittlerweile nichts mehr – und im Hintergrund schon gar nicht. Mehr denn je müssen Händler zusehen, wie sie mit der rasanten technischen Entwicklung Schritt halten.

Das ist allerdings nicht so ohne. Einerseits muss ein Handelsunternehmen die Geschäftsprozesse im eigenen Haus optimieren – Stichworte sind hier unter anderem Cloud, Big Data und IT-Sicherheit. Andererseits gilt es rund um den Kontakt mit dem Kunden „aufzurüsten“, der inzwischen tatsächlich König ist – Stichworte hier sind beispielsweise Social Web, Mobile und Datenverfügbarkeit immer und überall und vor allem: in Sekundenschnelle.

Entsprechend der immer wichtiger werdenden Informationstechnologie sind die IT-Budgets ebenso gestiegen wie die Nachfrage nach geeigneten Fachkräften, hat das EHI Retail Institute in seiner neuesten Studie zu den IT-Trends im deutschsprachigen Handel herausgefunden.

Wenn man selbst also den digitalen Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, kann es daher ganz hilfreich sein, zu sehen, wo der Wettbewerb seine Etats platzieren will.  


Herausforderung Kanalintegration

Das Thema Omnichannel, also die Vernetzung der verschiedenen Kanäle, ist für 63 Prozent der IT-Manager der aktuell bedeutendste Technologietrend. Konkret wird das Thema als IT-Projekt in den kommenden beiden Jahren bei jedem zweiten befragten Handelsunternehmen. Die wichtigste Herausforderung ist dabei für die Hälfte der IT-Manager die Optimierung der Kanalintegration aus organisatorischer Sicht, gefolgt von der technischen Systemverknüpfung, der Anbindung in „Echtzeit“ und dem Stammdatenmanagement.

Nur 12 Prozent der Unternehmen schätzen die Kanalintegration im eigenen Unternehmen bereits als gut ein, 40 Prozent sehen sich zumindest auf gutem Wege. Als weitere anstehende Projekte für die kommenden zwei Jahre nannten 45 Prozent der Befragten die Erneuerung oder Optimierung der Warenwirtschaftssysteme und 38 Prozent das Supply Chain Management, also die Organisation der Wertschöpfungs- und Lieferkette.

Innovationstreiber Mobile

Darüber hinaus stehen für 57 Prozent der Befragten mobile Anwendungen ganz oben auf der Liste der Technologietrends. Entsprechend schlägt sich auch dieses Thema in den Projekten nieder: Ein knappes Viertel der IT-Manager will die Mitarbeiter im Laden mit mobilen Systemen ausstatten, 17 Prozent feilen an mobilen Lösungen für ihre Kunden.

Auch das Thema Mobile Payment wird von gut jedem vierten Befragten mit Interesse beobachtet. Viele Händler erhoffen sich dabei vor allem eine Beschleunigung des Kassiervorgangs, zudem sehen sie auch Potenzial in der Verbindung mit Kundenbonusprogrammen und händlerspezifischen Apps.

Dass der Kunde den Händler mobil erreichen kann, hat bei 55 Prozent der Studienteilnehmer eine hohe strategische Bedeutung, für die restlichen Handelsunternehmen steht das Thema derzeit aufgrund der Kundenstruktur und der Sortimente weniger im Fokus.

Während der Studie zufolge rund sechs von zehn der befragten Handelsunternehmen Tablet-PCs in den Verkaufsräumen im Einsatz haben – 23 Prozent davon spezielle Businessgeräte, 38 Prozent „normale“ für Consumer –, ist bei den restlichen vier von zehn Handelsunternehmen auch mittelfristig kein Einsatz der mobilen Computer vorgesehen.

IT-Trends: Dahin wandert jetzt das IT-Budget

Cloud

Bei den Händlern herrschen dem EHI zufolge noch recht unterschiedliche Auffassungen, was Cloud Computing konkret bedeutet. Daher dominieren bei der über das Internet zur Verfügung stehenden Informationstechnologie aktuell noch online zur Verfügung stehende Büro- und Personalmanagementanwendungen. Unterdessen messen 14 Prozent der IT-Manager dem Cloud Computing bereits heute eine große Bedeutung zu, 34 sind der Meinung, dass sie stark zunehmen wird. Die restlichen Befragten – und das ist mit 52 Prozent die knappe Mehrheit – meint, dass die Wichtigkeit von Cloud-Diensten weiterhin gering bleiben wird.

RFID

Es ist noch nicht so lange her, da wurde den Händlern die Radiowellen-Technologie RFID als das Zukunftsthema Nummer eins verkauft. Doch die Realität sieht heute etwas anders aus: 12 Prozent der befragten Unternehmen nutzen das Sender-Empfänger-System, das unter anderem in der Logistik, Warenwirtschaft und zur Warensicherung eingesetzt werden kann. Fast ebenso viele (11 Prozent) haben die Technologie zwar getestet, aber wieder eingestellt. Aktuell planen 6 Prozent den Einsatz, während für 71 Prozent der Befragten RFID nicht relevant ist.

