Klout: Rating-Agentur für das Social Web

Klout The Standard for Influence
Perks, auf Deutsch Vergünstigungen, ist das Zauberwort, mit dem der Internetdienst Klout lockt. Nutzer und Unternehmen. Doch nicht nur deswegen ist Klout, neben Peerindex das derzeit wohl bekannteste Werkzeug zur Messung der Online-Reputation, aus der Kommunikation im Web für Hersteller und Handel künftig nicht mehr wegzudenken. Jetzt hat Klout die Berechnungsgrundlage seines Scores optimiert. etailment erklärt, wie Unternehmen Klout nutzen und wie das Social-Media-Rating funktioniert.

Anfänglich wurde Klout eher belächelt, wurde als neue Messgröße zur Egobefriedigung jenseits reiner Follower- und Fanzahlen verspottet. Als dann der wohl eher als PR-Stunt verbreitete Fall eines Beraters durch das World Wide Web gereicht wurde, der angesichts einer niedrigen Klout-Zahl bei einer Bewerbung durchs Raster fiel, hatten die Medien ihr Schlagwort von der „Schufa fürs Netz“ gefunden.

Das hat einen wahren Kern, aber auch viel mit Hysterie zu tun. Denn vor allem sind Onlinedienste wie Klout ein Hebel für Marketer, um Multiplikatoren, Markenbotschafter und gute  Kunden zu identifizieren und gezielter anzusprechen. Sie sind damit die Rating-Agenturen des Social Web.

Fest steht: In Zeiten, in denen Fans bei Ebay gekauft werden können, sagt die Zahl der Freunde bei Facebook und die Masse der Fans bei Twitter oder andernorts wenig bis gar nichts mehr über die Reichweite eines Nutzers und seine Relevanz als Multiplikator aus. Hier hilft Klout mit einem Algorithmus weiter, der die verstreuten Online-Identitäten bündelt und auswertet. Kurz gesagt: Je besser und intensiver ein Nutzer vernetzt ist, desto höher ist sein Klout-Score auf einer Skala von 1 bis 100.

Klout Perks
Die Reputation in den sozialen Medien zu messen, das kann zunächst einmal die persönliche Eitelkeit befriedigen. Ist der Score hoch genug, dann kann es sich auch in Form von Vergünstigungen (Perks) von Unternehmen auszahlen, die via Klout angeboten werden.

So vergab beispielweise Microsoft 500 neue Windows Phones via Klout an Nutzer mit einem besonders hohen Punktestand. Red Bull verteilt Eintrittskarten oder Produktproben an Nutzer, die ihrem Punktekonto zufolge besonders einflussreich sind. Die Hoffnung dabei: Diese menschlichen Hubs werden über ihre Erlebnisse mit Marke und Produkt dann auch in den jeweiligen Netzwerken berichten und so für Gesprächsstoff sorgen. Honda verteilt in den USA gerade auf diesem Weg Einladungen für ein Erlebniswochenende mit dem Acura.


So wird der Klout-Score berechnet:  

Klout berechnet dann aus Freundeszahl und Interaktionen den Gesamt-Einflussfaktor auf einer Skala von 1 bis 100 und analysiert, in welchen Themenbereichen ein Nutzer als Experte gilt.

Klout setzt im Kern auf drei Faktoren:

Die tatsächliche Reichweite: Das Tool rechnet aus den Followern und Freunden in den verschiedenen Netzwerken zunächst Bots oder inaktive Accounts heraus. Daraus ergibt sich, wie viele tatsächlich interagierende Menschen mit den einzelnen Profilen erreicht werden.

Verstärkungspotenzial: Bei dieser Messgröße überprüft der Dienst, wie häufig eigene Beiträge, beispielsweise Tweets, von anderen Nutzern weitergeleitet werden. Je häufiger inter8agiert wird und ein Beitrag verteilt wird, desto viraler werden Inhalte verbreitet, desto einflussreicher dürfte der Nutzer sein. Das soll zugleich verhindern, dass zum Beispiel Twitter-Spammer ihren Wert auf Dauer künstlich nach oben treiben können. Für einen hohen Score reicht es deshalb langfristig auch nicht aus, einfach nur viele Freunde zu sammeln.

Relevanz des Netzwerks: Hierbei berücksichtigt der Klout-Score, wie groß der Einfluss (Reichweite, Potenzial) der Personen ist, die dem Nutzer folgen beziehungsweise mit ihm befreundet sind. Schlichter Fan-Kauf macht deshalb wenig Sinn, um seinen Punktestand zu verbessern. Stattdessen belohnt Klout, wenn der Nutzer wiederum mit Multiplikatoren mit hoher Reichweite in der jeweiligen Branche verknüpft ist. Simpel gesagt: Wer wichtige Leute kennt, ist relevant.

