Shopping 3.0: Winken statt klicken

Von Frank Puscher | 23. August 2013 |

leap motion
Vor knapp einem Jahr tauchte der erste Prototyp der USB-Gestensteuerung Leap Motion bei den US-Gadget-Blogs auf. Inzwischen gibt’s das kleine Zauberkästchen zu kaufen. Die Usability-Tester von UID haben genau hingeschaut, was Nutzer damit erleben. Das sollten auch Online-Händer wissen. Denn womöglich kaufen wir im Web in Zukunft nicht per Klick, sondern mit einem Fingerschnippen.

Wer heute einen neuen Rechner kaufen will, trägt vermutlich einen inneren Konflikt aus. Eine stationäre Kiste für „unter den Schreibtisch“ wird es wohl kaum werden. Eine stationäre Kiste für „auf den Schreibtisch“ schon eher. Jede Menge vollwertige All-in-one-PCs vom Stile eines iMac buhlen um die Kundenschar. Jüngst lobte die Redaktion der renommierten Computerzeitschrift Ct zum Beispiel den Asus Transformer AiO. Dessen Bildschirm kann man abmachen und als Android-Tablet unter den Arm klemmen.   

Wer sich eher Richtung Mobilrechner entscheidet, steht vor dem gleichen Dilemma. Reicht ein normales Tablet, dessen Akku lange hält, das aber bei der Rechnerleistung schwächelt. Oder darf es einer dieser neuen Zwitter sein wie das Aspire R von Acer, auf dessen Bildschirm man zu zweit Flippern kann.

Eventuell kann ein kleines, rechteckiges Kästchen diese ganze Diskussion noch etwas nach hinten verlagern. Es kann nämlich jeden beliebigen PC (Windows und Mac) so aufrüsten, dass er sogar berührungsfrei zu steuern ist. Ganz so wie die SmartTV von Samsung oder die neue XBox.

Die Entwicklung dieses Kästchens namens Leap Motion entspringt einer interessanten Beobachtung: Die großen Bildschirme, die viele von uns am Arbeitsplatz nutzen, stehen aus ergonomischen Gründen zu weit weg, um per Berührung gesteuert werden zu können. Also muss das Gerät berührungsfrei zu steuern sein. Berührungsfrei, das ist freilich auch das Zauberwort für den stationären Handel, denn man kann den Schaufensterbummlern damit Zugang zu einem Rechner verschaffen, der dem Kunden virtuelle Sortimente erschließt. Berührungsfreie Technologie verspricht weniger anfällig für Störungen und Vandalismus zu sein. Und drittens gibt es noch eine Reihe von besonderen Einsatzformen, immer dann, wenn der Rechner zu weit weg ist (Vortragspräsentation) oder wenn man ihn nicht berühren will, weil man beispielsweise schmutzige Hände hat.

In jedem dieser Fälle könnte Gestensteuerung spannend sein. Und Leap Motion verspricht eben diese für gerade Mal 80 Euro.


Nachdem eine Reihe von Experten von Spiegel über Focus bis Computerbild das kleine Kästchen als „ganz nett aber braucht niemand“ eingeordnet haben, ließen nun die Usability-Forscher von UID aus dem schwäbischen Ludwigsburg „echte“ Probanden auf das kleine Gerät los.

leap motion
Insgesamt eine Million Downloads verzeichnete der Leap-Appstore eigenen Angaben zufolge in den ersten drei Wochen
Und siehe da: Wenn die Nutzer verstanden hatten, wie eine App auf die jeweilige Geste reagiert, dann waren sie begeistert und spielten intensiv mit den Anwendungen. Waren die Ansätze in der App aber zu komplex oder überforderte die Bewegung die Erkennungsleistung des Endgeräts, dann breitete sich schnell Frust aus.  „Es war für die Teilnehmer auf Dauer sehr anstrengend und ermüdend, wenn sie Gesten mehrfach wiederholen mussten. Das trübte das Bedienerlebnis", erklärt Studienleiter Tobias Limbach.

Die Ergebnisse der Studie lesen sich wie ein Leitfaden für App-Design oder die Entwicklung mobiler Webseiten. Bei einfachen Grundfunktionen kann Leap Motion punkten. Sobald Apps aber beginnen, eigene Wege in Sachen Interface-Design einzuschlagen, stößt die Lernfähigkeit und Lernbereitschaft der Probanden schnell an ihre Grenzen. Wichtig aus Sicht der Tester wäre ein übergreifender Satz an Standardgesten, der für alle Anwendungen gilt. Ähnliche Kritik hatten auch die ersten Anwender von Google Glass von sich gegeben.

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Thema: Tools

Schlagworte: leap motion

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