Beacon

Auch der aktuell von Dienstleistern angepriesenen Funktechnik Beacon stehen deutsche Händler noch eher skeptisch gegenüber. Dabei kann der Händler Kunden beim Betreten des Geschäfts persönliche Nachrichten wie beispielsweise Gutscheine auf sein Smartphone schicken. Doch nur 15 Prozent haben die Technologie zur stationären Kundenbindung schon im Einsatz, 11 Prozent planen konkret, dies zu tun. Allerdings geben knapp zwei Drittel der IT-Manager an, dass Beacon in ihrem Unternehmen kein Thema ist.

Elektronische Regaletiketten

IT-Budget

Die IT-Budgets sind dem EHI zufolge inzwischen auf durchschnittlich 1,24 Prozent vom Nettoumsatz gestiegen. Zum Vergleich: Im Jahr 2013 waren es 1,14 Prozent, zwei Jahre zuvor 1,12 Prozent. Für die aktuelle Studie „IT-Trends im Handel 2015“ hat das EHI CIOs und IT-Leiter von insgesamt 95 Handelsunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz in persönlichen Interviews zu Projekten, Trends und Investitionsprioritäten befragt. Die interviewten Einzelhändler stehen für insgesamt über 300 Milliarden Euro Unternehmensumsatz.
Wenn man überwiegend die gleichen, schnelldrehenden, wiederbeschaffbaren Artikel verkauft und regelmäßig Sonderangebote im Programm hat, ist eine zentrale Preisauszeichnung „auf Knopfdruck“ recht praktisch. Dementsprechend stehen Handelsunternehmen mit hoher Lagerumschlagsgeschwindigkeit („Fast Moving Consumer Goods“ FMCG) wie beispielsweise Supermärkte elektronischen Regaletiketten aufgeschlossen gegenüber. Während 13 Prozent der FMCG-Händler die sogenannten Electronic Shelf Labels (ESL) bereits im Einsatz haben und ihn 10 Prozent konkret planen, geben vier von zehn Befragten an, dass sie das Thema elektronische Etiketten unter Beobachtung haben.

Self-Checkout

Im deutschen Handel sieht man die sogenannten Self-Checkout-Systeme, bei denen Kunden die Warenerfassung und den Bezahlvorgang selbst übernehmen, bislang noch eher selten. Auch wenn 33 Prozent der befragten FMCG-Händler solche Systeme im Einsatz haben und ihn 13 Prozent planen, ist er für 53 Prozent und somit gut jedem zweiten „Schnelldreher-Verkäufer“ nicht relevant.

Um herauszufinden, warum das in anderen europäischen Ländern deutlich erfolgreichere System hierzulande vergleichsweise wenig Verbreitung findet, hat das EHI nun die Self-Checkout Initiative vorgestellt. Das erste Ergebnis einer repräsentativen Studie: Am deutschen Kunden liegt es nicht. Denn 52 Prozent der Bundesbürger kennen diese Form der Selbstbedienung und immerhin 20 Prozent der Befragten nutzen die sogenannten SB-Kassen.

Das Hauptmotiv, den Bezahlvorgang selbst abzuwickeln, ist für neun von zehn Kunden demnach die Zeitersparnis. Besonders die aufgezwungene Passivität in „langen Warteschlangen“ empfinden Kunden als negativ.

Für gut zwei Drittel ist zudem das selbstbestimmte Tempo beim Scan- und Bezahlvorgang an SB-Kassen motivierend, weil sie sich an herkömmlichen Kassen durch das hohe Tempo der Kassierkräfte oft unter Druck gesetzt fühlen. Ihnen würde aus demselben Grund auch die Kontrolle der Preise erschwert, ergab die Studie.

Den Konsumenten ist demnach zwar bewusst, dass das eigene Scannen langsamer ist, als wenn das eine erfahrene Kassenkraft übernimmt. Entscheidend ist für den selbstkassierenden Kunden jedoch der insgesamt kürzere Zeitbedarf, weil er das Anstehen in der Warteschlange mitrechnet. Und last, but not least haben einige Kunden bei dem autonomen Checkout-Prozess schlicht Spaß an der Innovation.

IT-Trends: Dahin wandert jetzt das IT-Budget
 



Der Beitrag erschien zuerst in der Print-Ausgabe von "Der Handel"
Sybille Wilhelm berichtet für die Fachzeitschrift "Der Handel"  über E-Commerce. Das Magazin erscheint, ebenso wie etailment, in der dfv Mediengruppe
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Thema: Technologie

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Erstellt 24. März 2015 20:00 | Permanent-Link
    Neuerungen, von denen wir noch nichts ahnen.

    Eine sehr spannende Betrachtung. Auch, wenn ich die Prognose insbesondere im Hinblick auf Cloud Computing so unterschreiben würde, gerade nach dem Blick auf die CeBIT, glaube ich, dass wir in Zukunft noch viele weitere Trends sehen werden, auf die sich IT-Budgets verschieben und von denen wir heute noch nichtmal ahnen, dass sie kommen werden.

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