Neuerdings berücksichtigt Klout deutlicher LinkedIn-Profile sowie Wikipedia-Einträge.  Insgesamt wird dem Einfluss bei Berechung mehr Gewicht gegeben als der Aktivität. Ausführlich beschreibt Klout  die Grundlagen. Dort zeigt sich auch, welche Metriken und Signale mittlerweile auf dem Radar hat. 


Inzwischen lässt Klout kaum noch ein Produktsegment aus: Kosmetik, Mode, Medien, Süßwaren, Getränke, Sport, Technik. Das Unternehmen lässt sich diesen Service natürlich bezahlen. Nutzerdaten gebe man indes nicht heraus, heißt es. Klout stellt lediglich den Kontakt zwischen Marke und Nutzer her. Einzige erhoffte Gegenleistung der Unternehmen: Publizität und Mundpropaganda bei Facebook und Co.

Klout Influence Report

Prinzipiell kann jeder eine Vergünstigung erhalten, so denn die Höhe des Klout-Score den Anforderungen des werbenden Unternehmens entspricht und der Nutzer bei der Plattform registriert ist. Apropos Registrierung: Klout sammelt zum Verdruss von Datenschützern im Hintergrund auch frei verfügbare Daten jener Nutzer, die nicht bei dem Dienst angemeldet sind und legt Schatten-Scores an. Das funktioniert beispielsweise über Freundeslisten von Mitgliedern und deren „Likes“. Akkurat werden die Daten aber erst, wenn der angemeldete Nutzer den Analysedienst mit all seinen Präsenzen im Web füttert.

Mit den digitalen Messlatten errechnet Klout aber nicht nur die Relevanz über den groben Kamm, sondern versucht auch auszuknobeln, in welchen Themenfeldern der Nutzer besonders einflussreich ist. Zwar machen sich etablierte Medien derzeit noch gern über manch eine grobe Zuordnung lustig (Klout sagt dem Autor eigenartigerweise einen gewissen Einfluss zum Thema Kalifornien nach), weil da ein neuer Wettbewerber um Werbegelder heranwächst, doch die Reputationsdienste arbeiten fieberhaft, ihre Formeln weiter zu verbessern.

Das erwartet auch die Industrie. So sucht Honda ganz gezielt Multiplikatoren für die Themen Autos, Design und Technik. Und je mehr auch die Kosmetikindustrie Klout für Pröbchen und flankierende Launch-Aktionen entdeckt, desto mehr wird auch gefragt sein, welche Altersgruppe ein „Influencer“ anspricht. Damit nicht genug. Es darf als ausgemacht gelten, dass gerade große Unternehmen beim Monitoring im Web auch den Reputationswert mit auf dem Radar haben, wenn Lob oder gar Kundenbeschwerden aufploppen.

Je besser der Nutzer verdrahtet ist, desto eher kann er dann mit einer Reaktion rechnen. Guter, schneller Service könnte damit künftig häufiger vom Klout-Punktestand des Betroffenen abhängig sein – quasi ein Journalisten-Bonus 2.0.

Auch deswegen dürfte so manch ein Medienbericht etwas missbilligend auf das digitale Reputations-Barometer schauen. Am Trend wird das nichts ändern. Denn mit zunehmender Vernetzung wird die Reputationsanalyse von Kunden für Unternehmen zu einem Standardelement. Da mag Klout eine vorübergehende Erscheinung bleiben, wenn der Rechenweg nicht besser wird. Die zentrale Forderung aber, wichtige Konsumenten über alle Netzwerke hinweg zu identifizieren und direkt zu adressieren, wird bleiben. Ob das Geschäft Klout macht oder ein Mitbewerber – unklar. Aber es wird ein großes sein. 


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Schlagworte: Klout

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Erstellt 15. August 2012 12:18 | Permanent-Link

    :-)) ... Die genannten Faktoren sind aber nicht alleine für das Ranking verantwortlich. Dies wäre dann ja noch einfacher als es eigentlich schon ist.

  2. Erstellt 15. August 2012 12:38 | Permanent-Link

    Klar, aber es geht ja auch darum, mal einen Überblick zu geben.

  3. Erstellt 15. August 2012 12:40 | Permanent-Link

    Hatt ich doch schon im Februar versucht ... :-9 http://blog.ripanti.de/2012/02/20/1774/

  4. Erstellt 15. August 2012 17:10 | Permanent-Link

    Danke für die treffende deutsche Erklärung von Klout!

    Weiterhin viel Erfolg und weiter so mit den Inhalten. Habe es gerade überall geteilt.

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