Mit Augmented Reality echten Mehrwert erzeugen

Von Gastautor | 21. Januar 2016 |

Augmented Reality zählt derzeit zu den heißesten Trends im digitalen Business. Einige Unternehmen haben bereits erste Anwendungen erfolgreich umgesetzt. Die Technologie kann die „Customer Experience“ weiter verbessern und dabei helfen, die internen Prozesse zu optimieren. Unternehmen sollten sich dem Thema aber nicht in erster Linie technisch, sondern vor allem konzeptionell nähern, meint Nico Rehmann, Chief Sales Officer beim Digital-Business-Spezialisten Arithnea in einem Gastbeitrag für etailment.

Mit Augmented Reality echten Mehrwert erzeugen
Nico Rehmann

Augmented Reality eröffnet nicht nur der Industrie 4.0, sondern auch dem digitalen Business zahlreiche neue Möglichkeiten. Dazu zählt unter anderem die Verknüpfung von Offline- mit Online-Medien. So liefern bereits einige Handelsunternehmen gedruckte Kataloge, aus, die sich in Kombination mit mobilen Apps virtuell erweitern lassen. Die Nutzer können einzelne Katalogseiten mit den Kameras ihrer Smartphones oder Tablets fotografieren, die App führt dann einen Bildabgleich durch, erkennt so das Produkt, für das sich der Nutzer interessiert, und bietet ihm weiterführende virtuelle Informationen an – seien es Produktvideos, Empfehlungen für passendes Zubehör oder auch die direkte Verbindung mit dem gewünschten Produkt im Online-Shop. Auf diese Weise gestaltet Augmented Reality die Customer Experience der Offline-Kanäle noch positiver.

Augmented Reality

Augmented Reality („erweiterte Realität“) bezeichnet die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung durch zusätzliche digitale Informationen. Augmented Reality kombiniert also die Realität mit virtuellen Darstellungen. Damit unterscheidet sie sich von der Virtual Reality („virtuelle Realität“). Bei ihr tauchen die Benutzer komplett in eine virtuelle Welt ab.
Je nach Art der Produkte kann Augmented Reality den Konsumenten außerdem das Ausprobieren vor dem Kauf erheblich erleichtern. Bei Kleidungsstücken beispielsweise ist das auf herkömmlichem Wege im Geschäft problemlos möglich – bei Einrichtungsgegenständen etwa gestaltet sich das dagegen schon deutlich schwieriger. Wie sich hier Abhilfe schaffen lässt, zeigt die Augmented-Reality-App von IKEA. Sie ermöglicht den Nutzern, Möbelstücke im richtigen Größenverhältnis virtuell direkt in ihre Wohnräume zu platzieren. Man sieht durch die Kamera seines Mobilgeräts sein Zimmer, und in dieses Bild blendet die App das ausgewählte Möbelstück ein. Es lässt sich verschieben und drehen, so dass sich der Nutzer davon überzeugen kann, ob das Möbelstück auch wirklich in seine Wohnung passt und die gewünschte Wirkung entfaltet oder nicht.

Doch nicht nur für Kunden, sondern auch in den internen Geschäftsprozessen eröffnet Augmented Reality neue Potenziale. Zu den wichtigsten Abläufen im E-Business zählt angesichts der steigenden Erwartungen von Kunden an schnelle Lieferungen die Logistik. ERP-Anbieter erarbeiten derzeit vielversprechende erste Ansätze, um die Prozesse im Lager mit Hilfe von Wearables wie Google Glass zu optimieren. Dazu werden beispielsweise Mitarbeitern, die einen Gabelstapler steuern, die aktuellen Bestellungen in eine Datenbrille eingeblendet – und zwar genau in der Reihenfolge, die die kürzesten Wege bei der Entnahme der Produkte aus den Regalen gewährleistet.

Systeme sind teilweise noch nicht völlig ausgereift

Grenzen für den Einsatz von Augmented Reality im digitalen Business setzen derzeit unter anderem noch die Zielgruppen. Es ist davon auszugehen, dass User bis zum Alter von ungefähr 50 Jahren Augmented-Reality-Anwendungen generell gerne nutzen. Darüber hinaus kommt es dann in jedem Einzelfall darauf an, wie Technik-affin die jeweilige Person ist. Aber auch technisch existieren derzeit noch kleinere Einschränkungen. So sind die Systeme noch nicht ausgereift genug, um nicht-feste Stoffe ­– etwa von Taschen oder Kleidungsstücken – so abzubilden, dass sie sich realitätsgetreu verhalten.

Die nötigen Messverfahren, um individuelle menschliche Körper so genau zu erfassen, dass ihnen diese Stoffe exakt angepasst werden können, sind im Moment ebenfalls noch nicht ganz zufriedenstellend. In diesem Zusammenhang mangelt es den Webcams und den Kameras der Mobilgeräte außerdem häufig noch an der nötigen technischen Grundausstattung. Um lebensechte 3D-Modelle erstellen zu können, benötigen sie nämlich zwei Linsen, und darüber verfügen sie nur in seltenen Fällen. Dass der Trend der Anbieter aber eindeutig in Richtung Augmented Reality geht und es deshalb nur noch eine Frage der Zeit ist, bis diese Grenzen überwunden werden, steht außer Frage. Das unterstreicht nicht zuletzt die Übernahme des Münchner Augmented-Reality-Spezialisten Metaio durch Apple im Mai 2015.

Über den Autor

Nico Rehmann ist Chief Sales Officer beim Digital-Business-Spezialisten Arithnea in Neubiberg bei München und seit 2009 Mitglied der Geschäftsleitung. Seit 2014 ist er als CSO zuständig für die Bereiche Strategy Consulting, Vertrieb, Marketing sowie Produktentwicklung. Vor seinem Einstieg bei Arithnea studierte Nico Rehmann Wirtschaftsinformatik an der Berufsakademie Villingen-Schwenningen und war bei einer internationalen Unternehmensberatung im Bereich Content Management und E-Commerce tätig.

Unternehmen, die das Thema Augmented Reality angehen wollen, sollten sich ihm unbedingt von konzeptioneller Seite nähern. Natürlich benötigen sie technisches Know-how, etwa um eine App zu entwickeln und sie im Idealfall mit ihrem Content Management System oder dem Webshop zu verknüpfen. Der entscheidende erste Schritt besteht aber darin, herauszuarbeiten, wie sie mit Augmented Reality einen echten Mehrwert für ihre Kunden oder ihre Prozesse generieren können.

Setzen sie diese Technologie lediglich als Eyecatcher ohne konkreten Nutzen ein, werden sie damit wenig erfolgreich sein. Ein besonders gelungenes Beispiel dafür, wie sich mit Augmented Reality ein Mehrwert generieren lässt, liefert Lego mit seiner Digital Box. Sie war die erste Anwendung dieser Art, die von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. In Spielwarengeschäften können Kunden die Lego-Verpackungen aus den Regalen an ein Terminal bringen, das die Verpackungen erkennt und auf seinem Bildschirm das aufgebaute Modell in animierten Spielsituationen zeigt. Diese Digital Box lockte nicht nur die neugierig gewordenen Menschen zahlreich in die Geschäfte, sondern trieb auch die Verkäufe deutlich nach oben.

Datenschutz ist große Herausforderung für die Zukunft

Konkrete Augmented-Reality-Projekte sind derzeit aber vor allem im B2C-Umfeld noch eher die Ausnahme. Der B2B-Bereich ist hier bereits einen kleinen Schritt weiter. Ein beliebtes Einsatzgebiet sind beispielsweise Instandhaltungs-Apps, die Techniker direkt an einer Anlage oder Maschine mir virtuellen Hilfestellungen durch eine Reparatur oder Montage leiten.

Angesichts ihrer erheblichen Nutzenpotenziale ist die Frage aber nicht ob, sondern wann sich Augmented Reality auf breiter Front durchsetzt. Eine große Herausforderung ist dabei der Datenschutz. Die Technologie wird in nicht allzu ferner Zukunft viele neuartige und vorteilhafte Services ermöglichen, aber auch die Diskussionen um den verantwortlichen Umgang mit sensiblen Informationen weiter anheizen.

So ist etwa folgendes Szenario vorstellbar: Jemand geht in einer Fußgängerzone am Schaufenster eines Bekleidungsgeschäfts vorbei und wird dabei von einer Kamera erfasst und vermessen. Da die Person bereits Kunde des Geschäfts ist, hat dieses ein Foto von ihr in seinen Systemen und kann sie damit automatisch erkennen. Außerdem ist dort bekannt, dass sie gerne einen bestimmten Typ an Mänteln trägt. Deshalb stellt das Geschäft die Person, noch während sie daran vorbeigeht, in seinem Schaufenster auf einem großen Display im neuesten Modell dieses Manteltyps realitätsgetreu dar. Ein toller Service, keine Frage. Aber um erbringen zu können ist es nötig, viele sensible Informationen zu erfassen, aus denen sich im Missbrauchsfall Verhaltens- und Bewegungsprofile ableiten lassen. Deshalb sind für die Zukunft Konzepte gefragt, die die großartigen Chancen der Augmented Reality mit dem Schutz persönlicher Daten vereinbar machen.


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